Familie Loebner in Torgau handelt mit Spielwaren - und das schon seit 331 Jahren. Deutschlands ältestes inhabergeführtes Geschäft will nun einen weiteren Titel.

Wer im Spielwarengeschäft Loebner in Torgau (Sachsen) etwas kauft, kriegt einen Superlativ mitgeliefert. "Fa. Carl Loebner - Das älteste Spielwarengeschäft Deutschlands - gegr. 1685" steht ganz oben auf dem Kassenzettel. Seit der erste Loebner vor 331 Jahren mit dem Verkauf von gedrechseltem Holzspielzeug begann, ist das Geschäft in ständigem Familienbesitz. "Es wird immer vom Vater auf den ältesten Sohn übergeben. Wie bei einer Königsdynastie", sagt der heutige Chef, Jörg Loebner. Mit dieser Besonderheit hat sich die Familie jetzt um die Aufnahme ins "Guinness Buch der Rekorde" beworben.

Loebner führt das Geschäft in dem schmucken Renaissance-Haus in der Nähe des Torgauer Marktplatzes seit 1988, wie eine Liste der Inhaber in dem Geschäft ausweist. Es sei für ihn immer klar gewesen, dass er den Laden von seinem Vater Johann-Georg übernehmen würde, erzählt der 63-Jährige. Schon als kleiner Junge habe er am Verkaufstresen mitgeholfen, wenn es im Weihnachtsgeschäft hoch herging.

Umsatztreiber Internet

Rund 13.000 Artikel führt Loebner in seinem zweistöckigen Geschäft, von einem Kaubonbon für 10 Cent bis zu einem mehrere hundert Euro teuren Lego-Baukasten. Doch den größten Umsatz macht auch der Traditionsladen nicht mehr mit dem stationären Verkauf sondern im Internet. Dort handelt Loebner mit 65.000 Artikeln. "Wir verschicken 80.000 Pakete im Jahr. Das ist einfach der Trend der Zeit."

An seine Anfangszeit als Geschäftsinhaber erinnert sich Loebner gern zurück. Damals gab es noch die DDR. "Wir haben genauso gearbeitet wie heute. Aber was Spaß gemacht hat, war die innere Ruhe, die man hatte." Der Laden lief einfach, die Kunden rissen Loebner die Waren fast noch beim Ausladen aus der Hand. "Das einzige Problem, das wir hatten, war es, die Ware ranzuschaffen. Und jetzt ist es das Problem, die Ware an die Kunden zu bringen."

331 Jahre Seriosität

Beim Verkaufen helfe auch im Internet die lange Tradition, glaubt Loebner. "Wer sein Geschäft 331 Jahre führt, der muss seriös sein." Als zusätzliches Argument soll jetzt noch ein Weltrekord-Titel im Guinness-Buch her. Die Redaktion in London hat Loebner gebeten, Unterlagen zur Firmengeschichte einzureichen. Nun werde geprüft, ob den Torgauern der Titel "Ältestes Spielwarengeschäft der Welt" verliehen werden könne, sagt ein Sprecher.

Jörg Löbner wird im Mai 2018 die Familientradition weiterreichen, ein Counter auf seinem Handy zählt schon die Tage bis zu seinem 65. Geburtstag runter. Dann wird er seinem Sohn Ingo (39) das Geschäft in der zwölften Generation übergeben. Eine 13. Generation gibt es bislang noch nicht. "Aber das kommt noch", verspricht Ingo Loebner.