Ludger Freese traut sich was. Den Metzgermeister mit eigenem Online-Shop (MyBratwurst.de) darf man getrost als Vorzeige-Blogger des Mittelstands bezeichnen. Facebook gehört für ihn zum Geschäft wie die Fleischwurst aufs Brot. Wir sprachen mit ihm über seine Begeisterung für Social Media, den Aufwand und warum Social Media Teil der Überlebensstrategie sein muss.
   

Warum haben Sie sich für den Einsatz von Facebook und Co. entschieden?

Freese: Wir sind seit dem Jahr 2000 im Web aktiv. Die Erfolge mit dem Web 1.0 haben mich ermutigt, hier weiterzugehen. Mit dem Firmenblog „Essen kommen!” haben sich die Zugriffszahlen um über 500 Prozent gesteigert. Durch das Blog sind wir erst richtig im Web gestartet und haben daraus die anderen Kanäle schnell kennengelernt.

 

Woher nehmen Sie Ideen?

Freese:  Ich beobachte immer sehr aktiv die Medien und Firmen, die ein gutes Marketing machen. Wenn sich hier erste Erfolge einstellen, versuche ich das auf meinen Betrieb zu übertragen.

 

Wer betreut bei Ihnen Social Media und wie viel Zeiteinsatz ist dafür notwendig?

Freese:  Eine externe Betreuung habe ich für Social Media nicht. Das Blog „Essen kommen!” wurde einmal für uns eingerichtet (2007) und seitdem machen wir alles andere selber. Twitter, Facebook, Pinterest und Google+ kann man selber einrichten und sind kinderleicht zu bedienen. Der Zeitaufwand für meine Social-Media-Arbeit beträgt je Tag etwa eine Stunde. An einigen Tagen wird nichts gemacht, an anderen Tagen wird sehr aktiv ins Netz gestellt. Man sollte den Besucher nicht überfrachten mit Informationen.

 

Welche Vorteile haben Sie inzwischen davon?

Freese: Die Vorteile durch Social Media sind gewaltig. Sie können sehr günstig und sehr schnell Botschaften (keine Werbung!) verbreiten. Diese Informationen sind sehr zielgerichtet und kommen genau bei Ihren Freunden und Fans an. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Printmedien. Durch den Dialog mit meinen Kunden wurden völlig neue Türen geöffnet.

Mit Social Media erreiche ich heute jeden Kunden in allen Altersschichten und überall auf der Welt. Betriebe, die noch nicht im Internet zu finden sind, keine Homepage haben und nie eine „Bewertung” erhalten haben, werden in wenigen Jahren nicht mehr am Markt zu finden sein oder sie gelten als unseriös. Das verlorene Feld kann dann nicht mehr aufgeholt werden!

 

Sie betreiben auch einen Blog. Was versprechen Sie sich davon?

Freese: Das Blog „Essen kommen!” ist das Kronjuwel meiner Social-Media- Arbeit. Seit dem Start 2007 habe ich fast 1.500 Artikel geschrieben und es kamen 7.700 Kommentare rein. Sie sehen also, so ein Blog lebt. Die Kunden warten auf Informationen, Unterhaltung und Back- Stage-Berichte. Im Blog habe ich 2.500 bis 3.000 Besucher – jeden Tag. Mit dem Blog erfahre ich sehr viel davon, was mein Kunde möchte, was er liebt und was ein Trend wird.

 

Welchen Rat können Sie anderen kleinen Unternehmen geben?

Freese: Bitte warten Sie nicht mit dem Beginn von Social Media, nur weil Ihr Mitbewerber es nicht macht. Sie müssen beginnen. Überstürzen Sie nichts, fangen Sie mit einer Sache an. Schreiben und berichten Sie regelmäßig, mindestens einmal die Woche, besser täglich. Übertreiben Sie nicht, seien Sie ehrlich, offen und kreativ – wie es in guten Unternehmen üblich ist. Gehen Sie respektvoll mit Menschen um und akzeptieren Sie Kritik oder eine andere Meinung. Antworten Sie schnell und nicht nach Tagen. Zeigen Sie Humor. Schreiben Sie selbst, Social Media ist Chefsache, berichten Sie über Menschen und ganz wichtig: Fangen Sie an! Jetzt!  

Ludger Freese auf der Webchance: Die Fachmesse Webchance in Frankfurt will am 24. und 25. August parallel zu Tendence kleinen und mittleren Einzelfachhändlern auf die Sprünge helfen. Ludger Freese berichtet dort in einem Vortrag, wie er mit Fans Umsatz macht. etailment-Autor Olaf Kolbrück moderiert auf der Veranstaltung.

Vom etailment-Autor: Erfolgsfaktor Online-Marketing
Vom etailment-Autor: Erfolgsfaktor Online-Marketing
Das Interview ist im Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing" abgedruckt. Es erscheint dieser Tage. Autor ist meiner einer. Das Buch beschreibt Einsteigern leicht verständlich, wie sie mit schmalem Budget die Chancen des Online-Marketings nutzen können. Kompakte Tipps, Checklisten, Hintergrundinfos und weitere Interviews mit Händlern und Experten sollen dabei helfen, die passenden Instrumente wie Newsletter, Bannerwerbung, Social Media oder Digital Couponing erfolgreich einzusetzen. Das Buch erscheint im Deutscher Fachverlag, Frankfurt, zu dem auch etailment gehört.