Auch die 3. Tarifrunde im bayerischen Einzelhandel ging ohne Ergebnis zu Ende. In Baden-Württemberg erhöhen die Arbeitgeber die Entgelte um 2,5 Prozent - auch ohne Einigung mit der Gewerkschaft.

Ohne Einigung ist heute auch die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die rund 335.000 Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel beendet worden, teilt der Handelsverband Bayern mit.

Die Arbeitgeber hatten ein Gesamtpaket vorgelegt, welches erstmals auch ein konkretes Angebot mit Lohn- und Gehaltserhöhungen umfasste. Die Löhne und Gehälter sollten danach zum 1. August 2013 um 2,5 Prozent steigen, eine weitere Erhöhung sollte zum 1. Mai 2014 um 1,5 Prozent erfolgen.

Auch die Ausbildungsvergütungen sollten entsprechend erhöht werden. Neben diesen Erhöhungen umfasste das Angebot der Arbeitgeber aber auch Änderungsvorschläge für einen neuen Manteltarifvertrag, etwa neue Regelungen zur flexiblen Gestaltung der Arbeitszeit und zur Warenverräumung.

"Mit diesem Angebot wollten wir die festgefahrenen Verhandlungen voranbringen. Verdi jedoch mauert weiter und hat unser Gesamtpaket abgelehnt", sagte HBE-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Aigner.

Eine Verhandlung über den Manteltarifvertrag lehnt die Gewerkschaft Verdi jedoch bislang kategorisch an. Die Gewerkschaft will die Tarifverhandlungen als reine Entgeltrunde führen.

Ein Termin für die nächste Verhandlungsrunde wurde nicht festgelegt. "Mit Blick auf die festgefahrene Situation haben wir uns aber für den 30. Juli auf ein  Sondierungsgespräch verständigt. Sollte bis Ende Juli weder in Bayern noch in einem anderen Tarifgebiet ein Durchbruch erzielt werden, werden wir unseren Mitgliedsbetrieben empfehlen, die Löhne und Gehälter auf Basis unseres heutigen Angebots zu erhöhen. Denn die Leidtragenden der andauernden Blockadehaltung der Gewerkschaft sind die Beschäftigten."

"Tarifkonflikt nicht auf dem Rücken der Beschäftigten"

Die Arbeitgeber in Baden-Württemberg haben diesen Schritt bereits vollzogen: Nachdem am Freitag die vierte Verhandlungsrunde im Ländle ergebnislos verlief, empfahl die Große Tarifkommission des Landeshandelsverbandes den tarifgebundenen Unternehmen, eine vorläufige Entgelterhöhung in Höhe von 2,5 Prozent ohne Tarifeinigung. Eine Umsetzung soll spätestens mit der Augustabrechnung vorgenommen werden und kann den Monat Juli rückwirkend berücksichtigen.

"Wir können und müssen endlich über die veralteten tariflichen Regelungen reden. Leider lehnt ver.di in bundesweit mittlerweile 25 Verhandlungsrunden wie schon in der Vergangenheit jegliche Gespräche darüber ab und will stattdessen nur Entgelterhöhungen vereinbaren", so der Vorsitzende der Arbeitgeberkommission, Dr. Philip Merten. Um die Mitarbeiter, "die in den Unternehmen täglich einen guten Job leisten, nicht weiter im Regen stehen zu lassen", habe man eine entsprechende Empfehlung ausgegeben.

"Wir greifen damit die Zusicherung von ver.di auf, nach einer Entgelterhöhung mit uns über die Reformen verhandeln zu wollen", so Dr. Philip Merten. Die Arbeitgeberseite habe kein Interesse daran, die Beschäftigten zu Leidtragenden der Blockadehaltung der Gewerkschaft zu machen.

Auf etwaige Verhandlungsfortschritte im Juli in anderen Tarifgebieten können die Arbeitgeber in Baden-Württemberg noch rechtzeitig reagieren.

DH


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