Der Abwärtstrend im Einzelhandelsklima beschleunigt sich: Der BBE-Index stürzte im Juli ab. Doch die Talsohle ist offenbar noch nicht durchschritten.

Nachdem der von der Unternehmensberatung BBE erhobene Index schon im Geschäftsmonat Juni mit 95,35 deutlich nachgab, sinkt er im Juli mit knapp 87 Punkten noch unter den Ausgangswert zu Jahresbeginn.

Dabei war der Index seit Januar kontinuierlich gestiegen und erreichte im Mai mit 106,95 erstmals ein eindeutig positives Ergebnis. Alle Indexwerte über 100 signalisieren, dass unter den befragten Einzelhändlern die Optimisten in der Mehrzahl sind.

Mit einer Rückkehr in diesen Bereich ist allerdings derzeit nicht zu rechnen. Die BBE-Experten gehen gar von einer weiteren Verschlechterung aus: „Es steht zu befürchten, dass die stimmungsmäßige Talsohle damit noch nicht erreicht ist.”

Umsatzrückgänge auf breiter Front

Das frostige Klima ist ein direktes Bild der verschlechterten Umsatzentwicklung. Mehr als 40 Prozent der befragten Einzelhändler hatten im Juli Umsatzrückgänge zu beklagen. Im Juni war es noch knapp ein Drittel. Dagegen konnten sich lediglich 29 Prozent der Händler über Umsatzzuwächse freuen. Im Juni waren es noch 45 Prozent gewesen.

So überrascht es nicht, dass gegenwärtig jeder vierte Einzelhändler die eigene Unternehmenssituation negativ beurteilt. Das Gros der Befragten (47 Prozent) äußert sich allerdings noch zurückhaltend und spricht immerhin von einer mittelmäßigen Firmenlage.

Stagnation erwartet

Für die Zukunft erhoffen sich nur 22 Prozent der Händler Umsatzsteigerungen, weitere 43 Prozent stellen sich auf Stagnation ein. Ein gutes Drittel der Befragten befürchtet hingegen weitere Umsatzrückgänge.

Die Gewinnentwicklung wird insgesamt noch pessimistischer eingeschätzt. Nur 15 Prozent der Befragten wagen eine optimistische Prognose, dagegen rechnen 45 Prozent mit rückläufigen Gewinnen.

Entsprechend negativ fällt das BBE-Fazit für die Entwicklung des ersten Halbjahres aus: „Im deutschen Handel hat eine deutliche Stimmungsverschlechterung Einzug gehalten und die pessimistischen Stimmen bilden eindeutig die Mehrheit. Die Hoffnung und positive Erwartung zahlreicher Händler im ersten Quartal dieses Jahres haben sich nicht erfüllt.”

Laut BBE drücken die ständig steigenden Energiekosten sowie das Thema Altersvorsorge auf die Konsumfreudigkeit der Verbraucher.

Santiago Campillo-Lundbeck