Der Markt für Gutschein- und Prepaid-Karten in Europa hat noch Potenzial, zeigt eine aktuelle Studie. Händlern eröffnen die Karten den Einstieg in neue Geschäftsfelder.

Jüngstes Mitglied in der Fangemeinschaft ist die Fressnapf Tiernahrungs GmbH. Vor wenigen Tagen brachte die Fachmarktkette für Heimtierbedarf eine Gutscheinkarte heraus - natürlich mit Tiermotiven und rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.

Gutscheinkarten boomen im deutschen Handel. Kaum ein Unternehmen verzichtet noch auf die Ausgabe der Kärtchen, die zusätzliche Umsätze generieren sollen und bei den Verbrauchern wenig Platz benötigen. Eine aktuelle Studie des internationalen Zahlungsdienstleisters First Data zeigt, dass die Plastikkärtchen noch ein erhebliches Marktpotenzial besitzen.

Studie untersucht vier europäische Länder

Im Rahmen der im Juni und Juli 2009 durchgeführten Studie wurden Verbraucher darum gebeten, fünf Prepaid-Kartentypen (Geschenk, allgemeine Ausgaben, Reise, Jugendliche und Überweisung) in vier Ländern mit unterschiedlicher Marktreife zu bewerten. Dabei gelten Deutschland und Österreich als junge Märkte, in Großbritannien ist die Branche schon stärker etabliert - Italien ist der reifste Prepaid-Markt Europas.

"Eines der zentralen Ergebnisse dieser Untersuchung ist das hohe Maß an Neugier und Interesse, das die Verbraucher den Prepaid-Produkten entgegenbringen", erklärt Tony Craddock, CEO von Global Prepaid Exchange. "Die Konsumenten sind sich dieses Angebots zunehmend bewusst. Die Branche wird in den untersuchten Ländern in naher Zukunft einen erheblichen Wachstumsschub erleben."

"Für Einzelhändler sind Prepaid-Karten der ideale Türöffner zum Finanzdienstleistungsmarkt", kommentiert Lisa Walker, Director Prepaid bei First Data International. "Ein guter Weg wären hier beispielsweise Co-branding-Partnerschaften mit Banken. So könnten sich die Einzelhändler auf den Vertrieb, das Aufladen der Karten und damit auf ihre Stärken konzentrieren."

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

• In jedem der untersuchten Länder übersteigt die Anzahl der Konsumenten, die den Kauf einer Prepaid-Karte innerhalb der nächsten 12 Monate für möglich halten, die Anzahl derer, die in den vergangenen 12 Monaten eine Karte erworben haben. Daraus ergibt sich ein hohes Wachstumspotenzial in sämtlichen dieser Märkte.

• Supermärkte, Kaufhäuser, Fachhandelsgeschäfte und Postniederlassungen sind für die Verbraucher offensichtlich die bevorzugten Distributionskanäle für Prepaid-Karten. Dabei geben die Befragten in Großbritannien den Supermärkten mit 74 Prozent klar den Vorzug - und zwar für sämtliche Karten mit Ausnahme der Reise-Karte, die 50 Prozent lieber in einer Postniederlassung kaufen.

Jeder zweite Deutsche plant Prepaid-Karten zu nutzen.
Jeder zweite Deutsche plant Prepaid-Karten zu nutzen.
Die deutschen Kunden kaufen sich ihre Prepaid-Karten dagegen am liebsten in der Bank, nur für Geschenkkarten gehen sie lieber ins Kaufhaus. In Italien würde die Mehrheit der Befragten (zwischen 50 und 64 Prozent, je nach Kartentyp) ihre Prepaid-Karten bei der Post erwerben, was vermutlich auf die aktuelle Dominanz der nationalen PostePay-Produkte zurückzuführen ist; an zweiter Stelle folgen hier Fachhandelsgeschäfte oder Tante-Emma-Läden.

• 55 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, der Einsatz einer Prepaid-Karte sei sehr nützlich, um Ausgaben besser kontrollieren und ihr Geld verwalten zu können. Marketingbotschaften, die sich auf die Vorzüge von Prepaid-Karten bei der Budgetverwaltung konzentrieren, und eine hohe Akzeptanz solcher Produkte dürften die Entscheidung der Verbraucher für den Kauf einer Prepaid-Karte erheblich beeinflussen.

• Was die Kosten betrifft, akzeptieren die Verbraucher eher Gebühren für punktuelle Aktivitäten - etwa für das Aufladen des Guthabens oder für Barabhebungen - als monatliche Gebühren oder solche, die sofort beim Kauf erhoben werden. Allerdings ziehen 50 bis 70 Prozent der Befragten in sämtlichen untersuchten Ländern eine Anfangsgebühr beim Kauf der monatlichen Gebühr vor.

• 38 Prozent der Teilnehmer signalisierten die Bereitschaft, für personalisierte Geschenkkarten mit individueller Farbgebung, persönlichem Bild oder spezieller Grußbotschaft zusätzliche Gebühren zu bezahlen. Hier zeigt sich ein signifikantes Umsatzpotenzial für Banken und Einzelhändler, die die Einführung von Prepaid-Kartenangeboten erwägen.