Die Fotofachhändler haben den Wechsel in das digitale Zeitalter gut gemeistert. Derzeit machen­ ­ihnen allerdings Lieferschwierig­keiten ­japanischer Hersteller Sorgen.

Es gibt Branchen, die kommen mit Veränderungen besser klar als andere. Der Fotofachhandel ist so ein Beispiel: „Wir kümmern uns um die Erinnerungen unserer Kunden", beschreibt Rainer Th. Schorcht von Foto Schorcht die Aufgabe des Fotofachhandels. „Daran hat sich auch im digitalen Zeitalter nichts geändert."

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Fotohändler vor allem vom Papierbild lebten: Rund fünf Milliarden Fotos jährlich wurden vor zehn Jahren hierzulande noch auf Papier gebannt. Heute sind es gerade noch 1,2 Milliarden.

Aber die Deutschen werden zunehmend Fans von Fotobüchern - 2010 wurden nach Angaben des Photoindustrie-Verbands rund 5,7 Millionen Stück verkauft, eine halbe Million mehr als im Jahr zuvor. Der durchschnittliche Preis eines selbst gestalteten Fotoalbums beträgt immerhin 23 Euro.

Mehr Digitalkameras

„Außerdem gibt es inzwischen so gut wie nichts, was nicht geht: Bilder können nicht nur in den verschiedensten Formaten, sondern auch auf alles Mögliche gedruckt werden. Tassen, Puzzles, T-Shirts, Glas, Acryl - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt", sagt Schorcht, der im Raum Gütersloh sechs Filialen betreibt. „Somit können wir stationären Händler den Kunden auf originelle Ideen bringen."

Doch nicht nur im Hinblick auf die Bilder haben mehr als 90 Prozent der Händler den Zeitenwechsel von der analogen zur digitalen Fotografie gut überstanden. „Auch das Hardwaregeschäft ist stark wie nie zuvor", beobachtet Michael Gleich, Geschäftsführer der mit gut 1.800 Mitgliedern und mehr als 2.300 Verkaufsstellen größten europäischen Fotoverbundgruppe Ringfoto.

Im Jahr 2010 kaufte nahezu jeder zehnte Bundesbürger eine Digitalkamera. Das bescherte dem Segment ein Absatzplus von 1 Prozent auf 8,62 Millionen Stück und ein Umsatzplus von 2 Prozent auf 1.744 Milliarden Euro, meldet der Photoindustrie-Verband.

Hilfe im Angebotsdschungel

„Der stationäre Händler hat gegenüber dem Internet und den Discountern den Vorteil, dass die Kunden beraten werden und die Ware sofort mitnehmen können", erläutert Gleich. „Den Kampf um billige Kameras überlassen wir da gerne der Konkurrenz, wir können nur hochwertig und mit entsprechendem Service."

Auch für Fachhändler Schorcht hilft das Internet dem Kunden beim Kamerakauf nicht wirklich weiter: „Durch die Wahl der angebotenen Hersteller hat ein Fachhändler schon eine Vorauswahl getroffen", ist der Händler überzeugt. „Er kann dem Kunden in dem unüberschaubaren Angebotsdschungel weiterhelfen, die auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Kamera zu bekommen."

Teures Zubehör

Dank der Fotobegeisterung der Deutschen floriert auch das Geschäft mit dem Zubehör. Objektive legten 2010 im Vergleich zum Vorjahr beim Wert um 5,2 Prozent auf 405 Millionen Euro zu, in der Menge um 7,7 Prozent auf 1,42 Millionen Stück.

Auch hochpreisige Stative waren im vergangenen Jahr gefragt: Der Wert stieg 2010 um 19,3 Prozent auf 30,9 Millionen Euro. Der Markt für Fototaschen und -rucksäcke war 2010 mit 5,25 Millionen Stück und 97,6 Millionen Euro „stabil auf hohem Niveau", so der Photoindustrie-Verband.

Ringfoto-Geschäftsführer Michael Gleich prophezeit vor allem den Fachhändlern eine Zukunft, die die drei strategischen Säulen Hardwareverkauf, Produktion und Studio anbieten. „Wenn sich ein Fachhändler aus einem dieser Bereiche zurückzieht, verliert er in den Augen der Kunden schnell an Kompetenz", ist auch Ralf Duderstadt, Chef von Ringfoto Schattke in Cuxhaven, überzeugt.

„Im Gespräch kann man den Kunden beispielsweise besser animieren, einmal etwas Neues auszuprobieren, weil man als Händler und Fotograf alle Aspekte rund ums Foto abdecken kann."

Die Kunden werden zudem immer wissbegieriger: „Wie andere Kollegen bieten auch wir inzwischen Seminare für die Verbraucher an, in denen ihnen verschiedene Aspekte der digitalen Fotografie nahegebracht werden", berichtet Duderstadt. „Das läuft sehr gut. Die Teilnehmer sind begeistert, wie viel sie aus ihrer Kamera herausholen können."

Objektive werden knapp

Während die Fotofachhändler sich grundsätzlich über die wachsende Nachfrage rund um die Fotografie freuen, bereitet ihnen aktuell die Angebotsseite Kopfschmerzen. Schuld daran ist die Atomreaktorkatastrophe im japanischen Fukushima im März dieses Jahres: Die meisten Händler hatten sich nach der Katastrophe vorsorglich aus den europäischen Zwischenlagern bevorratet, doch Ulrich W. Becker von Foto Becker aus Heidenheim, der auch Mitglied im Verwaltungsrat der Ringfoto-Gruppe ist, prognostiziert, dass der europäische Markt im Juli oder August einbricht.
 
„Zwar können die bekannten Kamerahersteller wieder produzieren, aber zwei Drittel der japanischen Glasproduktion liegen nach wie vor still, weil sie sehr energieintensiv ist", erläutert der Fotografenmeister. „Daher gibt es bei den Objektiven Engpässe, und diese sind wesentlicher Bestandteil einer Kamera." Zudem hätten viele mittelständische Zulieferer aus dem Norden noch Probleme, wieder in die Produktion einzusteigen.

„Außerdem ist derzeit kaum noch Papier für sogenannte Thermosublimationsdrucker zu bekommen, die viele Fotografen beispielsweise auf Veranstaltungen nutzen", berichtet Becker. „Und das gibt es nur aus Japan." Die Lieferschwierigkeiten schlagen sich inzwischen auch bei der Internetkonkurrenz nieder: Die Preise für höherwertige japanische Kameras steigen und nähern sich den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller an.