Bei der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ stellten die Onlinehändler von Lizza ihre Geschäftsidee vor. Und fanden nicht nur Geldgeber.

Pizza essen ohne Reue: Marc Schlegel und Matthias Kramer aus Frankfurt sind überzeugt, dass das gelingt. Also haben sie 2015 das Start-up „Lizza.de“ gegründet, um ihren glutenfreien, kohlenhydratarmen und proteinreichen Teig aus Lein- und Chiasamen unters Volk zu bringen. Um ihre Lizza zu testen, besorgten sich die Gründer zunächst einen Foodtruck und verkauften ihre im Gegensatz zum klassischen Weizenteig gesündere Pizza im ganzen Land auf diversen Festivals. Finanziert wurde das Unternehmen anfangs durch eine Mischung aus persönlichen Reserven und dem Privatkredit eines Bekannten.

Schlegel und Kramer, die sich bei der Arbeit in einer Bank kennengelernt haben, stiegen dann vom Truck in die Großbäckerei mit Onlineshop um. Um aber wirklich groß rauszukommen, fehlte ihnen Kapital und ein Investor, der sein Know-how einbringt. Also entschieden sie sich, beides in der „Höhle der Löwen“ zu suchen.

Potentielle Investoren: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Jochen Schweizer
© VOX
Potentielle Investoren: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Jochen Schweizer
Bei der TV-Sendung des Privatsenders Vox präsentieren Jungunternehmer ihre Idee fünf Investoren, den sogenannten „Löwen“, und werben um Risikokapital. Dazu bieten sie den Investoren in Relation zum vorher ermittelten Unternehmenswert Geschäftsanteile an. In der Staffel 2016 mussten der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer, die Teleshopping-Moderatorin und Kosmetik-Unternehmerin Judith Williams, der Chef der Handelsgesellschaft DS Produkte Ralf Dümmel, der Internetinvestor Frank Thelen sowie der Erlebnisgutschein-Anbieter Jochen Schweizer überzeugt werden.

„Wir haben uns nicht groß auf die Sendung vorbereitet“, berichtet Kramer. „Es gibt wenige Fehler, die wir als Gründer nicht kennen, aber wir kannten auch unsere Stärken.“ Die Vorstellung des Teigs kam in der Ende September ausgestrahlten Folge eigentlich bei allen Löwen gut an. „Wunderbar“, urteilt beispielsweise Judith Williams, merkte allerdings auch an, dass der Geschmack nicht für jedermann tauge: „Wenn man von der echten Pizza kommt, ist der Geschmack gewöhnungsbedürftig.“

Produktion problemlos skalierbar

Doch bei den Zahlen beeindruckten die Ex-Banker mit fünfstelligen Umsätzen in den ersten sieben Wochen des Onlineshops und der Zusage, die Produktion pro Stunde problemlos in die Tausende skalieren zu können. Trotzdem stiegen drei der fünf Löwen aus. Der Grund war bei allen der gleiche: „Bei der Kühlkette bin ich raus.“ Maschmeyer und Thelen waren hingegen von Lizza überzeugt und machten den beiden Gründern zusammen ein Angebot. Ursprünglich waren Schlegel und Kramer bereit, 10 Prozent ihres Unternehmens für 150.000 Euro abzugeben. Die „Löwen“ verlangten jedoch 30 Prozent für das geforderte Budget.

Marc Schlegel und Matthias Kramer beim Versand
© Lizza.de
Marc Schlegel und Matthias Kramer beim Versand
„Es kann an allem scheitern, aber nicht am Vertrieb“, versicherte Carsten Maschmeyer. „Im Einzelhandel bekommen wir eine vernünftige Abdeckung schnell hin“, garantierte auch Frank Thelen seinen Einsatz. Nach einigem Hin und Her einigten sich Gründer und Investoren auf 25 Prozent der Anteile des mit 1,5 Millionen Euro bewerteten Start-ups. „Wir wollen keine Macht bei ihnen, wir wollen einfach eine Wertschätzung für das, was Frank Thelen und mein Team hier einbringen“, stellte Maschmeyer klar.

Und die Investoren hielten Wort: Während der zweiten Staffel meldete die Internetseite Gruenderszene.de, dass mindestens 21 von 35 zugesagten Käufen aus den bis dahin ausgestrahlten Sendungen platzten. Die Investoren erklären das damit, dass es nach der Sendung zu unangenehmen Überraschungen bei der genauen Prüfung (Due Dilligence) kommen kann. Anders bei Lizza: „Der Deal ging durch. Es hat einige Zeit gedauert, die Bücher wurden sorgfältig überprüft und man muss sich ja auch kennenlernen. Bei uns passte es auch menschlich, so dass wir nach zwei, drei Monaten zum Notar gegangen sind“, berichtet Kramer.

„Wir sind wirklich happy mit unseren Investoren. Das Team von Carsten Maschmeyer schult uns regelmäßig in Medienkommunikation und Vertriebs-Know-how, Frank Thelens Leute optimieren unseren Onlineshop“, ergänzt Schlegel. „Wir profitieren insgesamt enorm viel von deren Wissen und Ressourcen.“ So waren sie auch gut vorbereitet auf den Bestellansturm während und nach der Ausstrahlung; das TV-Format ist auch eine gute Marketingplattform, um den Bekanntheitsgrad eines Start-ups zu steigern: Mit Hilfe der Löwen hatten die Gründer im Vorfeld der Sendung eine ausgeklügelte Serverinfrastruktur aufgesetzt, um dem Online-Ansturm standzuhalten. Mit mehr als 100.000 Suchanfragen befand sich Lizza sogar kurzfristig auf Platz 2 der Google-Trendcharts der häufigsten Suchen. Insgesamt verzeichnete die Seite fast 80.000 gleichzeitige Besucher und insgesamt gut 300.000 eindeutige Besucher über den gesamten Abend. Am Abend der Ausstrahlung gingen gut 13.500 Bestellungen ein, davor waren es 50 bis 100 am Tag. Am Tag darauf waren es noch einmal gut 5.000.

Investoren bringen auch Know-how ein

„Frank Thelen hat uns an dem Abend angerufen und gesagt, es gab noch nie ein Start-up, das in so kurzer Zeit gleichzeitig so viele Bestellungen hatte“, freut sich Kramer. „Es ist wirklich der Wahnsinn, was alles über uns hereingebrochen ist, weil sich alles um den Faktor 10 multipliziert: Kundenemails, Facebookposts, Bestellungen von Folien, Zutaten.“

Am Abend der Ausstrahlung gingen gut 13.500 Bestellungen ein. Vorher waren es 50 bis 100 am Tag.
© Lizza.de
Am Abend der Ausstrahlung gingen gut 13.500 Bestellungen ein. Vorher waren es 50 bis 100 am Tag.
Rund zwei Drittel der Bestellungen verarbeitet Lizza derzeit online, aber das stationäre Geschäft wird kontinuierlich ausgebaut. Vor der „Höhle der Löwen“ war der Teig bereits bundesweit in allen rund 300 real-Märkten gelistet, inzwischen sind mehrere 100 Filialen von Rewe und Edeka hinzugekommen. Die Gründer sehen auch großes Absatzpotenzial bei Restaurants und Kantinen, die gesunde Pizza anbieten wollen.

 „Das Onlinemarketing haben wir zwischendurch komplett abgeschaltet. Wir kamen ja kaum hinterher mit den aktuellen Bestellungen“, berichtet Kramer. „Obwohl auf unserer Homepage stand, dass es vier Wochen dauert, bis das Paket kommt, schreckte das die Kunden nicht ab.“

Da nun allerdings die Bestandskunden wieder gut bedient werden, „haben wir coole Ideen, Geld für Marketing auszugeben“, versprechen die Lizza-Gründer, die auch längst über eine Erweiterung der Produktpalette nachdenken. 

Wer sich mit seiner Geschäftsidee für die neue Staffel der TV-Sendung bewerben will, kann das hier tun.


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