Wer in einem Fachmedium rund um den Handel derzeit möglichst viele Klicks und Likes abgreifen will, der muss vor allem eines tun: Ruhe verbreiten, den Onlinehandel klein reden, die Stärke des stationären Handels preisen. Wenn der Tenor (gerade auch in Umfragen) lautet, dass alles nicht so schlimm sei, oder mindestens nicht noch schlimmer werde, dann hat man die Leser auf seiner Seite.  Nackte Panik aller Händler wäre dabei weitaus angebrachter.

Bange machen gilt für viele nicht. Also werden vom Status-quo-Management freudig all jene Zahlen aufgegriffen, die irgendwie nahe legen, dass nun Schluss sein könne, mit dem ewigen Sorgen machen. Die Folge: Das Tempo der Innovationen wird gebremst, die digitale Disrupution vertagt.

Schauen Sie sich doch bitte um: Karstadt dreht die Uhr im Onlinehandel gerade ein Stück weit zurück. Der Kosten wegen. Zalando dreht sie vor. Der Kunden wegen.

Dabei ist Geduld fatal. Die digitale Disruption ist nämlich wie ein Vulkanausbruch. Hier ein paar kleine Rauchschwaden, dort wackelt die Erde ein bisschen. Dann ist wieder alles still. Fest steht aber: Das große Beben kommt. Die Frage ist aber nicht: Wann kommt es? Die Frage ist: Bereite ich mich jetzt schon optimal darauf vor? Inmitten der Disruption kommt nämlich jede Hilfe zu spät.
 
Während sich weite Teile des Handels aber gerade von dem Schock erholen, dass Zalando doch Gewinne machen kann, sich selbst aber weiter als Händler sehen und nicht als Computerfreaks, sieht sich Zalando auf lange Sicht als Plattform. Technik zählt, Daten zählen, Vernetzung zählt. Mode verkauft man eines Tages so nebenbei. Denn es ist in der digitalisierten Gesellschaft die Datenmacht, die mit personalisierten Angeboten in Echtzeit über Märkte und Kunden entscheidet.

Das ist vor allem deshalb doof für den klassischen Händler, weil diese Daten Zalando, Amazon, Google und Co helfen, sich mittelfristig an jedem Kontaktpunkt an den Beginn des Kaufprozesses zu setzen.

Daten, mit denen die Top-Player ihren Wettbewerbern eines Tages auch sagen werden, wann es Zeit ist für den Panikverkauf.

Derlei erzählt man sich beispielsweise über die Verhandlungen über einen Verkauf von StudiVZ an Facebook. Im Valley, so eine Anekdote, soll man sich damals die Präse des deutschen Netzwerks, das sich noch stark, gesund und teuer fühlte, höflich angesehen haben, um dann eigene Zahlen herauszuholen. Begleitet von dem trockenen Satz: “You are dead. You wanna know, why you are dead? I can show you."