Das Internet bedroht den kleinen Spielwarenladen um die Ecke - diese Ansicht vertreten aus dem Bauch heraus wohl viele Menschen. Stimmt so aber nicht, sagen die Experten.

Ein Blick auf das Vergleichsportal, ein kurzer Klick, und schon liegt das begehrte Spielzeug zu einem besonders günstigen Preis im virtuellen Einkaufskorb. Gerade bei Spielsachen ist Onlineshopping aufgrund der präzisen Wünsche der Kinder und der hilfreichen Bewertungen im Netz besonders einfach und bequem - das Nachsehen hat das Fachgeschäft um die Ecke. Angeblich.

Diese noch vor wenigen Jahren befürchtete Schwächung des Fachhandels durch den zunehmenden Internethandel ist allerdings ausgeblieben. "Dass der Markt ausgeweitet wurde, hat die Spielwarenbranche insgesamt eher beflügelt", hört man von verschiedenen Branchenexperten, die sich derzeit auf der weltweit größten Spielwarenmesse in Nürnberg trifft.

Zwar wächst der Onlinehandel mit hohen zweistelligen Zuwachsraten deutlich stärker als der stationäre Handel. Aber auch die Ladenbesitzer können sich über ein moderates Wachstum freuen.

"Der E-Commerce wurde am Anfang verschrien als kannibalisierender Kanal", berichtet Andreas Duscha vom E-Commerce-Center Handel. "Das stimmt nicht, im Gegenteil: Es findet eine Befruchtung der einzelnen Kanäle statt."

So würden zehn Prozent der Kunden, die ein Spielzeug beim Fachhändler kaufen, den Entschluss dazu bei einer Internetrecherche fassen, sagt Duscha.

Wettbewerb gibt es schon immer

Auch der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels (BVS), Willy Fischel, sieht die Entwicklung gelassen: "Der Wettbewerb war auch vor E-Commerce schon da. Der Konsument entscheidet, wo gekauft wird, und der Handel muss sehen, dass er mit Preis und Leistung überzeugt."

Um der Angebotsvielfalt im Netz etwas entgegenzusetzen, investierten die Ladeninhaber gezielt in ihre Warenpräsentation und in größere Flächen. Auch würden sich immer mehr Geschäfte auf bestimmte Themen oder Altersgruppen spezialisieren, schildert Fischel.

Zudem vermischen sich E-Commerce und stationärer Handel immer stärker: Während letzterer inzwischen auch Produkte über Internetplattformen wie Ebay oder Amazon verkauft, eröffnen ursprünglich rein virtuelle Händler wie myToys eigene Läden.

20 Prozent des deutschen Marktes entfallen nach Schätzungen des BVS mittlerweile auf den Onlinehandel, wobei die großen Hersteller wie Playmobil oder Ravensburger ihre Kunden mit eigenen virtuellen Shops direkt ins Visier nehmen. Über die Theken des stationären Fachhandels gehen 38 Prozent des Umsatzes, der Rest verteilt sich auf Kaufhäuser, Supermärkte, Buchläden und Discounter.

Zwischen Beratung und Rechenschaftspflicht

"Wir erleben einen weiter zunehmenden Abfluss des Umsatzes Richtung Internet, und das wird sich so schnell auch nicht aufhalten lassen", sagt Handelsexperte Elmar Fedderke.

Der Geschäftsführer des Düsseldorfer Einzelhändlers Walgenbach setzt dem Trend die persönliche Beratung entgegen, weiß aber auch um die Gefahren dieser
Strategie: "Wir sind durch den persönlichen Kontakt in einer größeren Rechenschaftspflicht. Ein falsches Versprechen, ein falsches Wort, und wir werden für immer abgestraft." Dem Internet - "nach wie vor vor allem eine  Preisvergleichsmaschine" - werde hingegen mehr verziehen.

Fedderke plädiert für einen bewussten Umgang des Spielzeugfachhandels mit den Möglichkeiten des Internets. Aktionismus sei fehl am Platze. So sei vielen Händlern vor dem Schritt ins Netz nicht klar, dass sich das Personal permanent um die Anfragen und Bestellungen kümmern müsse - die Kunden erwarteten etwa auf eine Email binnen weniger Stunden eine Antwort.

Außerdem seien die Margen im Internet wegen der großen Konkurrenz sehr niedrig, während Verpackung und Logistik Geld kosteten. "Das wird von den meisten nicht gut durchkalkuliert", berichtet Fedderke. Er kenne keinen einzigen kleineren Händler, der dank seiner Internetpräsenz mehr Geld verdiene.

Social Media-Aktivitäten können nach hinten losgehen

Mit Blick auf Social-Media-Aktivitäten etwa bei Facebook ist Fedderke ebenfalls skeptisch. "Auch da erkenne ich kein wirkliches Erfolgskonzept. Wenn das jemand macht, der nicht besonders affin ist, und dann findet da nichts statt, dann wird das nach hinten losgehen."

In einem solchen Fall sei es besser, zunächst abzuwarten und sich gut über die Entwicklungen im Netz zu informieren, um gegebenenfalls schnell auf den Zug aufspringen zu können - so es sich denn nach einer kühlen betriebswirtschaftlichen Analyse lohne.

Elke Richter, dpa