Ein Handy-Displayschutz begeisterte gleich drei potentielle Investoren bei der TV-Show "Die Höhle der Löwen". Der verkauft sich jetzt wie geschnitten Brot - dank des medialen Marketings und dem Netzwerk des Investors.

QVC, Otto, Kik: Alle Händler wollen „Protect Pax“ verkaufen, den flüssigen Displayschutz, der in der ersten Folge der vierten Staffel der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt wurde und in den der Hamburger „Löwe“ Ralf Dümmel – wie von etailment prognostiziert – investiert hat.

„Wir mussten einen Löwen finden, denn wir hatten unser ganzes Geld, 20.000 Euro, zusammengekratzt und diesen unsichtbaren Schutz entwickelt, der das Handy quasi unkaputtbar macht“, berichtet Pascal Buchen (26), der mit Anthony Filipiak (22) den zerbrochenen Handy-Displays den Kampf angesagt hat. Das Produkt wird in flüssiger Form aufs Handy aufgetragen und mache das Display sechs Mal härter als herkömmliche Schutzfolien, versprechen die Gründer.

Pascal Buchen malträtiert ein Handydisplay
© VOX
Pascal Buchen malträtiert ein Handydisplay
Bei der Vorführung in der Vox-Sendung staunten die potentiellen Investoren dann auch nicht schlecht, als die Gründer plötzlich mit Hammer und Schraubenzieher auf die geschützten Displays hauen und sie versuchen zu verkratzen.
Mit diesem Härtetest überzeugen sie gleich drei Löwen: die Teleshopping-Moderatorin und Kosmetik-Unternehmerin Judith Williams, den Chef der Handelsgesellschaft DS Produkte Ralf Dümmel und den Internetinvestor Frank Thelen. Alle drei unterbreiten den beiden Jungunternehmern aus Düsseldorf den gleichen Investmentvorschlag: 150.000 Euro würden sie für 20 Prozent der Firmenanteile geben. Erhofft hatten sich die Gründer 100.000 Euro für 15 Prozent Unternehmensanteile.
Die Investoren der 4. Staffel DHDL
© VOX
Die Investoren der 4. Staffel DHDL
Den Zuschlag bekommt nach kurzer Beratung Investor Dümmel: „Dann sag ich euch mal drei Sachen: Geil, geil, geil, das ist eine unglaubliche Geschichte, der Markt ist riesengroß“, hatte der Geschäftsführer der Handelsgesellschaft DS Produkte vorher in der Sendung für sich selbst als Investor geworben. „Ich hätte Riesenbock, das mit Euch groß zu machen, auch zu internationalisieren, aber erst mal Deutschland zuzupflastern“.
Er ist ohnehin der „Wunschlöwe“ der beiden Gründer, denn sie mögen Dümmel als Typ, zudem sind seine Beziehungen in den Handel ausgesprochen gut. DS Produkte beliefert unter anderem Versand-, Lebensmittel-, Einzelhändler sowie Discounter in Deutschland und Europa mit Aktionsware. Der knapp 15 Euro teure Displayschutz, der mindestens ein Jahr hält, passt da natürlich gut ins Konzept.
QVC vermarktet Dümmel-Deals online und per Teleshopping
© QVC
QVC vermarktet Dümmel-Deals online und per Teleshopping
Direkt nach der Ausstrahlung von „Die Höhle der Löwen“ auf Vox ging Buchen bei QVC auf Sendung, denn der Teleshoppingsender promotet seit dieser Staffel die Dümmel-Deals. „Rund 30 mal habe ich Protect Pax zwischen 6 und 14 Minuten live vorstellen dürfen“, sagt der Gründer. „Das war schon anstrengend, aber unser Produkt ist durchaus erklärungsbedürftig, da ist es glaubwürdiger, wenn man sieht, wie der Schutz funktioniert“.
Da immer ein paar Monate zwischen der Aufzeichnung der Sendung und dem Ausstrahlungstermin liegt, konnten sich die Gründer auf den Ansturm nach der Investorenshow vorbereiten. „Wir haben uns von der Kinderzimmermentalität verabschiedet, ein 19 Quadratmeter großes Büro angemietet und zwei Mitarbeiter eingestellt“, beschreibt Buchen das unternehmerische Erwachsenwerden. „Aber das wurde schnell zu klein, so dass wir noch vor dem Sendetermin in ein größeres Büro umgezogen sind.“
Inzwischen kümmern sich 7 Mitarbeiter um Dinge wie Social Media, Design und Product Sourcing, denn: „Unser Flüssigglas ist unser Basisprodukt  und soll sich etablieren. Aber wir haben noch viele weitere Ideen“, verspricht Buchen.

„Dümmel hat immer ein offenes Ohr für uns.“

Pascal Buchen
Auch dabei hilft Profi und Minderheitsgesellschafter Dümmel, den die beiden Gründer jederzeit anrufen können, wie Buchen schwärmt: „Er hat immer ein offenes Ohr für uns.“ Denn der erfahrene Manager hat nicht nur seine guten Beziehungen spielen lassen, damit Protect Pax über verschiedene Händler und Handelsformate verkauft wird, sondern greift den Gründern beispielsweise auch beim Onlineauftritt unter die Arme, hat die Produktion des flüssigen Displayschutzes auf Effizienz getrimmt und hilft bei dem Bau eines eigenen Lagers in Recklinghausen. „Dadurch haben wir durchaus noch Luft. Wenn irgendein Händler Protect Pax verkaufen möchte, soll er sich gerne bei uns melden“, wirbt der Jungunternehmer.

Mehr zum Thema:
Gründerszene

Female Power: 13 erfolgreiche Frauen Start-ups

Sie sind in der Minderheit und erfolgreich. Geht doch, könnte man denken, wenn man Unternehmen verfolgt, die von Frauen gegründet wurden. Ob Businesslösungen oder Rezeptplattform, sie treffen mit ihren Start-ups offenbar den Nerv. Etailment stellt 13 spannende Gründungen entschlossener Frauen vor. Mehr lesen

Player

Dieses Start-up schlägt Apple & Co dank Amazon

Ein Unternehmensgründer macht bekannten Branchengrößen erfolgreich Konkurrenz auf deren ureigensten Geschäftsfeldern. Eine Erfolgsgeschichte, die ohne Amazon nicht möglich wäre. Mehr lesen

Start-ups

Investoren haben Appetit auf Online-Food

Fast jede fünfte Investition ging im ersten Halbjahr an E-Commerce-Start-ups, zeigt eine Studie. Vor allem die Food-Branche hat es den Geldgebern aktuell angetan. Mehr lesen