Das Internet ist eine Jobmaschine für das Rhein-Main-Gebiet, doch der Fachkräftemangel und das eher unscharfe Image Frankfurts bremsen das weitere Wachstum.

Das Internet ist eine Jobmaschine für das Rhein-Main-Gebiet, doch der Fachkräftemangel und das eher unscharfe Image Frankfurts bremsen das weitere Wachstum.

Mit diesem Ergebnis endete ein Roundtable-Gespräch), zu dem die internationale Unternehmensberatung Andersen Consulting (ab 1.1.2001: Accenture) und die Wirtschaftsförderung Frankfurt eingeladen hatten. Deutlich wurde in der Diskussion vor führenden Wirtschaftsvertretern der Region auch: Die meisten neuen Jobs entstehen nicht in der New, sondern in der Old Economy. Und: Fachkräftemangel herrscht nicht nur bei IT-Leuten, sondern beispielsweise auch bei Sekretärinnen und anderen Mitarbeitern, die beim Aufbau eines Dienstleistungs-unternehmens nötig sind.

"Die momentane Abkühlung des Internet-Fiebers ändert nicht den grundlegenden Wachstumstrend der Internet-Wirtschaft", so Thomas Herbst, verantwortlicher Partner von Andersen Consulting für den Bereich Telekommunikation. Es habe sich gezeigt, so der Berater weiter, dass einige Player der Old Economy Erfolgsfaktoren und Geschäftsmodelle der Start-ups erfolgreich übernommen hätten und sich damit nun zu den eigentlichen Jobmaschinen entwickelten. Bestes Beispiel dafür in Frankfurt seien die Großbanken, die nun mit der Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz zahlreiche Internet-Fachleute in ihre Stäbe holen. "Aber auch wir werden in Folge des Internet-Booms im neuen Jahr mit Accenture und unseren Tochterunternehmen wie beispielsweise Avanade zusammen mit Microsoft ca. 600 Arbeitsplätze für IT-Fachkräfte in Rhein-Main schaffen", so Thomas Herbst.

"Als der Telekommunikationsstandort in Deutschland hat das Rhein-Main-Gebiet sicherlich sehr gute Chancen, eine der bedeutenden Internetmetropolen zu werden", so Horst Enzelmüller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Colt Telecom Deutschland mit Hauptsitz in Frankfurt, "aber Städte wie München haben im Kampf um qualifizierte Fachkräfte gegenüber Frankfurt einfach die Nase vorn." "Umfeld und Hardware stimmen", so auch das Fazit von Dr. Hartmut Schwesinger, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH, "aber Frankfurt hat immer noch ein Imageproblem. Immer wieder bekommen wir bestätigt, dass es anfangs schwer sei, Menschen dafür zu gewinnen, hierher zu kommen."

"Wer jedoch einmal hier ist, schätzt die enorme Lebensqualität", so Schwesinger. "Wo ist man innerhalb von 15 Minuten von der Innenstadt eines internationalen Handelszentrums am Flughafen oder im Wald, innerhalb von 30 Minuten mitten in einer Mittelgebirgslandschaft oder einem Weinberg?" Die Region bietet Life-Style für jeden Geschmack, sei es in den Städten oder im Umland. Die Standortvorteile des Rhein-Main-Gebiets wie Verkehrs- und IT-/TK-Infrastruktur, die Nähe zu führenden Finanzunternehmen, die insgesamt 18 Universitäten und Fachhochschulen, das Freizeit- und Kulturangebot für 2,2 Mio Beschäftigte in der Region müssten einfach besser kommuniziert werden.

Prof. Dr. Bernd Skiera, Gründer des E-Commerce-Lehrstuhls an der Goethe-Universität Frankfurt, merkt zur Standortanalyse an: "Möglicherweise fehlt der IT-Branche in Rhein-Main der Hauptssitz eines identitätsstiftenden Großunternehmen wie Microsoft oder Siemens."

Zentrale Wachstumsbremse für den Internet-Boom in Rhein-Main ist nach Ansicht aller Teilnehmer der Diskussion der Fachkräftemangel. Nach einer aktuellen Studie des IWAK-Instituts (Institut für Arbeit, Wirtschaft und Kultur) sind im Rhein-Main-Gebiet fast 19.000 IT-Arbeitsplätze unbesetzt. Mit 50 Absolventen pro Jahr ist der neugeschaffene E-Commerce-Lehrstuhl an der Universität Frankfurt nur ein erster Lösungs-Ansatz. Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Bernd Skiera geht davon aus, dass die Universitäten künftig neben der Erstausbildung stärker als bisher in der Fort- und Weiterbildung gefordert sein werden, um der großen Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften der Wirtschaft gerecht zu werden. Doch nicht nur bei den IT- und TK-Kräften besteht in Rhein-Main Knappheit: Mindestens genauso schwierig wie die Suche nach einer IT-Fachkraft gestaltet sich nach den Worten von Horst Enzelmüller die Suche nach einer guten Sekretärin. Thomas Herbst zur Bildungssituation: "Auch die traditionellen Ausbildungsangebote der Bildungsträger und Unternehmen müssen auf die Vermittlung der Grundlagen der elektronischen Wirtschaft hin reformiert werden. Unternehmen müssen neben verstärkten Ausbildungsinvestitionen in dieser Lage auch eine pragmatische und kreative Ressourcenplanung betreiben: So ist der Fachkräftemangel zu verringern, wenn Effizienzpotentiale z.B. durch das Outsourcing von Standardfunktionen genutzt werden".

Anlass der Podiumsdiskussion im Maintower des Hessischen Rundfunks war eine Studie zum Thema Jobschaffung durch das Internet, die die internationale Unternehmensberatung Andersen Consulting im Juli diesen Jahres vorgelegt hatte. Darin wird davon ausgegangen, dass in Deutschland bis Ende übernächsten Jahres ein Job-Potential für rund eine Million Menschen im Internet-Sektor besteht. Außerdem rechneten in der Untersuchung 84 Prozent der Befragten damit, dass das Internet insgesamt mehr neue Stellen schafft als es vernichtet. Als Internet-Arbeitsplätze gelten in der Studie Jobs bei IT-Infrastrukturanbietern, Telekommunikationsunternehmen, Internet-Service-Providern, Soft-ware--unter-nehmen sowie E-Commerce- und Inhalteanbietern. (RS)


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Ab 1. Januar 2001 wird Andersen Consulting, die internationale Unternehmensberatung für Management und Technologie mit einem Jahresumsatz von 8,9 Milliarden US-Dollar, Accenture heißen. Das Unternehmen versteht sich als Wegbereiter und Gestaltungskraft der New Economy. Mit mehr als 70.000 Mitarbeitern in 46 Ländern hält es dazu für Kunden aus allen Bereichen der Industrie ein breites Spektrum von Dienstleistungen und innovativen Lösungen bereit: Beratung, Technologie, Outsourcing, Allianzen und Risikokapital.
Die Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH ist ein kompetenter Partner, wenn die Vorteile des Standorts Frankfurt am Main genutzt werden sollen. Die Wirtschaftsförderung bietet einen umfassenden Service aus einer Hand.

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