Zwar kaufen die Deutschen weiterhin gerne bei Ikea ein. Doch mit dem neuen Homepark-Konzept können sich viele Kommunen nicht anfreunden. Aktuelles Beispiel ist Sprockhövel.

Möglicherweise dürfte Armin Michaely seine Meinung aus dem Sommer vergangenen Jahres heute etwas differenzierter darstellen. "Wir fühlen uns willkommen", versicherte damals der Mitarbeiter der Expansionsabteilung von Ikea und meinte damit den Standort Wuppertal, wo das schwedische Möbelhaus eine neue Filiale eröffnen will. Kurz hinter der Stadtgrenze sollen 25.000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen.

Nicht nur: Vorgesehen ist auch ein sogenannter Homepark mit 110.000 Quadratmeter Fläche inklusive Fast-Food-Restaurants, Baumärkten und Heimelektro-Anbietern. 2013, spätestens 2014 sollte eröffnet werden.

Ob es wirklich dazu kommt? In der Nachbarstadt Sprockhövel regt sich mittlerweile Widerstand gegen den Homepark. "Was soll aus unseren lebendigen, traditionell vom mittelständischen Einzelhandel geprägten Innenstädten werden, wenn die Geschäfte ausgelagert werden?", fragt Bürgermeister Klaus Walterscheid, und gab dem Internetportal "derwesten.de" auch gleich die Antwort: "Es würde nicht nur wirtschaftliche Einbußen, sondern vor allem auch Abstriche in der Lebensqualität bedeuteten.

Wuppertal drängt die Zeit

Wuppertal will so schnell wie möglich das neue Ikea-Haus - im angrenzenden Ennepe-Ruhr-Kreis wachsen die Bedenken dagegen. "In Sprockhövel gibt es 153 Einzelhändler. 49 von ihnen im Bereich Einrichtung, Glas, Sport, Foto-Optik und Haushalt wären durch den Riesenkonkurrenten bedroht", warnt Jürgen Röder von der Wirtschaftsförderungs-Agentur des Kreises.

Wolfgang Weiss, Vorsitzender des Werberings des Sprocköveler Stadtteils Haßlinghausen sagt: "Unsere Lage am Autobahnkreuz wird dem Einzelhandel ohnehin schon zum Verhängnis. Nur 20 Prozent der Kaufkraft der Einwohner bleibt in den Orten, der Rest wandert in die Großstädte. Ein Homepark direkt vor der Tür würde das nur verschlimmern."

Sprockhövel hat rund 26.000 Einwohner, besteht aus sechs Stadtteilen, liegt im Süden des Ruhrgebiets und grenzt an Städte wie Hattingen, Witten und Wuppertal. Und an Schwelm und Gevelsberg. Und genau an diese beiden Städte beschreiben ein Problem des Homeparks: Ikea läge in unmittelbarer Nähe dieser Kommunnen, aber auf der Gemarkung von Wuppertal, weswegen diese Stadt auch Gewerbesteuer einnehmen darf.

"Wichtige Aufgabe für Verwaltung und Politik"

Vor einigen Wochen hatte Bodo Middeldorf, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Sprockhöveler Stadtparlament, eine öffentliche Diskussion über den Ikea-Homepark gefordert. In den kommenden Monaten werde es eine wichtige Aufgabe für Verwaltung und Politik sein, sich zur Ikea-Ansiedlung zu positionieren, schrieb Middeldorf in einem offenen Brief an Bürgermeister Walterscheid.

Auch gegen den Homepark im hessischen Hofheim-Wallau (wo sich auch die Deutschland-Zentrale von Ikea befindet) hatte es Proteste von Nachbargemeinden, Bürgern und dem Hessischen Einzelhandelsverband gegeben. Ikea reduzierte daraufhin die geplante Fläche von 23.000 auf 17.000 Quadratmeter - und will stattdessen in die Höhe bauen.

Vor einigen Wochen hat Ikea bei der Europäischen Union Beschwerde gegen Deutschland eingereicht. Die harten Richtlinien einiger Bundesländer schränken die Gewerbefreiheit ein, findet der Konzern.

Es wird eng in Deutschland

Das Homepark-Konzept hat Ikea in Deutschland bereits an den Standorten in Ulm, Koblenz und Köln-Godorf realisiert. Noch in diesem Jahr will Ikea ein neues Haus in Berlin eröffnen. Weitere Projekte sind ein Fachmarktzentrum in Lübeck (2012) und ein City-Kaufhaus in Hamburg-Altona (2013). Im Süden des Rhein-Main-Gebiets suche man ebenfalls nach einem Grundstück für einen Neubau, sagte Ikea-Chefin Petra Hesser vor einigen Tagen.

Der Möbelmarktführer hat im Geschäftsjahr 2009/2010 (31. August) seinen Umsatz in Deutschland in einem rückläufigen Markt erneut gesteigert, und zwar um 4,2 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro. Deutschland bleibt mit einem Anteil von 15 Prozent am Gesamtumsatz der größte Einzelmarkt der in Schweden gegründeten Kette vor den Vereinigten Staaten. Weltweit hatte der Umsatz gar um 7,7 Prozent zugelegt.