Wer sich Statistiken zur Umsatz-Entwicklung im Handel anschaut, der kann unter anderem eines herauslesen: Stationäre Händler, vor allem die Legion jener kleinen Mittelständler, die sich weiter dem Onlinehandel verweigern, dürften vom Verlust der Marktanteile alsbald ausgezehrt werden. Wer dagegen in der Kohlenstoffwelt und der digitalen Welt einen Anknüpfungspunkt schafft, steigert seine Überlebenschancen. Denn die Mehrheit der Kunden neigt zur Kanalegalheit. Sogar wenn es um sperrige Möbel geht. Aktuelle Ergebnisse des eBay-Projektes „Zukunft des Handels“ zum Möbelhandel sollte die Branche als letzten Weckruf betrachten.


Drei Viertel (75 Prozent) der Verbraucher finden es wichtig oder sehr wichtig, dass Händler auch schwere oder unhandliche Produkte wie Möbel und Einrichtungsgegenstände sowohl stationär in einem Ladengeschäft als auch über das Internet anbieten. Weit über die Hälfte der Verbraucher (56 Prozent) hat sich schon mindestens einmal darüber geärgert, dass Produkte nicht im Internet verfügbar waren. Das ergab eine repräsentative Verbraucherumfrage im Rahmen des eBay- Projektes „Zukunft des Handels“.

Wert legen Verbraucher auch darauf, dass die verschiedenen Kaufkanäle miteinander kombinierbar sind. So kommen auch im Bereich der Möbel und Einrichtungsgegenstände Angebote wie Click & Collect bei Kunden gut an: Jeder Vierte (26 Prozent) hat bereits einmal ein Produkt online bestellt und anschließend im Laden abgeholt, knapp jeder Zehnte (9 Prozent) nutzt Click & Collect sogar häufiger. Diese Verschmelzung der Kaufkanäle ist auch für Händler von Vorteil: Fast drei Viertel (73 Prozent) der Verbraucher haben bei der Abholung einer Online-Bestellung im Laden noch zusätzliche Produkte gekauft. 

Bereits heute kaufen Verbraucher gut jeden dritten (36 Prozent) Einrichtungsgegenstand online oder mobil.
Für die Zukunft erwarten die Konsumenten, dass sich der Anteil des mobilen Handels im Bereich Möbel und Einrichtungsgegenstände von 5 auf 10 Prozent verdoppeln wird. Als Hindernisse für den Einkauf im Internet sehen Verbraucher zu hohe Versandkosten, schlechte Produktbeschreibungen und Fotos, minimale Rückgabemöglichkeiten und lange Lieferzeiten.

Jeder dritte Verbraucher (32 Prozent) hat zudem bereits einen virtuellen Einrichtungsassistenten genutzt. 73 Prozent interessieren sich für interaktive Kataloge, die über Videos und Bilder zusätzliche Produktinformationen auch in 3D bereitstellen.

Auch die am Projekt beteiligten unabhängigen Experten sind der Ansicht, dass der Handel sich in den nächsten Jahren verändern wird. Prof. Dr. Margit Kling, Unternehmensberaterin und Professorin für Brand Planning und Konsumpsychologie an der design akademie berlin: „Wir werden vielfältigere Formen im stationären Handel erleben: Online-Händler werden zunehmend virtuelle Pop-Up- oder Flagship-Stores einrichten, um ihre Marke bekannter zu machen und emotional aufzuladen. Ebenso wird es Handelsinnovationen wie etwa flexible hochwertige Ladenkonzepte geben, bei dem einzelne Marken oder Designer individuell bestimmbaren Regalplatz mieten können. Damit wird auch kleineren Labels ein Multi-Channel-Vertrieb ermöglicht. Insgesamt wird der stationäre Handel immer gezielter eine Auswahl des Sortimentes mit ‚Erlebnischarakter‘ in Showrooms präsentieren und so die Ladenflächen verkleinern.“