Nürnberg zählt zu den attraktivsten Einkaufsmetropolen Deutschlands. Erstklassige Lagen werden hier mit klugen Konzepten verbunden.

Ob diese Fußgängerzone tatsächlich die längste in Europa ist, wie der Verein „Erlebnis Nürnberg" versichert, kann auf die Schnelle nicht geklärt werden. Unbestritten ist aber, dass die Nürnberger Fußgängerzone in der Altstadt eine schöne Kulisse bietet - und damit einen Standortvorteil. Doch eine prächtige Kulisse reicht nicht, man muss sie auch beleben. In Nürnberg gelingt das - die GfK GeoMarketing hat die Stadt im Norden Bayerns als eine der attraktivsten Einzelhandelsstandorte in Deutschland eingestuft (siehe Der Handel 06/08).

Vor zehn Jahren wurde „Erlebnis Nürnberg" gegründet, um den historischen Teil der fränkischen Metropole zu fördern. Heute sind in dieser Vereinigung der Innenstadtkaufleute 100 Mitglieder eingetragen, die Mehrheit sind Einzelhändler. Wenn der ehrenamtliche Vorsitzende Jürgen Schlag über seine Vereinsarbeit spricht, wird deutlich, dass sich der Geschäftsführer des Büroeinrichtungshauses Högner im Wirtschaftsstudium mit dem Schwerpunkt Marketing beschäftigt hat. Schlag weiß, dass eine Stadt im Gespräch sein muss, wenn es auch dem Einzelhandel gut gehen soll.

Daher mag der Händler aus emotionaler Sicht den Abstieg des 1. FC Nürnberg in die Zweite Fußball-Bundesliga bedauern - aber als Marketingstratege sieht Schlag nur Vorteile: Die Krise des populären „Club" ist bundesweit Medienthema. „Außerdem steigt die Mannschaft wieder auf, dann hat Nürnberg abermals Schlagzeilen", sagt Schlag optimistisch.

Flocke, Christkindl, Bratwurst - Schlagzeilen sind immer gut

Für Schlagzeilen sorgte auch der Hype um die Eisbärin Flocke. Der Christkindlesmarkt dürfte der bekannteste Weihnachtsmarkt der Welt sein, die Stadt steht für besondere Bratwürste. Außerdem hat das fränkische Oberzentrum wegen der Messe und einem Museum den inoffiziellen Titel Spielzeugstadt.

Doch aus diesen Standortvorteilen muss ein Einzelhändler etwas machen. „Erlebnis Nürnberg" hatte einst eine Weihnachtsbeleuchtung für die Innenstadt angeschafft - das war der Ursprung für die Vereinsgründung. 100.000 D-Mark betrug damals die Investition, für 170.000 Euro wurde 2007 noch einmal nachgelegt. Die Passantenströme zum Christkindlesmarkt sind nun beleuchtet - das schafft Flair und setzt auch die Läden ins rechte Licht. Schlag berichtet auch von einer Kooperation der Einzelhändler mit der Nürnberger Messe, mit besonderen Öffnungszeiten an Messetagen sowie speziellen Konditionen und Einkaufsführern für Messebesucher.

Dieses Messepaket findet Thomas Nogaschewski lobenswert, „das ist längst nicht überall die Regel", sagt der Geschäftsführer der Münchner Filiale der Immobilienberatung Kemper's. Für Nogaschewski ist Nürnberg vor allem attraktiv für den Einzelhandel, „weil die Stadt eine relativ große Fläche für 1a-Lagen hat".

Wie ein Einkaufszentrum

Frank Thyroff sagt, dass die Fußgängerzone „wie ein Einkaufszentrum" gebaut ist. Für den Leiter des Nürnberger Amtes der Wirtschaft wird dieses Zentrum attraktiv durch viele Festivitäten, wie die „Blaue Nacht" oder das Bardentreffen. „Es macht Spaß, hierher zu kommen", lobt Thyroff im Gespräch mit Der Handel. Die Haupteinkaufsstraßen sind die Breitgasse und die Karolinenstraße, die seit der Ansiedlung des Kaufhauses Breuninger enorm aufgewertet worden ist.

Im März 2003 wurde dieser „Glaspalast" eröffnet, und Nogaschewski wertet im Gespräch mit Der Handel das Geschäft als „entscheidenden Einschnitt" für die Karolinenstraße. Das elegante Konzept von Breuninger sorgt für Kundenfrequenz.

Zufriedene Kunden in der Erlebniswelt

Wenige Schritte entfernt von Breuninger hat vor einigen Wochen ein weiterer Frequenzbringer eröffnet: die Buchhandlung Thalia. In der Nachbarschaft haben sich der Schuhanbieter Humanic sowie der Textilhändler Tommy Hilfiger angesiedelt. Nürnberg steht für ein großes Gesamtangebot, betont auch Carsten Kleinschmidt, Geschäftsführer des Maklerunternehmens Lührmann. Dieses Gesamtangebot hat auch Besonderheiten, wie den Ableger des altehrwürdigen Modehauses Wöhrl. Die Boutique „U1" für junge Käufer „ist in Nürnberg Kult", wie es Jürgen Schlag formuliert.

Hohe Kundenzufriedenheit

Vor einiger Zeit hat „Erlebnis Nürnberg" zusammen mit dem Handelsverband BAG eine Studie über die Einkaufsgewohnheiten der Kunden erstellt. 86 Prozent sind mit dem Angebot zufrieden. 83 Prozent loben die Einkaufsatmosphäre - im Bundesdurchschnitt liegt dieser Wert nur bei 77 Prozent. 72 Prozent der Nürnberger äußerten sich zudem positiv über Service und Personal in ihrer Stadt. 2007 wurden in Nürnberg 3,7 Milliarden Euro umgesetzt, die Umsatzkennziffer pro Einwohner betrug 143,6 (Bundesdurchschnitt 100).

Natürlich profitiert Nürnberg vom Umland. Denn 40 Prozent der Kunden kommen aus dem Einzugsgebiet - das ist deutlich mehr als bei anderen Großstädten. Dieser Wert ist auch das Ergebnis einer klugen Strategie, die heißt „Metropolen-region Nürnberg", in der sich die Großstadt nicht mehr als Solitär, sondern als Herz eines großen fränkischen Verbundes betrachtet.

Regionales Denken statt Konkurrenz mit dem Umland

Diese Metropolenregion reicht von Würzburg bis Weiden in der Oberpfalz und von Coburg bis Amberg. 3,5 Millionen Menschen sollen vom Regionalgedanken profitieren, der ein Ziel hat: Die Städte sollen nicht gegeneinander arbeiten, sondern untereinander kooperieren. Daher hat Jürgen Schlag auch keine Probleme, die Entwicklung des unmittelbaren Nürnberger Städtenachbarn Fürth als „hervorragend" zu bezeichnen.

Fehlt eigentlich noch etwas in Nürnberg? Wirtschaftschef Thyroff hätte noch gerne ein paar größere Anbieter für Sport- und Freizeitbedarf. Händler Schlag wünscht sich ein besseres hochpreisiges Angebot, und nur zwei verkaufsoffene Sonntage im Jahr 2007 hält er für ausbaufähig.