Nach dem Verkauf des Discounters Plus war viel über einen baldigen Ausstieg von Tengelmann aus dem Lebensmittelhandel spekuliert worden. Doch Unternehmenschef Haub glaubt an die Zukunft der LEH-Sparte - und bittet das Personal zur Kasse.

Im härter werdenden Konkurrenzkampf mit den Discountern setzt das Mülheimer Familienunternehmen Tengelmann auf eine Renaissance des klassischen Supermarkts.

"Der demographische Trend spricht für den Supermarkt, für die Nähe und eine menschlichere Einkaufsstätte", zeigte sich Unternehmens-Chef Karl-Erivan Haub am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Mülheim überzeugt.

Die Tengelmanngruppe hatte sich seit Anfang 2009 weitgehend aus dem Lebensmittel-Discountgeschäft zurückgezogen. Für das künftige Konzept müsse die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann wieder auf ein solides Fundament gestellt werden, sagte Haub. Kaiser's Tengelmann verfügt über nur noch rund 650 Märkte in Deutschland.

Sanierung von Kaiser's als letzte Herausforderung

Unterm Strich habe die Unternehmensgruppe Tengelmann im Geschäftsjahr 2009 schwarze Zahlen geschrieben und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von rund 330 Millionen Euro erwirtschaftet. Weltweit erzielte die Unternehmensgruppe trotz Wirtschaftskrise mit knapp 85.000 Beschäftigten einen um 2,6 Prozent auf 11,34 Milliarden Euro erhöhten Umsatz. Mit 7,51 Milliarden Euro entfielen dabei rund zwei Drittel des Geschäfts auf Deutschland.

Die Sanierung von Kaiser's Tengelmann bezeichnete Haub als letzte Herausforderung. Noch im Laufe des Jahres wolle man sich mit den Beschäftigten über einen möglichen Beitrag dazu einigen. Dabei soll es unter anderem um Kürzungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld gehen. Angaben zur Höhe des geplanten Beitrags machte Haub nicht.

Auch die Unternehmerfamilie werde einen Sparbeitrag leisten, kündigte er an. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sollen die Gespräche am 24. September beginnen. Hintergrund sei eine wirtschaftlich schwierige Lage, so die Gewerkschaft.

Obi, Kik, A&P und nun auch E-Commerce als Geschäftsfeld

Neben der Kette Kaiser's Tengelmann, die mit knapp 21.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,58 Milliarden Euro erwirtschaftete, gehören unter anderem der Textil-Discounter Kik sowie die Baumarktkette Obi zur Unternehmensgruppe.

Mit einer Beteiligung von 41,2 Prozent ist Tengelmann zudem größter Einzelaktionär der US-Supermarktkette A&P. Erst im Sommer hatte die zur Tengelmann-Gruppe zählende HH Holding die insolvente Billigkaufhauskette Woolworth übernommen und sich an verschiedenen E-Commerce-Unternehmen (Zalando, Baby-Markt.de) beteiligt.

Nach einem guten Start ins laufende Geschäftsjahr rechne er 2010 mit weiteren Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis, sagte Haub. Der Chef des Familienunternehmens kündigte weitere Zukäufe an. Die Kriegskasse sei gut gefüllt, sagte er. Im vergangenen Jahr habe Tengelmann bereits rund 100 Millionen Euro in Zukäufe investiert.