Der Terminalhersteller Ingenico hat den Kartenzahlungsdienstleister easycash übernommen. Für den Marktführer im EC-Cash-Netzbetrieb wurden 290 Millionen Euro bezahlt. 

Zuletzt waren dem Vernehmen nach noch fünf Bieter im Rennen, nun ist es offiziell: Am Freitag wurde bekannt, dass Ingenico 100 Prozent der Anteile an easycash von dem internationalen Finanzinvestor Warburg Pincus erworben hat. Der Kaufpreis betrug 290 Millionen Euro.

Ingenico ist einer der führenden Anbieter von Kartenlesegeräten (POS-Terminals) für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. easycash ist der Marktführer im so genannten Netzbetrieb, der für die Akzeptanz von girocard-Zahlungen (ehemals EC-Karten) im Einzelhandel notwendig ist und - vereinfacht ausgedrückt - für den Datenaustausch und die Autorisierung der Zahlungen zwischen Händler und Kundenbank sorgt.

Kartenzahlungsverkehr für mehr als 82.000 Kunden

Easycash wickelt auf diese Weise den Kartenzahlungsverkehr für mehr als 82.000 Geschäftskunden ab, dazu gehören große deutsche Einzelhandelsunternehmen wie etwa die Metro oder Rewe. Die Menge der jährlichen Kartentransaktionen erhöhte sich in den zurückliegenden drei Jahren von 670 Millionen im Jahr 2006 auf mehr als eine Milliarde mit einem Wert von 55 Milliarden Euro pro Jahr .

"Mit Ingenico als neuem Eigentümer will easycash seine Wachstumsstrategie weiter verfolgen und seine Position im Markt für POS-Zahlungsdienste stärken", heißt es in einer Presseerklärung zur Übernahme. Das Unternehmen baut derzeit sein bestehendes Geschäft aus und erweitert es um zusätzliche Geschäftsbereiche wie etwa Kreditkartenacquiring und Credit Scoring.

"Für easycash ist das Zusammengehen mit Ingenico eine einzigartige Chance, von Ingenicos Reputation und internationaler Präsenz zu profitieren", kommentiert Siegfried Heimgärtner, CEO von easycash die Übernahme. "Damit können wir auf Kundenbedürfnisse jenseits der Grenzen Deutschlands eingehen und international expandieren."

Autorisierungszentrale für Aral-Tankstellen

Easycash autorisiert seit diesem Monat sämtliche Girocard-Zahlungen für die rund 2.500 Aral-Tankstellen in Deutschland. Der Aral-Mutterkonzern BP hat sich vom bisherige girocard-System (EC-Cash) der deutschen Banken verabschiedet und nutzt den Ratinger Zahlungsdienstleister als alleinige Autorisierungszentrale.

Ob eine Kartenzahlung an der Kasse einer Aral-Tankstelle mit einer PIN-Eingabe autorisiert werden muss oder ob zur Legitimation der Zahlung die Unterschrift des Inhabers für das kostenfreie elektronische Lastschriftverfahren ausreicht, entscheidet easycash.

Der Dienstleister übernimmt auch etwaige Inkassofälle und das Ausfallrisiko. Kartenzahlungen sind damit für BP günstiger und lassen sich darüber hinaus an der Kasse schneller abwickeln. Mineralölgesellschaften zahlen für garantierte Zahlungen im girocard-System der deutschen Kreditwirtschaft bislang 0,2 Prozent vom Kartenumsatz an Bankgebühren, Einzelhändler müssen 0,3 Prozent, mindestens aber 0,8 Cent, entrichten.

Lange Historie von Übernahmen und Zukäufen

Der Kauf von easycash durch die Ingenico unterliegt noch der Zustimmung der Regulierungsbehörden. Warburg Pincus hatte das Unternehmen 2006 übernommen, nachdem das Bundeskartellamt entschieden hatte, dass die beiden großen Konkurrenten  im EC-Cash-Netzbetrieb Telecash und easycash aus Wettbewerbsgründen nicht gemeinsam zur First Data gehören dürfen.

Easycash gehörte einst zur GZS, die wiederum von der Telechash-Mutter First Data geschluckt worden war. 120 Millionen Euro hatte First Data im Jahr 2006 für die GZS gezahlt. Der internationale Kartendienstleister und Zahlungsabwickler First Data international wiederum gehört zum Portfolio der Private Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis & Roberts (KKR).

Acquiring als neues Geschäftsfeld

Ursprünglich war easycash ein Datenverarbeiter für den Mannesmann-Konzern,  1997 wurde das Unternehmen von der Deutschen Bank übernommen und von dieser 2002 schließlich an die damalige Gesellschaft für Zahlungssysteme (GZS) verkauft.

Im Juli dieses Jahres übernahm easycash das deutsche Händlerportfolio von RBS WorldPay, dem deutschen Acquiring-Zweig der Royal Bank of Scotland, und will nun das Geschäftsfeld Acquiring deutlich ausbauen. Rund 7.000 Händlerverträge brachte die WordPay ein.