Der Onlinehandel ist der primäre Wachstumstreiber für die KEP-Branche. Online-Bestellungen gehören heute zum privaten Alltag, so wie der Gang zum Lebensmittelladen. Die Ansprüche der der Verbraucher an die Transport-Dienstleister haben sich dementsprechend in den vergangenen Jahren gewandelt. Eine Studie zeigt, welche Services im B2C-Geschäft gefragt sind und wie sich die Sendungsmengen in Deutschland verteilen.

2013 war der interaktive Handel erneut der wichtigste Treiber für die Paketzusteller. Das bestätigt die Sekundäranalyse E-Commerce und Paketdienste  - Lieferdienste und Onlinehandel, die die Logistik-Unternehmensberatung  MRU in Zusammenarbeit mit dem bevh auf Basis der bevh-Verbraucherstudie Interaktiver Handel in Deutschland  sowie anhand von Experten-Interviews durchgeführt hat.

Mehr als jedes zweite Paket stammt aus dem B2C-Geschäft

Laut MRU machten 2013 1,1 Mrd. B2C-Pakete (+10,9% gegenüber 2012) bereits einen Anteil von 53% des Gesamtvolumens im Paketmarkt aus. 54% des Paketvolumens im B2C-Segment decken dabei die vier umsatzstärksten Warengruppen Bekleidung, Bücher, Bild- und Tonträger ab.

Fest definierte Liefertage nach Wunsch sind gefragt

Mit zunehmendem Wettbewerbsdruck im interaktiven Handel wandelt sich auch der B2C-Paketmarkt vom Verkäufer- zu einem Käufermarkt: Logistische Zusatzleistungen sind gefragt. Pflicht für KEP-Dienstleister sind Zusatzservices, die den Sendungsempfängern eine bessere Planung erlauben. Online-Sendungsverfolgung, Lieferungen zu fest definierten Tagen, oder auch zu festen Zeiten am gleichen Tag (Same Day Delivery), gewinnen laut dieser Analyse immer mehr an Bedeutung. Eine hohe Akzeptanz bei Online-Käufern genießen in diesem Kontext auch Benachrichtigungsdienste (SMS, Mail) seitens Händlern oder Transportdienstleistern. 

Im Rahmen einer Befragung gaben laut MRU mehr als 25% der Empfänger von Distanzhandelsendungen an, dass zusätzliche Lieferservices sie dazu motiviert hätten, mehr zu bestellen.

Welche Services Kunden von Paketdiensten erwarten. Grafik: MRU
Welche Services Kunden von Paketdiensten erwarten. Grafik: MRU

Regional heterogene Verteilung der Warengruppen

Die regionale Verteilung der Sendungen erfolgte dabei jedoch nicht homogen. So wurden zum Beispiel im Großraum Frankfurt Main gegenüber der Region Duisburg weniger als die Hälfte der Pakete aus der Warenkategorie Schmuck und Uhren ausgeliefert.  Je nach Urbanisierungsgrad der Region  – und  entsprechenden Unterschieden in der Einzelhandelsdichte –  gestaltete sich auch die Verteilung in anderen Segmenten nicht  homogen: In Nürnberg und Franken wurden überproportional viele Sendungen der Warengruppe Computer und Zubehör ausgeliefert. Während weiter südlich im Alpenvorland  der Anteil an Bekleidungssendungen deutlich höher war als der in anderen Segmenten und die Verteilung in dieser Kategorie zum Beispiel die im Raum Köln deutlich übertraf.

Offenkundig  lassen sich die regionalen Varianzen entlang der gesamten Bundesrepublik jedoch nicht  nur anhand  von Faktoren wie der Einzelhandelsdichte begründen. Erklärungsansätze, von welchen weiteren Entscheidungskriterien das Kaufverhalten im interaktiven Handel letztlich abhängt, bietet diese Untersuchung jedoch nicht.

Kommentar: Bessere Lieferservices des Distributionsdienstes = Mehr Umsatz für große Händler

Auf diese simple Gleichung lässt sich das Zusammenspiel von Distributionslogistik und Versandhandel reduzieren. Wer einem Händler bezüglich Avisierung und Lieferung vertrauen kann, der bleibt ihm eher treu. Verlässlichkeit und Planbarkeit der Sendungsannahme sorgen für eine höhere Kundenbindung und entsprechend höhere Umsätze.

Wer profitiert davon? In erster Linie die Schwergewichte im Distanzhandel, denn nur diese verfügen auch über die Sendungsvolumina und entsprechende Marktmacht, um ihren Transportdienstleistern derlei Services, zu für den Endempfänger akzeptablen Zusatzkosten, mit in die Agenda diktieren zu können.
Heißt: Je anspruchsvoller Sendungsempfänger im interaktiven Handel zukünftig noch werden, umso mehr werden kleinere Versandhändler Marktanteile verlieren, da diese sich den Einkauf von bestimmten Zusatzleistungen nicht leisten können.

Eine gängige Preispolitik in der KEP-Branche spielt den großen Etailern dabei in die Hände: Die Großkunden bekommen „Schweinepreise“ pro Sendungseinheit, über deren üppige Volumina die Dienstleister ihre Fixkosten decken, Überschüsse werden über die satten Margen im Kleinkundengeschäft erwirtschaftet. Mit zunehmender Marktmacht der führenden Distanzhändler wird diese Schere weiter auseinanderklaffen, da die Bereitstellung von Zusatzservices wie taggleicher Zustellung nur bedingt skaliert, so dass niedrigere Preise für derlei logistische Zusatzleistungen nicht auch automatisch irgendwann bei kleineren Marktteilnehmern des Distanzhandels ankommen werden.