Mein Onkel war in den Sechzigern Kohlenhändler in Wanne-Eickel. Mitten im Ruhrgebiet. Handelte mit allem, was die Erde hergab. Anthrazit 2, Koks, Brech 2, Eierkohlen, Briketts. Ein breites Portfolio würde man heute dazu sagen. Irgendwann war er pleite.


Manche meinten, die Heizungen seien schuld daran gewesen. Aber hatten nicht all die Manager in den Zechen erklärt, es werde nicht so schlimm? Kohle brauche man noch für Jahrzehnte, hieß es. Bis sich Heizungen – wenn überhaupt – durchsetzen würden, würde viel Wasser die Ruhr runterlaufen.

Einen vom Vorstand aus dem Zentralverband hatte er einmal gefragt, ob er nicht lieber umsatteln, zumindest zusätzlich Heizungen verkaufen solle. So wie der Kerl aus Wattenscheid, der mit seiner Isetta rumfuhr und nur noch in Heizung machte.

„Kohle ist unsere Stärke“, hatte der Manager gesagt und gemeint, man müsse eben mehr Angebote rundherum bieten. Also bessere Öfen vermitteln. Mehr Service bieten. Am Auftritt etwas tun. Nähe demonstrieren. Damit die Kunden zufrieden blieben.

Waren sie auch. Aber die Heizung war billig, machte keine Mühe. Da war es den Leuten egal, woher der Installateur kam. Als hätten sich irgendwann alle verschworen, gab es quasi übers Wochenende fast überall eine Heizung. Sogar auf einigen Zechen. Da redeten die Experten plötzlich von mehr Flexibilität, Investitionen in neue Märkte. Nur war das Budget meines Onkels dafür inzwischen nicht mehr dehnbar genug.

Kohle hatte er dafür mehr als reichlich.

Der Kerl aus Wattenscheid fuhr jetzt Daimler.