Karstadt bekommt einen neuen Verantwortlichen für den Bereich E-Commerce: Der Yahoo!-Manager Terry von Bibra soll den Warenhauskonzern in die Multichannel-Zukunft führen. 

Bei dem Karrierenetzwerk Xing ist es dieser Tage noch eindeutig, wo Terry von Bibra arbeitet: "2005 bis heute: VP Advertising Marketplaces Yahoo! Europe & Geschäftsführer Yahoo! Deutschland. Angestellter (Vollzeit), Direktor (Bereichsleiter)".

Doch Anfang der Woche sickerte durch, dass der Yahoo!-Manager, der seit 2005 das Deutschland-Geschäft des amerikanischen Internetkonzerns verantwortet, als E-Commerce-Chef zu Karstadt wechselt. Yahoo hat die Personalie inzwischen bestätigt - wenn auch schmallippig und widerwillig, weil der angeschlagene Essener Warenhauskonzern den Wechsel wohl etwas zu früh kommuniziert hat.

Von Bibra stammt aus einer deutschen Familie, wuchs in den USA auf und hat unter anderem Germanistik studiert. Er lebt seit rund 20 Jahren in Deutschland und hat von 1998 bis 2004 auch für den weltweit größten Onlinehändler Amazon gearbeitet, zuletzt als "European Head of Business Development / Senior Manager EU Online Marketing".

Zu tun hat der neue E-Commerce-Chef bei Karstadt allerhand. Denn der Warenhauskonzern ist zwar seit gut zehn Jahren online und hat seinen Webshop im vergangenen Jahr umgebaut – aber rund um das Thema Multichannel hapert es noch kräftig.  "Wir waren immer sehr stationär geprägt. Aber im Zuge unserer neuen Strategie, die wir bis 2015 umsetzen wollen, richten wir uns als Händler aus, bei dem die verschiedenen Verkaufskanäle ineinandergreifen", sagte der damalige Geschäftsführer von Karstadt.de, Michael Melzer, Mitte vergangenen Jahres zu Der Handel. Melzer ist im Übrigen inzwischen Deutschland-Geschäftsführer bei dem Büroartikel-Händler Staples.

Viel zu tun bei Karstadt.de

Im Juni 2012 startete der rundumerneuerte Onlineshop von Karstadt mit einem eingeschränkten Sortiment, das sich auf die Bereiche Mode, "Personality" (Kosmetik, Uhren, Schmuck und Accessoires), Living und Sports konzentriert. So richtig rund läuft das E-Commerce-Geschäft allerdings noch nicht: "Das Online-Geschäft wächst und spielt eine immer wichtigere Rolle", sagte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen kürzlich. "Solche Veränderungen sind immer Gefahr und Chance zugleich. Karstadt will die Chancen nutzen - und ja, hier kann sich das Unternehmen noch verbessern."

Denn obwohl der Webshop von Karstadt frisch und modern daher kommt, krankt auch er an dem angestaubten Image, das der Warenhauskonzern einfach nicht los wird. So hat der baldige E-Commerce-Chef von Bibra viel zu tun. Denn Karstadt auch Netz ein sexy Image zu verpassen dürfte, freundlich formuliert, eine Herausforderung werden.