Vom guten Start ins Weihnachtsgeschäft profitieren auch die Spielwarenhändler. Es fehlen zwar die Verkaufsschlager, dafür laufen Klassiker gut. So gut, dass Ware vielerorts schon knapp geworden ist.

Für Spielwarenhändler ist die Vorweihnachtszeit umsatzstärkste Zeit des Jahres. Auch in diesem Jahr ist die Nachfrage nach Brettspielen, Teddybären und Computerkonsolen groß - und wegen Lieferschwierigkeiten bleibt so mancher Regalmeter bereits leer. Besonders gefragt sind die Dauerbrenner, gerne mit elektronischen Zusatzfunktionen.

"Guten Zuwachs haben die klassischen Spielwaren", erläutert Nicola Dubacher, Sprecherin der Spielwarenverbundgruppe idee+spiel. "Lego, Playmobil, Barbie - das sind die drei Klassiker, das sind Selbstläufer." Auch Lizenzartikel und kreative Angebote seien gefragt. Den großen Verkaufsschlager gebe es in diesem Jahr jedoch nicht, hat Dubacher festgestellt.

"Die Klassker tragen uns"

"Es fehlt uns ein bisschen an Trends, die uns hochwuppen. Die Klassiker tragen uns", bestätigt auch Günter Baierl, Einkaufschef vom Spielwaren-Fachhandelsverband Vedes in Nürnberg. Marke und Qualität seien für Eltern und Großeltern das wichtigste Auswahlkriterium, aber auch die Kleinen schrieben Klassiker wie Carrera-Bahnen und Funkautos ganz oben auf ihre Wunschlisten. "Die Kinder wollen Action unterm Weihnachtsbaum", sagt Baierl.

Dafür verbauen die Hersteller oftmals zahlreiche Licht-, Sound- und Bewegungseffekte auch in die Klassiker. Ungebrochen ist laut Baierl zudem der Wunsch der Kinder nach Computerspielen und Konsolen, wenn das Geschäft wegen der ausgebliebenen Innovationen in diesem Jahr auch stagniere.

"Man redet immer viel über Elektronik, aber es gibt immer auch einen Gegentrend: Das Thema Buch", erläutert Baierl. "Es wird gelesen." Außerdem würden die Kinder mit ihren Freunden weiterhin klassische Brettspiele benutzen. Im Kleinkindbereich sei Holzspielzeug stark gefragt.

Lego mit Lieferengpässen

Das Weihnachtsgeschäft, mit dem die Branche rund 40 Prozent ihrer Jahresumsätze macht, ist mit Schwung angelaufen - für manche gar allzu kräftig. "Es gibt zuhauf Warenengpässe bei Lieferanten", schildert Baierl ebenso wie andere Branchenvertreter. "Wir haben etwa riesige Versorgungsprobleme bei den Marken Lego und Playmobil."

Diese Schwierigkeiten überraschen, den Playmobil kann mit seiner Fertigung im fränkischen Dietenhofen ein großes Manko seiner Mitbewerber umgehen: Vier Fünftel aller Spielwaren werden heute in Asien produziert - mit entsprechend langen Lieferzeiten.

Die Bestellungen für das Weihnachtsgeschäft gehen deshalb schon Anfang des Jahres raus - und sind schlecht zu kalkulieren. Doch auch in Europa produzierende Hersteller schaffen es oftmals nicht, die Fertigung schnell genug umzustellen, um die unerwartete Nachfrage zu befriedigen.

Umsatzerwartungen könnten übertroffen werden

Trotzdem läuft das bisherige Weihnachtsgeschäft auch für die Spielwarenbranche bislang gut: "Wir haben sehr positive Signale, so dass wir davon ausgehen, dass aus den anvisierten plus drei Prozent sogar plus fünf Prozent werden könnten bis zum Jahresende", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels, Willy Fischel, mit Blick auf das erwartete Umsatzwachstum 2010.

Im vergangenen Jahr hat die Branche knapp 2,4 Milliarden Euro erlöst. Weil die Kinder inzwischen vermehrt Geldgeschenke bekommen, geht das Weihnachtsgeschäft inzwischen sogar über den 24. Dezember hinaus.

Preise werden angehoben

Etwa die Hälfte aller Spielzeuge sind Neuheiten, nur wenige Klassiker sind über Jahre hinweg unverändert im Sortiment. Bei beiden Warengruppen müssen sich die Kunden spätestens ab kommendem Jahr auf teils kräftige Preissteigerungen einstellen.

"Weihnachten ist es noch stabil, aber wir müssen davon ausgehen, dass - je nach Sortiment - im nächsten Jahr bis zu zweistellige Preiserhöhungen kommen", formuliert Fischel eine gängige Einschätzung in der Branche. Die steigenden Löhne in China, höhere Frachtkosten, die Dollarschwäche sowie höhere Ausgaben für Spielzeugsicherheit machten dies nötig.

Höhere Preise halten Eltern und Großeltern jedoch seit jeher kaum davon ab, die Wünsche ihrer Lieblinge zu erfüllen. Hinzu kommt laut Fischel eine andere Beobachtung, die Hersteller und Händler landauf, landab machen: "Was früher zwei geschenkt bekommen haben, bekommt heute einer geschenkt - und eher noch mehr."

Vom 3. bis 8. Februar läuft in Nürnberg die Spielwarenmesse. Diese Ordermesse ist immer auch ein Stimmungsbarometer für die Branche.