Die erste Runde der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des Einzelhandels in Baden-Württemberg wurde ohne Ergebnis vertagt. Die Arbeitgeber wollen nicht nur über Geld reden.

Nach fünf Stunden verließen die Verhandlungsführer das Abacco-Hotel in Korntal-Münchingen bei Ludwigsburg ohne konkretes Ergebnis. Damit scheiterte die erste Tarifrunde für den baden-württembergischen Einzel- und Versandhandel.

Die Gewerkschaft Verdi fordert für die rund 220.000 Beschäftigen im Ländle eine Lohn- und Gehaltserhöhung um eine Euro pro Stunde. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 90 Euro im Monat steigen. Die Arbeitgeberseite verlangt eine Neuverhandlung des vor ihr aufgekündigten Manteltarifvertrags.

"Es gibt eine Reihe von Strukturproblemen wie intransparente Formulierungen in Tarifgruppen, veraltete und fehlende Regelbeispiele - etwa zur Warenverräumung - und widersprüchliche Eingruppierungsergebnisse", kritisierte der Vorsitzende der Arbeitgeberkommission, Philip Merten. Die bestehenden Tarifvertäge seien daher modernisierungsbedürftig.

Anlerntätigkeiten bewerte der alte Tarifvertrag höher als Ausbildungstätigkeiten; ein Kassierer in Verbrauchermärkten werde anders behandelt als die gleiche Tätigkeit im Fachhandel oder in Möbelhäusern, zählt Merten auf.

Am 4. Juni geht es weiter

"Die Forderungen der Arbeitgeberseite greifen in massiver Weise die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Einzelhandelsbeschäftigen an. Die Belegschaften sind hochgradig alarmiert und entschlossen, ihre Tarifverträge zu verteidigen", erklärte demgegenüber der Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke.

"Es muss aufhören, dass der ruinöse Verdrängungswettbewerb im Handel über Lohn- und Sozialdumping ausgetragen wird. Die Einzelhändler machen unverändert gute Kasse, die Beschäftigten leisten gute und qualifizierte Arbeit und dafür haben sie gutes Geld verdient", so Franke.

Am 4. Juni wollen die Tarifparteien in Baden-Württemberg ihre Verhandlungen fortsetzen. Der Einzelhandel steht vor einer schwierigen Tarifrunde. Während die Arbeitgeberseite auf eine Überarbeitung des Manteltarifvertrags drängt, fordert die Gewerkschaft eine Wiederinkraftsetzung dieses Regelwerks und will ausschließlich über Entgelttarife sprechen. Eine Übersicht der Forderungen in den einzelnen Tarifbezirken hat Verdi auf dieser Seite bereitgestellt.