Microsoft will seine Sprach-Software Cortana nun in Toaster, Kühlschränken und anderen vernetzen Geräten unterbringen. Zudem wird der Hifi-Hersteller Harman/Kardon 2017 einen Lautsprecher mit Cortana-Software bauen, der dann Amazon Echo Konkurrenz machen soll. Ein kleiner Anfang. Die Folgen aber könnten gewaltig sein.

 

Wer sich in Seattle auf dem Microsoft Campus durch die Entwicklungsabteilungen des "Envisioning Center" führen lässt, landet irgendwann in einem ein bisschen geheimen Showroom ("No pictures, please!"), der mit technischem Blingbling die wohnliche digitale Zukunft aufzeigt.

Schönstes Stück dort ist eine auch ohne „Smart Tech“ mehr als ansehnliche Küche, die Microsoft zwar mit einem eher leeren Kühlschrank, dafür aber mit allerlei Künstlicher Intelligenz und seiner Sprachsoftware Cortana vollgestopft hat.

Home of Tomorrow: Microsoft Envisioning Center


Während Amazon Echo mit seiner Sprach-Software Alexa im Alltag derzeit eher noch mit lahmen Witzen ermüdet, kann Cortana zumindest im Vorführmodus dort schon allerhand mehr.

Beispielsweise aus ein paar vorhandenen Zutaten erklären, was man jetzt damit Kochen kann und wie man das macht. Die Infos dazu gibt es per Sprachausgabe und mit zusätzlichen visuellen Inhalten auf Displays, integriert in die Küchenmöbel.

"Smart Tech" hilft beim Einkauf

Die „sprechende Herdplatte“ ist aber nur eines von vielen Beispielen. Eindrucksvoller wirkt Cortana, wenn es dem Herrn oder der Dame des Hauses aktuelle Informationen bereitstellt. Beispielsweise, dass die Lieblingsband demnächst in der Stadt Konzerte gibt und dazu gleich nachgefragt, ob Cortana direkt Tickets ordern soll.   

Ebenso könnte auch der Kühlschrank fragen, ob er schon mal Milch bestehen soll und neue Tiefkühlpizza und was man für das Essen mit dem Besuch am Wochenende bestellen möchte – und bitte daran denken möge, dass einer der Gäste Vegetarier ist.  Das können ähnlich natürlich auch andere: Domino`s Pizza zeigte in den USA schon mal wie man seine Pizza auch über den Sprachsteuerungs-Lautsprecher Amazon Echo bestellen kann. 

Wenn wir also demnächst Einkaufen, ohne einen Finger zu rühren, kann das für manch eine Branche verheerend werden.

Beispielsweise für die Werbeindustrie.

Wozu noch Keywords für Suchmaschinenseiten kaufen, wenn der Kunde seine Einkäufe über die Spracheingabe abwickelt? Oder muss er sich dann zunächst den „Werbesprech“ der Küche anhören?

Wozu noch Handzettel des Handels studieren, wenn die Spülmaschine den Kauf neuer Tabs dank Cortana selbst in Auftrag gibt und womöglich dank künstlicher Intelligenz weiß, mit welcher Marke das beste Reinigungsergebnis für das eigene Geschirr erzielt wird? Schon jetzt kann unter anderem eine Wasserkanne von Brita, Vorzeige-Produkte des Dash Replenishment System von Amazon, ihre Filter selbst bestellen und ordert dank Wifi-Anbindung automatisch Nachschub bei Amazon.com.

"Conversational Commerce": Suchen und Shoppen per Spracheingabe

Anders gesagt: Dem Handel gehen mit der Zeit einige wichtige und vertraute Kontaktpunkte zum Kunden verloren. Die neuen Touchpoints aber werden von den großen Plattformen und Technologie-Anbieter beherrscht und zum Katalysator für vernetzte Geschäfte.  


Die Suche wird dabei immer mehr zum schnellen Finden. Je mehr Daten die Geräte besitzen, desto leichter finden sie für eine Suchanfrage die persönlich passende Antwort.

Wer heutzutage Amazon Echo als Shopping-Hilfe erprobt, erlebt derzeit noch ein eher rudimentäres Einkaufsvergnügen. Der Wunsch, beispielsweise „Playmobil“ per Spracheingabe zu kaufen, liefert gegenwärtig einen scheinbar wahllosen ersten Vorschlag. In nicht allzu ferner Zeit, wird das Angebot aus den digitalen Sprach-Assistenten aber auf das individuelle Einkaufsverhalten abgestimmt sein.

Der Handel, davon ist man auch bei Microsoft überzeugt, wird damit mehr und mehr zum "Conversational Commerce" und all die Chatbots, wie sie uns jetzt in ihren eher steinzeitlichen Frühformen bei Facebook begegnen, werden alsbald mit brauchbarer Intelligenz „gesegnet“ aus den Haushaltsgeräten zu uns sprechen.


Das ist nicht mehr weit weg. Cortana, Microsoft’s digitaler Assistent ist schon heute  bei Skype, Office, Outlook und Windows 10 präsent und macht sich bei Bing schlau. So wie übrigens auch Apples Siri.

Laut Microsoft  wird Cortana heutzutage bereits von rund 140 Millionen Menschen monatlich genutzt.  Damit das schneller mehr werden, hat Microsoft die Plattform von Cortana nun für fremde Entwickler geöffnet, damit die die intelligente Sprachsteuerung um weitere Fähigkeiten erweitern und sich neue Lösungen für smarte Geräte ausdenken. Und falls Sie wissen wollen, wie vielfältig die Chatbot-Welt allein bei Microsoft schon ist, schauen Sie einmal auf die Website dev.botframework.com.

Vernetzte Geräte als neuer Kontaktpunkt zum Kunden

Microsoft Cortana wird damit als Konkurrent zu Amazons Echo mit dem digitalen Assistenten Alexa  sowie Googles Konkurrenzgerät Google Home positioniert.

Das sollte sich der Handel mit eigenen Entwicklungsideen zunutze machen, um sich jenseits von Amazon einen Kontaktpunkt zum Kunden in der vernetzten Gerätewelt zu sichern.

Das kann für Webshops ebenso interessant sein, wie für stationäre Händler.

Warum nicht Zalando einfach über die digitale Sprach-Dose (wenn schon nicht am intelligenten Kleiderhaken) zurufen, man möge die Retoure abholen?

Warum sich nicht in Zukunft vom sprechenden Weinregal im Laden beraten lassen, anstatt auf verschmierten Displays herum zu tippen.  

Erst einmal aber baut der Hifi-Hersteller Harman/Kardon 2017 einen Lautsprecher mit Cortana-Software, der dann Amazon Echo Konkurrenz machen soll. So eine Kiste reicht vermutlich auch für lange Zeit, um mit Marken und Händlern - und dem Toaster - ins Plaudern zu kommen.

Harman Kardon + Cortana:


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