Schlecker hat nun offiziell die Planinsolvenz beantragt. Viele Fragen zur Zukunft des Drogerieriesen bleiben offen: Tragen die Gläubiger das Sanierungskonzept mit? Und: Werden Tarifverträge gekündigt?

Nachdem der Antrag auf Planinsolvenz beim Amtsgericht Ulm eingereicht wurde muss der zuständige Insolvenzrichter Benjamin Webel entscheiden, ob das Insolvenzverfahren eröffnet wird - und in welcher Form. Schlecker strebt eine Planinsolvenz an, um sich in Eigenregie zu sanieren.

Die 47.000 Schlecker-Mitarbeiter starteten mit Bangen in die neue Woche. Die Insolvenz kann Schlecker nach Einschätzung eines Rechtsexperten auch dazu dienen, die Tarifverträge mit Verdi zu kündigen. Die Gewerkschaft fordert vom Eigentümer Anton Schlecker volles Engagement bei der Rettung der Arbeitsplätze.

"Der größte Vorteil ist, dass Schlecker nicht zerschlagen wird", sagte der Bremer Insolvenz-Anwalt Klaus Klöker dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Das Unternehmen bleibt als Rechtsträger erhalten und kann sich von allen nicht lukrativen Geschäften trennen. Die lukrativen aber kann es behalten".

Sonderkündigungsrecht für langfristige Verträge

Der Insolvenzverwalter kann laut "Spiegel" helfen, im Planverfahren das Unternehmen von allen langfristigen Verträgen durch Sonderkündigungsrechte zu entlasten. Dazu gehören demnach neben Miet-, Pacht-, Leasing- und Lieferverträgen insbesondere auch die Arbeits- und Tarifverträge.

Die Gewerkschaft Verdi will mögliche Folgen für die Beschäftigten nun erst einmal juristisch prüfen lassen. Offensichtlich gebe es unter Juristen widersprüchliche Einschätzungen, ob Schlecker nun Arbeits- und Tarifverträge kündigen könne, sagte eine Sprecherin.

Mit der Planinsolvenz will Schlecker möglichst große Teile des schrumpfenden Filialnetzes erhalten - und damit auch viele Jobs. Ob das gelingt ist offen, zumal sich Schlecker bisher nicht zu konkreten Plänen geäußert hat. Konkurrent Rossmann hat bereits betont, dass nur an 50 bis 80 Schlecker-Märkten Interesse bestehe.

Geplatzte Finanzierung

Als Grund für die Schieflage gab das Unternehmen eine geplatzte Zwischenfinanzierung an, ohne ins Detail zu gehen. Das Auslandsgeschäft von Schlecker sowie die Tochter IhrPlatz sind von der Insolvenz nicht betroffen.

Ausschlaggebend für die Insolvenz war nach Informationen der "Südwest Presse" eine Rückstufung Schleckers: Ein großer deutscher Rückversicherer, über den der Einkaufsverband Markant seine Bestellungen absichert, habe wohl das Schlecker zugestandene Volumen drastisch reduziert.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, Schlecker habe am Freitag einen fälligen Betrag zwischen 20 und 30 Millionen Euro nicht mehr bezahlen können.

"Weil die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Schlecker in Branchenkreisen bekannt waren, war die Zahlung in bar oder als Bundesbankscheck eingefordert worden", so die Zeitung. Ähnliche Informationen hat auch die dpa. Laut FAZ soll der nächste Termin für eine ähnliche Zahlung an die Markant dem Vernehmen nach schon in der nächsten Woche anstehen.

Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Schlecker-Umsatz um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Für 2011 rechnete der schwäbische Familienkonzern erneut mit sinkenden Erlösen.

Bildergalerie: Schlecker - Zerfall eines Drogerieimperiums