Seit Jahren sinkt die Kundenfrequenz in den Tchibo-Filialen. Neben einem neuen stationären Sortimentskonzept setzt der Hamburger Händler daher nun auf seine Onlinestrategie.

Im Internetzeitalter finden Konsumenten „jede Woche eine neue Welt“ langweilig: Der Überraschungseffekt verpufft, die Kundenfrequenzen in den Tchibo-Filialen sinken seit Jahren. Die Anziehungskraft der Nonfood-Ware, die immerhin für rund 60 Prozent der Erlöse stehen, ist weitgehend futsch.


Daher hat sich der Kaffeeröster und Nonfood-Händler ein neues Filialkonzept ausgedacht: Seit April wird das Nonfood-Sortiment in den knapp 700 Filialen und gut 8.000 Depots im deutschen Handel umgebaut. Es gibt mehr nicht verpackte Ware, die Wochen-Welten werden kleiner (nur noch 40 Artikel) und verschwinden schneller wieder von der Fläche – statt bisher sechs Wochen ist die jeweilige Themenwelt künftig nur noch 14 Tage im Regal. Daneben gibt es nun die vier festen Warenkategorien Wohnen, Damen, Sport und Wäsche, deren Artikel viermal im Jahr (Wohnen nur zweimal) komplett ausgetauscht werden.
Bis das Nonfood-Sortiment stationär wieder sexy wird, hat Tchibo also noch eine Menge zu tun. Bis dahin soll es der Webshop richten: Bereits jetzt erzielt Tchibo Schätzungen zufolge knapp 20 Prozent seines Umsatzes im Internet. Also avanciert der Shop zu einem Onlinekaufhaus und räumt den Sortimenten deutlich mehr Platz ein.
Im Netz haben die Dauer-Sortimente insgesamt acht Abteilungen, unter anderem sind die Kategorien „Männer“ und „Kind & Babyer“ hinzugekommen. Die wöchentliche Themenwelt fällt im Netz mit knapp 50 Artikeln etwas größer aus als in der Filiale. Zudem weitet das E-Commerce-Sortiment derzeit kräftig aus, beispielsweise bei Möbeln. „Das ist ein Kraftakt für Tchibo“, räumte Thomas Linemayr, der seit Anfang des Jahres Tchibo-Chef ist, in einem Interview mit der Lebensmittelzeitung ein.
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Online first

Zumal es noch weitere Onlinebaustellen gibt: Tchibo will das Cross-Channel-Zusammenspiel zwischen Online und Filiale perfektionieren. Und Linemayrs Vorgänger Markus Conrad, der der Unternehmerfamilie Herz in einem Beirat treu bleibt, hatte die Idee, den Einstieg in neue Länder zunächst über das Internet anzugehen. Zum Beispiel Dänemark: Seit Frühjahr 2017 können dänische Kunden auf tchibo.dk ihre Ware direkt nach Hause bestellen.
Der dänische Onlineshop wird von einem Team mit Sitz im Hamburger Headquarter betreut. Auch China soll auf der "Online-first"-Agenda der Hamburger stehen. Gerüchten zufolge laufen die  Vorbereitungen für die Expansion auf Hochtouren, Personal werde bereits gesucht. Dem Vernehmen will Tchibo im Reich der Mitte auf jeden Fall Kaffee anbieten. Und wer weiß, vielleicht finden die chinesischen Konsumenten ja Gefallen an "jede Woche eine neue Welt". Da ist ein Onlineshop der ideale Versuchsballon.

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