Wenn werdende Eltern sich einen Kinderwagen kaufen müssen, haben sie ein Problem: Was für ein Produkt soll ich nehmen? Das Start-up Bonavi will die Suche vereinfachen und bietet nur ein Modell an, das aber alle guten Eigenschaften vereinen soll. Und dafür haben sich Gründer von Deutschlands führender Fachfrau für Babys beraten lassen.

Vielleicht gibt es tatsächlich beim Thema Baby und Kleinkind keine bessere Expertin als Luise Kaller. Eine nette Episode im Leben der Berliner Hebamme ist sicherlich, dass sie auch eines der Kinder des Popstars Sarah Connor auf die Welt brachte.

Wichtiger ist die Gesamtleistung der heute 72 Jahre alten Hebamme, die über 10.000 Kindern half, das Lebenslicht zu erblicken. Sie hat dabei alles erlebt, auch, wie nutzlos angelesenes Wissen über Wehen und Geburt ist, weil jede Entbindung nach eigenen Regeln verläuft. "Es gibt keine andere Situation im Leben einer Frau, in der sie auch nur annähernd so fremdbestimmt ist", hat Luise Kaller einmal gesagt.

Die einen wollen Design, die anderen Funktion

Als Niklas und Markus Ott ihre Idee ausbrüteten, mit einem Start-up ins Kinderwagengeschäft einzusteigen, fragten sie mangels eigener Erfahrungen im Bekanntenkreis herum, wer ein guter Ratgeber sei. Überall bekamen sie zur Antwort: Luise Kaller. Der Kontakt zur Kreißsaal-Veteranin war schnell hergestellt - und dann hatten die Brüder eine vorzügliche Ratgeberin in Sachen Baby. "Sie hat in ihrer Laufbahn gefühlt jeden Trend miterlebt", sagt Markus Ott.

Mithilfe Kallers gewaltigem Netzwerk wurde in Fokusgruppen Marktforschung betrieben, welche Eltern, welche Kinderwagen bevorzugen.
Moderne Frau mit modernem Kinderwagen: Ein Modell für alle Zwecke
© The Happy Baby Company
Moderne Frau mit modernem Kinderwagen: Ein Modell für alle Zwecke
Das Ergebnis: Werdende Eltern denken eher romantisch und wollen schöne Modelle. Bei Eltern, deren Kind schon auf der Welt ist, ist es mit der Romantik etwas dahin -– hier zählen funktionale Aspekte: Ist der Wagen leicht, einfach zu montieren, gut eine Treppe hinaufzutragen?

Ein Modell, sechs verschiedene Farben

Und diese Erkenntnisse ließen die Ott-Brüder in einen Wagen fließen. One fits all. Quasi das Beste von allem in einem Modell. Bonavi heißt der Kinderwagenalleskönner. Seit Juli 2016 gibt es dafür Otts Berliner Unternehmen mit dem Namen The Happy Baby Company GmbH, seit 1. März 2017 ist die Bonavi-Seite am Netz.

"Es läuft sehr gut, wir sind zufrieden", lautet Markus Otts Einjahresbilanz. Das Bonavi-Konzept: Es gibt nur ein Modell, sechs Farben, fabriziert in der Nähe von Hongkong wegen der guten Infrastruktur (so hat der deutsche TÜV dort Niederlassungen) – und dann wird der Wagen über die eigene Website vertrieben. Die ganze Verwertungskette mit Zwischenhändlern entfällt.

Es gibt billigere Wagen, doch Bonavi will bessere lieferen

Dieses kompakte System soll sich auf den Preis des Bonavi-Wagens positiv auswirken. 699 kostet das Modell. Ist das billig? Bei Amazon oder Otto gibt es tausende Modelle von zig Herstellern – mitunter für die Hälfte. Markus Ott hält dagegen, dass andere Wagen auf dem Qualitätsniveau von Bonavi schnell über 1.000 Euro kosten. "Wir bieten Premiumqualität zu einem guten Preis."
Wie viele Jungeltern diesen Anspruch teilen, also ein Bonavi-Modell bisher gekauft haben, mag Ott nicht verraten. Dreißig Tage kann man so einen Kinderwagen testen – und dann schlimmstenfalls zurückschicken. Aber offenbar nutzen nicht viele Kunden dieses Angebot, denn die Retourenquote liegt bei 9 Prozent, versichert Ott.

In der "Konfettiwolke" den Wagen testen

Vielleicht sorgt dafür auch das Vertriebsmodell mit 29 Showrooms in ganz Deutschland. Bonavi kooperiert mit kleinen, inhabergeführten Kinderboutiquen, die Namen tragen wie "Little Star", "Konfettiwolke" oder "Pünktchen". Dort können die Kunden anfassen und sich beraten lassen – aber nicht kaufen. Denn die Bestellung erfolgt ausschließlich über die Bonavi-Website, der Showroom-Händler verdient an dem Deal mit einer Provision.

Bonavi ist zwar ein Start-up, doch die Ott-Brüder sind längst keine Anfänger mehr in diesem Geschäft. Markus, heute 24 Jahre alt, kennt man als Gründer des Matratzen-Onlinehändlers Emma, den er schon im Alter von nur 22 Jahren gegründet hat. Bei Emma ist er mittlerweile ausgestiegen, das Ein-Modell-für-alle-Bedürfnisse-System hat er auf seine Kinderwagen übertragen.
Niklas Ott (26) war zuvor ebenfalls im Geschäft für den guten Schlaf und hier Chief Operating Officer der Bettzeitgruppe, der online Matratzen Betten und Matratzen verkauft. Kinder haben übrigens beide nicht, das Baby der beiden ist vorerst Bonavi.

Ein Milliardenmarkt

Und wer es im Kinderwagengeschäft richtig macht, kann viel Freude haben. Für Kinder- und Babyausstattung (Wagen, Möbel, Bekleidung) gaben die Deutschen im Jahr 2016 insgesamt 7,2 Milliarden Euro aus, hat das Kölner Institut für Handelsforschung (IfH) ermittelt. Und die Prognosen sind gut, der anhaltende Wachstumskurs des Marktes bleibt ungebremst, schreibt das IfH.
Gruppenbild mit Dame: Hebammen-Großmeisterin Kaller und die Ott-Brüder
© The Happy Baby Company
Gruppenbild mit Dame: Hebammen-Großmeisterin Kaller und die Ott-Brüder
Für Bonavi bedeutet das, die Produktpalette etwas zu erweitern. Spielzeug vielleicht, eher aber alles, was mit der Mobilität der Kleinen zu tun hat, wie Tretroller oder Fahrradsitze. Doch auch hier gilt das Prinzip wie beim Kinderwagen: ein Modell für alle Bedürfnisse. Nicht zig Tretroller-Modelle ins Angebot nehmen, sondern eines, in dem alle guten Eigenschaften verschmelzen.

Viel Freude am europäischen Markt

Im Start-up der Ott-Brüder arbeiten mittlerweile insgesamt 20 Menschen, der Betrieb ist vor einigen Wochen innerhalb Berlins umgezogen und residiert jetzt in Kreuzberg in der Nähe vom Moritzplatz. Das Unternehmen wurde ohne Finanzmittel von Investoren gestartet, die Brüder haben ihr eigenes Kapital hineingesteckt sowie Geld von Freunden und Verwandten. Aktiv ist Bonavi bereits in der DACH-Region, also Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Hier gibt es genug Wachstumspotenzial", sagt Markus Ott. Sicherheitshalber wird der Blick vor Resteuropa aber nicht verschlossen, denn auch überall auf dem Kontinent werden ja Kinder geboren. Über die regionalen Eigenheiten weiß bestimmt Luise Kaller Bescheid. MEHR ZUM THEMA

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