Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub strotzt vor Selbstbewusstsein und sieht sich gut gerüstet für die Zukunft. Trotzdem kommt er in diesen Tagen nicht so richtig zur Ruhe.

"Wären wir ein börsennotiertes Unternehmen gewesen, hätten wir die schwere Zeit vor zehn Jahren nicht so gut überstanden", ist sich Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub sicher.

Der 50-jährige Chef der Mülheimer Gruppe ist Familienunternehmer aus Überzeugung. Der gelernte Einzelhandelskaufmann führt als Ältester von drei Brüdern das über 100 Jahre alte Traditionsunternehmen.

Nachdem Haub die Verantwortung bei Tengelmann vor zehn Jahren mitten in der Krise von seinem Vater übernommen hatte, startete er erst einmal eine grundlegende Umstrukturierung der weit verzweigten Unternehmensgruppe.

"Bei meinem Vater war es zu viel. Jetzt geht es etwas konzentrierter", sagt er. Mehr als 30 Jahre lang hatte sein Vater Erivan Haub das Unternehmen von der Supermarktkette mit Schokoladenfabrik zum weltweit tätigen Unternehmen ausgebaut.

Haub will kräftig expandieren

"Das war wie ein Hefeteig. Es wurde immer größer", erinnert sich der Sohn im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Er habe dann vieles wieder zurücknehmen müssen. Heute hat sich das Unternehmen weitgehend aus dem hart umkämpften Geschäft mit dem Lebensmittel-Discount zurückgezogen und die Zahl der Geschäftsfelder deutlich reduziert.

Für den in den USA geborenen Unternehmer mit deutschem und amerikanischem Pass ist es nun an der Zeit, wieder auf Expansion umzuschalten. "Weil die Kriegskasse gut gefüllt ist, wird es weitere Zukäufe geben", kündigte er bei der Bilanzvorlage diese Woche in der Mülheimer Unternehmenszentrale an.

Gegenüber dpa ergänzte Haub, Tengelmann habe im vergangenen Jahr 100 Millionen Euro für Zukäufe ausgegeben. "Das hat mich selbst überrascht" sagte er.

Mit dem Einstieg bei der insolventen Warenhauskette Woolworth hatte er erst im Sommer für Schlagzeilen gesorgt. Noch will er Details seines Sanierungskonzepts nicht verraten. "Man kann Warenhäuser betreiben, wenn man es geschickt und richtig macht", sagt er lediglich.

Die Konkurrenz von Finanzinvestoren im Rennen um die Warenhauskette habe er nicht fürchten müssen. Den Ausschlag habe schließlich seine langjährige Erfahrung im Handel gegeben.

Die Sorgenkinder: Kaiser's Tengelmann und A & P

Schlimm findet Haub das seit über einem Jahr ungewisse Schicksal der rund 25.000 Karstadt-Beschäftigten. Rund 4.000 Beschäftigte bei Woolworth hoffen nun auf eine Zukunft unter dem Tengelmann-Dach.

"Ein Händler darf sich nicht ausruhen", sagte der durchtrainiert wirkende Marathonläufer. Auch wenn Tengelmann zum mittlerweile achten Mal in Folge über schwarze Zahlen berichten konnte, ist er noch noch nicht zufrieden.

"Der Ehrgeiz ist, dass alle Geschäftsfelder in den schwarzen Zahlen sind", sagt er. Aktuelles Sorgenkind in der Unternehmensgruppe ist die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann. Probleme bereitet auch das Geschäft der US- Supermarktkette A & P, an der Tengelmann mit 41,2 Prozent beteiligt ist.

Mit Beiträgen der Beschäftigten und der Familie soll der Supermarkt nach dem Willen von Haub nun wieder zum Zukunftsmodell werden. Punkten sollen die Supermärkte im Konkurrenzkampf mit den Discountern dabei mit Werten wie Nähe und Menschlichkeit.

Kik: "Solides und anständiges Unternehmen"

Persönlich getroffen hat den Familienvater nach seinen Worten die Kritik an Billiglöhnen des zu Tengelmann gehörenden Textildiscounters Kik. "Es handelt sich um ein solides und anständiges Unternehmen, das sonst nicht in unserem Unternehmensverband wäre", stellt er fest.

Erst wenige Tage vor der Bilanzpressekonferenz in Mülheim hatte Kik den Basis-Stundenlohn für seine Beschäftigten auf 7,50 Euro angehoben.

Für die Zukunft sieht sich Haub gut gerüstet. "Wir sind netto schuldenfrei und in keinem Abhängigkeitsverhältnis zum Finanzmarkt", beschreibt er seine Geschäftspolitik. Die Weltwirtschaftskrise habe bei Tengelmann nicht stattgefunden. "Ich kann kann Sie nicht mit großen Unternehmenskrisen erfreuen", bescheinigt er den angereisten Journalisten.