Günstige Preise, fünf Jahre Garantie und reichlich Platz: Mit dem verlängerten XLV auf Basis des Kompakt-SUV Tivoli will der kleinste der drei in Deutschland aktiven koreanischen Fahrzeughersteller größer rauskommen.

Die Autos fahren im besten Sinne gewöhnlich – ansonsten ist beim koreanischen Automobilhersteller Ssangyong alles eher ungewöhnlich. Gerade einmal 150.000 Fahrzeuge produzieren die Asiaten pro Jahr, und das im Alleingang ohne Kooperationspartner. Ein Novum in der Szene und viele Brancheninsider, wie beispielsweise der hemdsärmelige Fiat-Boss Sergio Marchionne, können sich gar nicht vorstellen, dass ein so kleiner Anbieter angesichts der fortschreitenden Konzentrationsprozesse heutzutage überhaupt überlebensfähig ist.

Doch die Marke hat sich seit der Übernahme durch die indische Mahindra-Gruppe 2011 in ihrer SUV-Nische offensichtlich ganz kommod eingerichtet und wirtschaftet dem Vernehmen nach profitabel. „Dank der schlanken Struktur sind wir sehr schnell in unseren Entscheidungen“, liefert Deutschland-Geschäftsführer Ulrich Mehling eine Erklärung.

Importeur ist eigentlich ein Großhändler

Lediglich 18 Mitarbeiter sind in der Importeurszentrale in Kerpen, die demnächst nach Köln-Gremberghoven verlegt wird, beschäftigt. Und eigentlich ist die Ssangyong Motor Deutschland GmbH auch gar kein richtiger Importeur, sondern – wieder ungewöhnlich für das Autogeschäft – eher ein Großhändler.

Die Dependance in Nordrhein-Westfalen gehört nämlich nicht zum fernöstlichen Hersteller, sie ist vielmehr eine Tochter der belgischen Alcopa-Gruppe, einer der größten Autohändler Europas. „Wir kaufen unsere Autos von Ssangyong und verkaufen sie über unsere derzeit 186 Handelsbetriebe mit 205 Standorten weiter“, beschreibt Mehling das Geschäftsmodell. Ähnlich läuft es in der Autobranche nur bei Subaru. Für den japanischen Allradspezialisten dirigiert die Schweizer Emil-Frey-Gruppe, im Kern ein Handelsbetrieb, hierzulande die Vertriebsaktivitäten.

Ziel: Markenbekanntheit steigern

Seit fünfeinhalb Jahren versucht Ssangyong nun auch wieder auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Wichtigstes Ziel für Ulrich Mehling, ein erfahrener Automanager mit Stationen bei Opel, Saab, Alfa Romeo und Cadillac: „Die Markenbekanntheit steigern“. Denn während die koreanischen Kollegen Hyundai und Kia, insbesondere über ihr massives Engagement im Fußballsponsoring, immer stärker wahrgenommen werden, ist der älteste Hersteller des geteilten Landes, der seit rund 60 Jahren schon Geländewagen fertigt, auf dem hiesigen Markt ein praktisch noch immer unbeschriebenes Blatt.

1.363 Zulassungen verbucht das Kraftfahrt-Bundesamt in den ersten fünf Monaten des Jahres für Ssangyong – nur der Elektrospezialist Tesla und der Toyota-Premiumableger Lexus kommen im Ranking der Flensburger Behörde auf noch weniger Neuanmeldungen. Bis zum Jahresende will Mehling den Absatz immerhin auf 4.000 Einheiten und damit gleich um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Der gebürtige Würzburger setzt dabei auf einen anhaltenden SUV-Boom.

Fünf Jahre Garantie

Günstige Preise und eine Fünf-Jahres-Garantie (begrenzt auf 100.000 Kilometer) sollen die Verkaufszahlen für die sechs angebotenen Modelle zudem ankurbeln. Neben dem im vergangenen Jahr eingeführten Kompakt-SUV Tivoli rückt jetzt dessen um 24,5 Zentimeter gestreckte Variante mit dem kryptischen Kürzel XLV in den Blickpunkt.

Zu Preisen ab 16.990 Euro empfiehlt sich der 4,44 Meter lange Wagen als praktisches Alltagsgefährt mit 720 Litern Kofferraumvolumen. Die Dieselrange (1,6 Liter Hubraum, 85 kW/115 PS) startet bei 19.490 Euro. Allradantrieb und Automatikgetriebe kosten jeweils 2.000 Euro Aufpreis. Auf ersten Testkilometern hinterließ der XLV einen guten Eindruck. Die Verarbeitungsqaualität ist ohne Tadel, die Materialauswahl im Innenraum den Ansprüchen der Marke angemessen. Auch auf Komfortdetails, wie etwa ein beheizbares Lederlenkrad, muss nicht verzichtet werden.

Auf gewerbliche Kunden noch nicht eingestellt

Einziges Manko: Auf gewerbliche Kunden sind die Ssangyong-Vertriebspartner praktisch nicht eingestellt. Ulrich Mehling: „Um in der relevanten Flotte mitzumischen, reichen unsere Kapazitäten derzeit nicht aus. Wir können unsere Händler nicht überfordern“.

Bernd Nusser