Tchibo bringt mit der Valovis Commercial Bank eine kostenlose Mastercard-Kreditkarte heraus - und akzeptiert ab Oktober Kreditkarten in den eigenen Filialen.

Ab dem 7. Oktober können die rund 650.000 Inhaber einer Karstadt-Mastercard ihre Kreditkarte gegen die neue "Tchibo PrivatCard Premium" eintauschen. Das kündigte Axel Frein, Vorstandsvorsitzender der Valovis Commercial Bank, heute in Frankfurt am Main an.

Der Kooperationsvertrag der ehemaligen KarstadtQuelle-Bank mit dem Warenhausunternehmen war vom Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nicht verlängert worden, daher läuft das Karstadt-Kartenprogramm nach und nach aus.

"Mit Tchibo haben wir eines der größten und renommiertesten Handelsunternehmen in Deutschland als Partner für unsere Co-Branding Mastercard gewinnen können", sagte Frein über den neuen Vertriebspartner. Die Tchibo-Kreditkarte ist für die Inhaber dauerhaft kostenfrei und verfügt über die klassischen Ausstattungsmerkmale einer Kreditkarte wie weltweite Zahlungs- und Geldautomatenfunktion, Guthabenverzinsung und Teilzahlungsmöglichkeit.

Kreditkartenumsätze werden bo(h)nifiziert

Zusätzlich werden sämtliche Kartenumsätze im Rahmen des Tchibo-"Bohnen-Programms" bonifiziert, es soll exklusive Angebote für die Karteninhaber und Vorab-Informationen über neue Produkte geben. Zunächst werden nur die Inhaber der KarstadtQuelle-Kreditkarte umworben, ihre bisherige Karte gegen eine "Tchibo PrivatCard Premium" einzutauschen. Im Januar 2011 will der Hamburger Kaffeeröster die Kreditkarte dann zusätzlich seinen Kunden und den rund zwei Millionen "Tchibo PrivatCard"-Inhabern aktiv anbieten.

Ab Oktober wird Tchibo darüber hinaus in den eigenen Filialen Mastercard- und Visa-Kreditkarten als Zahlungsmittel akzeptieren. Das bestätigte Konzernsprecher Arnd Liedtke auf Anfrage von derhandel.de.

Die Valovis Commercial Bank betreibt insgesamt 25 Co-Brandig-Programme mit verschiedenen Handelsunternehmen und hat insgesamt rund 850.000 Mastercard-Karten im Markt. In Kürze sollen zwei weitere namhafte Kooperationen bekannt gegeben werden - eine mit einem großen deutschen Erstversicherer und eine weitere mit einer Texilkette, berichtet Frein.

Abnabelung von Karstadt gelungen

Der Bank gelang damit die Abnabelung vom Karstadt-Konzern, der bisher ihr wichtigster Vertriebspartner war. Die Umsatzentwicklung mit den Kreditkarten litt laut Axel Frein deutlich unter der Karstadtkrise und sank im ersten Halbjahr 2010 auf 440 Millionen Euro und damit um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dennoch kann die ehemalige KarstadtQuelle Bank, eine 100-prozentige Tochter der Valovis Bank (Essen), bei ihrer Restrukturierung Erfolge verweisen. Im ersten Halbjahr erzielte der Konsumfinanzierungsspezialist einen operativen Gewinn von 2,1 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet Frein dennoch nur mit einer "schwarzen Null" im operativen Geschäft und mit weiteren Restrukturierungskosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro.

"Wir wollen die insbesondere die Geschäftsfelder Absatzfinanzierung und Factoring in Zukunft strategisch weiter ausbauen", erklärte Frein zur langfristigen Perspektive. Er rechnet damit, dass rund 250.000 Kunden ihre Karstadt-Karte zu einer Tchibo-Karte umwandeln und plant mit weiteren 100.000 Neukunden für die "Tchibo PrivatCard Premium" pro Jahr. Internes Ziel sei ein Portfolio von insgesamt 1,5 Millionen ausgegebenen Kreditkarten über alle 25 Programme hinweg.

Trotz des Wechsels zu Tchibo sei eine erneute Kooperation mit Karstadt durchaus denkbar, betonte Frein. Es gebe keine Exklusivvereinbarung mit Tchibo, die einer Wiederaufnahme der Vertriebspartnerschaft mit dem Warenhaus entgegenstünde. "Wenn die Berggruen Holding sich geordnet hat und bei Karstadt wieder Gas geben will, stehen wir bereit", so der Chef der Valovis Commercial Bank.