Thalia ist konsequent: Der Buchhändler distanziert sich nicht nur vom Wettbewerb "Händler des Jahres" - er zieht auch Konsequenzen. Gleiches gilt für einen zweiten Träger des Preises.

Kurz vor Weihnachten wird der Webmaster, der für den Internetauftritt von Thalia verantwortlich ist, noch etwas Arbeit bekommen. Die Seite muss umgebaut werden. Noch leuchtet dort das Logo auf, mit dem die Buchhandelskette mit dem Titel "Händler des Jahres 2011" wirbt.

Spätestens seit gestern ist klar, dass dieser Wettbewerb von immer weniger Handelsunternehmen ernst genommen wird. Thalia werde auf Werbung mit dem Logo verzichten, wie das Unternehmen auf Anfrage von derhandel.de an diesem Dienstag mitteilt. Leider seien aber Werbemittel für Januar bereits gedruckt. Die entsprechende Bereinigung der eigenen Website sei aufgrund der technischen Prozesse erst in den nächsten Tagen durchzuführen.

Rund 800 Stimmen für Nanu Nana

Die Branche ist in Unruhe, seit sich der Einzelhandelsverband Deutschland (HDE) von dem Wettbewerb "Händler des Jahres" distanziert hat und die Zusammenarbeit mit dem holländischen Marktforschungsunternehmen Q&A aufgeben wird. Ebenfalls am Montag folgte dann der Textildiscounter Kik, der zuvor noch stolz mit seiner Auszeichnung "Textilhändler des Jahres 2011" geworben hatte.

Es ist seit gestern offenkundig, dass für die Unternehmen in den 24 verschiedenen Kategorien keineswegs 48.000 Verbraucher votiert haben, sondern dass diese Zahl nur der Gesamtmenge aller Teilnehmer darstellt. Denn für Thalia als Gesamtsieger stimmten 1.503 Verbraucher, für Kik als angeblich besten Herrenmodehändler gar nur 416 Kunden. Bauhaus bekam als Bester in der Kategorie Baumärkte 1.116 Stimmen, Nanu Nana hielten gerade einmal 868 Konsumenten für den besten Geschenkehändler. Nur 537 Verbraucher wählten Fielmann zum besten Optiker vor Apollo mit 416 Stimmen - mehr Unternehmen standen hier nicht zur Wahl.

Für Thalia ist es eine qualitative Bewertung

Thalia betont, dass das Unternehmen wusste, dass lediglich 1.503 Kunden für den Buchhändler votiert haben. "Wichtig ist jedoch, in Betracht zu ziehen, dass die Konzeption des Bewertungssystems, die hinter der Auszeichnung 'Händler des Jahres' steht, einen klaren Fokus auf eine qualitative und nicht auf eine quantitative Bewertung setzt", heißt es weiter. Schließlich seien die Kriterien gewesen: Preis-Leistungs-Verhältnis, Atmosphäre, Kundenfreundlichkeit Personal, Fachkundigkeit Personal, Service, Innovation, Sortiment, Aktionen und Angebote sowie Preisniveau.

Dass das Unternehmen mit diesem Ergebnis "Händler des Jahres" geworden ist, liege in der Konzeption des Bewertungssystems, welches Thalia für aussagekräftig gehalten habe, weil man den HDE als dessen Träger wusste. "Jetzt, wo der HDE sich distanziert, werden auch wir die Relevanz der Auszeichnung neu bewerten", lautet die Schlussfolgerung von Thalia.

"Handelsblatt" geht auch auf Distanz

Auch das "Handelsblatt", der Medienpartner des Preises, ist nach den Erkenntnissen über die Fragwürdigkeit des Wettbewerbes skeptisch. "Das Handelsblatt als Medienpartner wird deshalb prüfen, wie sinnvoll eine Weiterführung der Medienpartnerschaft in 2012 ohne den relevantesten Partner ist", teilte eine Verlagssprecherin auf Anfrage der Redaktion des TV-Magazins "Panorama" mit.

Für Reno sei seit dem Rückzug des HDE gleichfalls der Wert des Wettbewerbs in Frage gestellt, wie eine Unternehmenssprecherin derhandel.de sagte. Was das Unternehmen jetzt an Maßnahmen ergreifen werde, müsse noch besprochen werden.

Die Kette wurde "Schuhhändler des Jahres 2011" und konnte dabei die vergleichsweise stattliche Zahl von 2.389 Stimmen für sich gewinnen, wie aus den Unterlagen von Q&A hervorgeht, die derhandel.de vorliegen.