An eine zweistellige Prognose für die nahe Zukunft des Lebensmittel-Onlinehandels in Deutschland traute sich bislang so recht keiner heran. Verständlich. Denn beispielsweise Fittkau & Maaß hat mit der W3B-Umfrage zum Thema "Lebensmittel im Internet" unter 4.800 deutschen Internet-Nutzern herausgefunden, dass gerade einmal 6 Prozent der deutschen Internet-Nutzer überhaupt schon einmal frische Lebensmittel online eingekauft haben. Und da ist dann auch jeder Teebeutel aus einem Shop mit dabei. Gerade einmal 0,5 Milliarden Euro von den 175 Milliarden Euro für Lebensmittel werden im Internet ausgeben. Doch die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young schreckt das nicht. Von aktuell 0,3 Prozent werde der Marktanteil von E-Food bis 2020 auf 10 Prozent steigen.


Laut einer Umfrage von Ernst & Young unter mehr als 1.000 Konsumenten in Deutschland wollen immerhin 36 Prozent der Verbraucher in spätestens fünf Jahren Lebensmittel über das Internet bestellen. Bei den Familien liegt der Anteil sogar bei 64 Prozent.

Hauptgründe für den bevorstehenden Boom: bessere Angebote, sinkende Preise und die demografische Entwicklung – gerade für ältere Menschen sind Online-Bestellung und Lieferservice attraktiv. Daneben werden Familien mit doppelerwerbstätigen Eltern die Entwicklung beflügeln, sagt die Studie.

Zudem wird der Crosschannel-Kunde zum Alltag. 2020 werde der Handel rund 20 Prozent seines Umsatzes mit diesen  Kunden machen. Derzeit beziffert EY  6 Prozent der Konsumenten als Crosschannel-Käufer.

Lieferung und Kosten schrecken ab

Noch aber schrecken die Kunden die Kosten, Bestellwege und komplizierte Lieferung. Perfekt agieren nämlich selbst die Großen der Branche nicht.  Lieferkosten und das Zeitfenster der Lieferung sprechen für rund drei Viertel der von EY befragten Verbraucher noch gegen eine Bestellung von Lebensmitteln im digitalen Kanal. Zugleich gehen aber 63 Prozent davon aus, dass diese Probleme in Kürze gelöst werden. „Zusammen mit einer Änderung im Verbraucherverhalten dürfte der zu erwartende logistische Durchbruch bald zum Big Bang im digitalen Lebensmittelgeschäft führen", sagt Wolf Wagner, Partner und Handelsexperte bei EY.

Was der Handel noch tun muss und was er besser machen kann

Dafür aber braucht es wohl auch noch gewaltige Anstrengungen. Beispielsweise im Marketing. E-Food-Händler berichten jedenfalls von steigenden Absatzzahlen, wenn sie in einer Stadt einmal ein paar Werbeeuro in die Hand nehmen. Denn wie viele Kunden an der Supermarktschlange wissen überhaupt vom Online-Angebot? 

Und auch in Sachen Usability und Online-Service gibt es noch mehr als reichlich zu tun. Nehmen wir zum Beispiel meinen Stammladen Rewe. Also online natürlich. Der zeigt mir unter "Meine Produkte" alle Artikel, die ich dort bestellt habe. Angeblich. Einige Produkte ignoriert das System konsequent. Ganz oben, quasi als Top-Produkt wird zudem "Kohlenanzünder" (einmal gekauft) angezeigt. Sinnloser ist nur noch meine Bookmark-Liste auf meinen Netscape-Browser. Dabei wäre eine brauchbare Liste mit intelligentem Ranking das geschnittene Brot im E-Food-Handel. 

Doch es ginge noch besser: Warum verwandelt ein Online-Shop einmal gekaufte Produkte nicht in neue Rezepte-Ideen mit zusätzlichen Produktempfehlungen und schlägt dazu dann direkt eine Einkaufsliste vor? 

Warum kann man keine Rezepte durchforsten und automatsche Einkaufslisten erstellen lassen?

Das ist keine Raketenwissenschaft. Siehe die App Springpad: Da kann man beispielsweise seine Lieblingsrezepte speichern und die App baut daraus dann einen Einkaufszettel. Über so komplexe Dinge wie ein flexibles Crosschannel-Management haben wir da noch gar nicht geredet

Bei Rewe gibts übrigens ein Rezept der Woche als pdf zum Download. Manch einer dürfte da - Ironie on -den Faxabruf vermissen. Ironie off.

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Bild: Fruit and vegetable alphabet - letter E - Shutterstock