Gründer von noch jungen Internet-Unternehmen reagieren in Form eines offenen Leserbriefes auf die polarisierende Berichterstattung über die New Economy in den Medien.

Gründer von noch jungen Internet-Unternehmen reagieren in Form eines offenen Leserbriefes auf die polarisierende Berichterstattung über die New Economy in den Medien.

Vor knapp drei Monaten wurde die New Economy noch als Motor von Wirtschaftswachstum und Erfolgsbote einer neuen Zeit bzw. neuen Wirtschaftswelt gefeiert. Mittlerweile vergeht jedoch kaum ein Tag, an dem nicht der Zusammenbruch der plötzlich "sinnlosen" und "nicht überlebensfähigen" Internet-Unternehmen prophezeit wird.

Zweifelhafte "Todeslisten" mit K.O.-Kandidaten unter den Internet Start-Ups sorgen nicht nur bei den betroffenen Unternehmen und am Neuen Markt für Unmut. Unsicherheit und Misstrauen seitens der Investoren und des Marktes begünstigen ein nicht notwendiges Aus innovativer und erfolgversprechender Business-Modelle und Unternehmen. In unverantwortlicher Weise wird so der Ruf eines ganzen Wirtschaftszweiges geschädigt und die junge Saat der Internet-Industrie läuft Gefahr, im Strudel negativer Berichte unterzugehen.

Wir, junge Unternehmensgründer im E-Business, fühlen uns daher verpflichtet, einige scheinbar bereits vergessenen Aspekte in Erinnerung zu rufen. Ziel ist es, die öffentliche Diskussion wieder auf eine sachlichere Ebene zu führen: Unbestritten ist, dass das Internet unser tägliches Leben immer stärker beeinflussen wird. Wie in anderen Branchen entwickeln sich auch die im Internet agierenden Unternehmen unterschiedlich. Einzelne Erfolgsgeschichten von Internet-"Machern", die als 30-jährige bereits Milliarden scheffeln, beschreiben eine ganze Branche genauso wenig, wie ein paar missratene Börsengänge oder Unternehmenspleiten. Statt Polarisierung ist eine objektive Betrachtung angebracht!

In vielen Unternehmen wurde bereits beachtliches auf die Beine gestellt, was sich durchaus mit traditionellen Unternehmen messen lässt: · Es wurden erfolgreich Marken etabliert, ein Vorgang, der selbst vielen etablierten Offline-Großunternehmen in den vergangenen Jahren bekanntermaßen sehr schwer fiel (egal wie hoch das Werbebudget ausfiel). · Funktionierende Kooperationen ohne riesige Vertragswerke wurden geschlossen; ein Vorgang der sonst anscheinend nur noch durch Mega-Merger machbar schien. · Zahlreiche Arbeitsplätze in den unterschiedlichsten Städten sind geschaffen worden, meist ganz ohne Subventionen.

Diese Erfolge sind um so beachtlicher, wenn man die technologischen Rahmenbedingungen betrachtet, in denen sich Internet-Business abspielt: In keinem Markt ist die Transparenz größer und der Wettbewerb schneller als im Internet. In welcher anderen Branche können Sie ab dem Tag einer Produktneuvorstellung automatisch weltweit alle Funktionen direkt untersuchen oder kopieren?

Diese härteren Wettbewerbsbedingungen bedeuten eine völlig neue und kooperative Arbeitsweise. Schön, dass sehr viele der jungen Unternehmen die Chance einer schnellen Kommunikation unter Firmengründern nutzen und sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mehrere Initiativen wie z.B. First Tuesday bieten Plattformen für den notwendigen Austausch. Unvoreingenommen werden so, junge "Macher", Berater und Investoren zusammengebracht. Von einer engeren Zusammenarbeit der New und Old Economy könnten sicherlich beide Seiten profitieren. Sicherlich kann selbst ein noch so guter Austausch keine schlechte Business-Idee gutmachen oder ungeeignete Firmengründer zu erfolgreichen Geschäftsführern wandeln. Aber in welcher Branche existieren nur gute Geschäftsideen und begabte Managementteams?

Nach Erfolgsstories von traumhaften Börsengängen wollten schließlich viele Geldgeber schnell mitverdienen und so manche Million wurde relativ leichtfertig in Geschäftsideen investiert, die sich bei genauerem Hinsehen als chancenlos erwiesen. Sicherlich haben auch einige erfolgversprechende Hochschulabsolvente die Erwartungen der Investoren enttäuscht. Aber mal Hand aufs Herz - wussten Sie vor sieben Jahren, welcher Handy-Hersteller heute welche Bedeutung haben würde?

Zukunft wird heute möglich gemacht. Deutschland sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, im europäischen Internet-Markt vorne mitzumischen, und dazu sind Internet-Start-ups nötig. Denn wir arbeiten bereits an der Zukunft. Wir lassen uns jedenfalls nicht "tot"-reden. Sicher werden nicht alle von uns Erfolgsstories wie beispielsweise Yahoo abliefern - einen shake-up haben wir jedoch bereits heute erreicht - man spricht, schreibt und liest über uns - hoffentlich bald wieder mehr Objektives.

Ihre Start-Ups
27. Juli 2000


ZUM THEMA:

Nach einer Anfang dieses Jahres Jahres deutlich zu euphorischen Berichterstattung bezüglich Internet und Start-up-Unternehmen, hat inzwischen eine vernichtende Stimmung das Feld ergriffen. Eine Reihe von jungen Internet-Unternehmen sieht in beiden Extremen keine sinnvolle Information und hat gemeinsam diesen "offenen Brief" verfasst. Ihr Ziel ist, die Diskussion wieder auf eine objektivere Basis zurückzuführen.

Diese Initiative unterstützen nachfolgende Start-up-Unternehmen: Advanced Communications, Sibille Becht, CEO
Advopolis AG, Dr. Olaf Gierhake, Vorsitzender des Vorstandes
Beautynet AG, Dr. Hanna Eisinger, CEO
blitztrade GmbH, Axel-Stephan Meisen,Geschäftsführender Gesellschafter, Marketing
clickfish.com, Torsten Appel, Geschäftsführer
Comcity AG, Michael Schulz, CEO
Econa AG, Bernd Hardes, CEO
Feedbackers.com, Habina Hacker-Kollmar, Adreas Doller, Geschäftsführung
fluxx.com AG, Stefan Zenker, Investor Relations Manager
Gigabell AG, Markus Gross, Online-Redakteur
IhrPreis.de AG, Janin Tricarico, Public Relations
meome.de, Matthias Krause, Business Development
Tembit Software GmbH, Ingo Czok, Geschäftsführer
webfair AG, Alexander Sieverts, Director Marketing & Communikation


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