Beim insolventen Arcandor-Konzern ist ein Streit um das Betriebsrentenvermögen  ausgebrochen. Das Unternehmen stellte am Dienstag den 29. und 30. Insolvenzantrag.

Der Pensions-Sicherungs-Verein (PSV), eine Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft, will das Vermögen und die Verpflichtungen möglichst rasch übernehmen, schreibt die Zeitung „Handelsblatt" und beruft sich auf Aussagen des PSV-Vorstands.

Die Treuhandgesellschaft KQMT  (KarstadtQuelle Mitarbeitertrust), an die das Rentenvermögen ausgelagert ist, will dagegen laut Vorstand Ulrich Mix die Kontrolle vorerst nicht abgeben.

Hohe Verluste befürchtet

„Wir wollen eine Einigung mit dem PSV erzielen", sagte Mix der Deutschen Presse-Agentur dpa. Eine effektive Vermögensübertragung könne aber ein bis zwei Jahre dauern.

Bei einer sofortigen Vermögensübertragung an den PSV im Fall der zum 1. September erwarteten Insolvenzeinleitung von Arcandor würden vermutlich hohe Verluste entstehen. Das Vermögen sei unter anderem in Immobilien angelegt, was im Übertragungsfall zu Werteinbußen führen könne.

Betriebsrenten in Gefahr?

Die Treuhandgesellschaft will deshalb die Betriebsrenten für rund 51.000 Rentner zunächst weiter zahlen. Bis das Vermögen aufgezehrt sei, könnten die Renten rund drei Jahre lang bezahlt werden. „Es wird aber zu einer Einigung mit dem Pensions-Sicherungs-Verein kommen müssen", sagte Mix. Der PSV bekomme auch zunächst einen Sitz in Beratungsgremien angeboten.

Der PSV geht laut „Handelsblatt" davon aus, dass das Vermögen mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf den PSV übergeht.

PSV-Vorstand Martin Hoppenrath sagte dem Blatt, er könne sich zwar vorstellen, dass die Pensionsgesellschaft für eine Übergangsphase weiter die Renten ausbezahlt. „Ein Zeitraum von drei Jahren erscheint mir aber ein bisschen lang." In dieser Woche sollen erste Sondierungsgespräche stattfinden.

Weitere Insolvenzanträge

Arcandor hat am Dienstag die Insolvenzanträge 29 und 30 beim Amtsgericht Essen gestellt. Es handelt sich um die Primondo Großgut Stückgut GmbH (Fürth) und die Revue Vertriebs GmbH (Nürnberg), teilte das Gericht mit.

Beides seien sehr kleine Tochterunternehmen in der Arcandor-Gruppe, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Muttergesellschaft hatte bereits am 9. Juni einen Insolvenzantrag gestellt.