Die Versandapotheken fühlen sich durch Äußerungen des Apothekerverbandes ABDA kriminalisiert. Per offenem Brief beschweren sich die Distanzhändler - und drohen weitere Schritte an.

Der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA), Christian Buse, läuft Sturm gegen seinen Amtskollegen von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Heinz-Günter Wolf. In einem offenen Brief fordert er, die "Diffamierung und Kriminalisierung deutscher Versandapotheken" durch die Standesvertretung zu beenden.

"Sollten sich diese Kampagnen fortsetzen, müssten wir unseren Mitgliedern und sämtlichen deutschen Versandapotheken dazu raten, zu überprüfen, ob sie künftig noch Mitgliedsbeiträge in voller Höhe an die Landesapothekerkammern entrichten sollen", schreibt Buse.

Von Online-Apotheken "eigentlich betrogen"

Konkret stößt sich Buse an zwei Äußerungen von Apothekersprechern. So wirft Peter Homann, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes, den Versendern in einer Pressemitteilung vor, "unkontrollierten Arzneimmittelmissbrauch Tür und Tor zu öffnen".

Thomas Bellartz, Pressesprecher der ABDA, sagte in einem Gespräch mit dem österreichischen Dienst "Pressetext", dass arbeitende Online-Apotheken in Deutschland rar gesät seien. In diesem Text ging es eigentlich um Anzeigen von angeblich illegal arbeitenden Online-Apotheken auf der Seite der Suchmaschine Bing. Bellartz sagt hier wörtlich unter anderem: "Der Konsument wird bei Online-Apotheken eigentlich doppelt betrogen. Einerseits ist nicht gewährleistet, dass er ein Originalprodukt erhält, andererseits verliert er das Geld, das er dafür bezahlt." Besonders mit Angeboten zum Grippe-Impfstoff Tamiflu werde momentan einiges Schindluder getrieben. Der ABDA-Sprecher rät in diesem Text Konsumenten im allgemeinen davon ab, Medikamente im Internet zu bestellen. 

Gegen Zwangsmitgliedschaft

Der 26 Mitglieder zählender Verband werde darauf aufmerksam machen, dass die Zwangsmitgliedschaft in den Apothekerkammern nur dadurch zu rechtfertigen sei, dass die Kammern die Belange der Gesamtheit der von ihnen vertretenen Berufsangehörigen wahrnehmen. 

Laut Buse verstehen sich ABDA und Landesapothekerkammern lediglich als Interessenvertreter der Präsenzapotheken und würden kontinuierlich Stimmung gegenüber 2.000 ihrer eigenen Mitglieder machen.

1,2 Millionen Euro Geldbuße für Apothekerverbände

Im Juli dieses Jahres wurden gegen die ABDA sowie die Apothekerverbände Baden-Württemberg, Berlin und Thüringen und mehrere Einzelpersonen von Bundekartellamt zu Geldbußen von 1,2 Millionen Euro verhängt.

Die betroffenen Verbände hätten nach den Erkenntnissen der Behörde ihre Mitglieder wiederholt aufgefordert, vom Pharmagroßhändler Gehe keine Produkte mehr zu beziehen, nachdem dessen Muttergesellschaft Celesio im April 2007 die Versandapotheke DocMorris übernommen hatte.

Die Bußgelbescheide sind noch nicht rechtskräftig, sämtliche Betroffenen haben dagegen Widerspruch eingelegt.

Kein Fremdbesitzverbot

Im Mai hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass das deutsche Fremdbesitzverbot für Apotheken mit dem Europarecht vereinbar sei. Konzerngeführte Apothekenketten sind daher weiterhin in Deutschland nicht möglich. Entsprechende Pläne hatte unter anderem Celesio gemeinsam mit DocMorris verfolgt.