Die VR-Leasing konnte ihr Neugeschäft in den ersten drei Monaten 2009 deutlich steigern. Doch die Bilanz zum Geschäftsjahr 2008 und die Aussichten für 2009 haben einen bitteren Beigeschmack.

"Wir sehen es an unseren Zahlen: Im deutschen Mittelstand kriselt es kräftig und wir müssen uns in diesem Jahr auf 36.000 Insolvenzen einstellen", sagte Reinhard Gödel, Vorstandsvorsitzender der VR Leasing bei der Bilanzpressekonferenz 2009 am heutigen Mittwoch in Frankfurt am Main.

Im vergangenen Geschäftsjahr kam die zum Finanzverbund der Volks- und Raiffeisenbanken gehörende Leasinggesellschaft in der Absatz- und Investitionsfinanzierung - also mit Leasing, Mietkauf und Investitionskredit - auf ein Gesamtvolumen von 4,64 Milliarden Euro, knapp 0,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Neugeschäfte im Inland (2,32 Milliarden Euro) und Ausland (2,31 Milliarden Euro) rangierten dabei annähernd gleichauf.

Deutlich Rückgang im Ergebnis bewertungsbedingt

Fast auf Vorjahresniveau lag die Zahl der abgeschlossenen Neuverträge mit 155.817 Stück (-0,6 Prozent). Der komplette Vertragsbestand stieg indes deutlich: auf 507.584 (+6,9 Prozent). Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) ging allerdings auf 19,2 Millionen Euro gegenüber 56,2 Millionen Euro in 2007 zurück (-65,8 Prozent).

Den drastischen Rückgang im Ergebnis erklärte Gödel durch die "finanzkrisenbedingt erhöhte Risikovorsorge" und Bewertungsabschlägen, die aufgrund von Swap-Geschäften und Währungsschwankungen notwendig seien. Ohne die stichtagsbezogenen IFRS-Bewertungen läge das Ergebnis mit 85,5 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau, so Gödel.

Keine Schwierigkeiten bei der Refinanzierung

"Für die VR Leasing sehe ich gerade jetzt, inmitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise, gute Möglichkeiten. Denn wir sind für die Herausforderungen gut gerüstet. Trotz der beginnenden Rezession haben wir uns 2008 als eine der drei größten deutschen herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften behauptet", bilanzierte Gödel. Im Gegensatz zu kleineren Leasinggesellschaften habe man aufgrund der Verwurzelung im Finanzverbund der Volks- und Raiffeisenbanken keine Refinanzierungsprobleme.

Sorge bereitet Gödel neben der schwierigen Lage im Osteuropageschäft - die VR Leasing ist unter anerem in Ungarn und Russland engagiert - die Entwicklung im deutschen Mittelstand. "Das Niveau von 36.000 Insolvenzen hatten wir schon einmal 2001, aber die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage unterliegt diesmal einer rasanten Geschwindigkeit", sagte Gödel.

Deutliche Zuwächse im Neugeschäft im ersten Quartal

Trotz der eingetrübten konjunkturellen Lage konnte die VR Leasing in den ersten drei Monaten 2009 ein enormes Wachstum erzielen. Bei den Fahrzeugen verbuchte der Finanzdienstleister im ersten Quartal in Stückzahlen einen Zuwachs von 31,1 Prozent. Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie schlug ein Plus im Neugeschäftsvolumen von 15,1 Prozent zu Buche.

"Es gibt eine Nachfrage nach Investitionen im Mittelstand", stellte Gödel mit Blick auf die Zahlen fest. Laut Gödel sei für den Zuwachs im Leasinggeschäft nicht ein erschwerter Zugang zu Bankkrediten verantwortlich. "Die Unternehmer bevorzugen Leasing, weil es verlässlicher ist und weil sie schneller eine Entscheidung erhalten". Über Leasinganträge werde durch den Einsatz von Online-Tools innerhalb von Sekunden entschieden - bis zu einem Investitionsvolumen von 125.000 Euro.

Abwrackprämie wirkt sich negativ auf Restwerte aus

Neben der erschwerten Refinanzierung, der gestiegenen Anforderungen an die Risikovorsorge bringt auch die Abwrackprämie Leasinggesellschaften in Schwierigkeiten: "Natürlich hat die Abwrackprämie negative Auswirkungen auf die Restwerte. Kunden, die sich normalerweise einen zwei oder drei Jahre alten BMW gekauft hätte, haben jetzt einen Neuwagen gekauft.", sagt Peter Dieckmann, Vorstandsmitglied der VR-Leasing.

"Leasinggesellschaften die stark im Flottengeschäft engagiert sind, haben nun Tausende Fahrzeuge auf dem Hof stehen, die mit überhöhten Restwerten kalkuliert wurden und für die sich keine Käufer finden." Die VR Leasing sei hiervon nicht entscheidend betroffen, da man bereits im vergangenen Jahr konservativ kalkuliert habe und das Verwertungsrisiko ohnehin nur im Flottengeschäft selbst trage.