Befürchtet betrügerische Manipulationen: Dr. Thomas Steinmark, Hauptgeschäftsführer im Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh).

Dank des Internets ist der Versandhandel so vital wie nie. Die Deutschen kaufen gerne in Onlineshops oder aus dem Katalog. Es gibt rund 52 Millionen Versandhandelskunden hierzulande, und der Branchenumsatz wächst allein in diesem Jahr um 3,7 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro.

Die Kunden schätzen die Warenvielfalt im Distanzhandel. Beim Bezahlen kommt ihnen außerdem mit dem „Kauf auf Rechnung” ein europaweit einzigartiges Privileg zugute. Die Kunden erhalten die bestellten Waren in der Regel, ohne zuvor eine Gegenleistung zu erbringen. Ganz anders als etwa in Frankreich, wo die Vorauskasse seit jeher fester Bestandteil des Distanzhandels ist.

In Deutschland werden rund 80 Prozent der Versandhandelswaren auf Rechnung ausgeliefert. Viele Händler setzen deswegen automatisierte Verfahren zur Bonitätsprüfung ein, um das Ausfallrisiko von Bezahlungen schnell und zuverlässig vorab einschätzen zu können. Das ist gleichzeitig Überschuldungsschutz für Privathaushalte.

Die BDSG-Novelle droht nun aber, die Entscheidungsgrundlagen erheblich einzuengen. Darüber hinaus käme sie insbesondere im Hinblick auf unternehmensinterne Verfahren einer Quasi-Offenlegung der Berechnungsmethoden gleich - und würde die geringe Quote von Betrugsfällen beim Versandhandelskauf in die Höhe treiben.

Dabei sind gerade funktionierende Scoring-Verfahren die Voraussetzung für den übrigens auch von Verbraucherverbänden geforderten „Kauf auf Rechnung”. Sollte der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Fassung beschlossen werden, könnten Verbraucher in Zukunft nicht nur die wesentlichen Gründe einer aus ihrer Sicht nachteilhaften automatisierten Entscheidung erfragen. Sie bekämen auch ein Recht, über die gespeicherten Score-Werte und deren Berechnung informiert zu werden. Beides eröffnet kriminellen Kunden die Möglichkeit zur Manipulation der automatisierten Entscheidungsverfahren.

Der Entwurf geht daher aus Sicht des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (bvh) zu weit. Jeder Händler muss selbst bestimmen können, wer per Rechnung oder nur gegen Vorkasse oder Nachnahme beliefert wird. Anders als in den Bereichen der Daseinsfürsorge sind die Interessen der Verbraucher im Versandhandel allein schon dadurch ausreichend geschützt, dass sie aus einer Vielzahl von Wettbewerbern den Händler auswählen können, dessen Angebot und Lieferbedingungen ihnen am meisten zusagen. Dabei schafft das Internet eine fast uneingeschränkte Markttransparenz.