In guten wie in schlechten Zeiten ist der Heimtiermarkt lukrativ. Online ist aber noch deutlich Luft nach oben. Zooplus als „Europas führender Internethändler für Heimtierprodukte“ meldet gerade erst neue Rekordzahlen. Wer kann da noch mithalten?

31,6 Millionen Tiere leben in deutschen Haushalten. Bello & Co sind den Haltern also lieb - und vor allem teuer: Der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) meldet für 2016 einen um 0,9 Prozent gestiegenen  Gesamtumsatz von knapp 4,7 Milliarden Euro in Deutschland. 

Mit einem Umsatz von 790 Millionen Euro und einem Umsatzanteil von 81 Prozent blieb der Fachhandel auch im Jahr 2016 demnach der wichtigste Absatzweg für Bedarfsartikel und Zubehör, während sich der Lebensmitteleinzelhandel inklusive Drogeriemärkten und Discountern mit einem Anteil von 65 Prozent als der Hauptabsatzweg für Heimtier-Fertignahrung behauptet hat  (Umsatz 2.076 Millionen Euro.) Aber das Internet gewinnt selbstredend weiter an Bedeutung, auch wenn gemessen am Gesamtumsatz noch Luft nach oben ist: 2016 schätzt der IVH das Umsatzvolumen im Netz auf rund 510 Millionen Euro.

Der Markt rund ums Haustier
© IVH
Der Markt rund ums Haustier
Den Großteil davon dürfte Zooplus für sich verbuchen: „Europas führender Internethändler für Heimtierprodukte“, wie sich das Unternehmen selbst bezeichnet, konnte auch im Geschäftsjahr 2016 wieder deutlich zulegen. Die Umsatzerlöse des Konzerns erreichten vergangenes Jahr insgesamt 908,6 Millionen Euro, das entspricht einem Plus von 27,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 26 Prozent davon erzielte das börsennotierte Unternehmen in Deutschland, also rund 236 Millionen Euro.
Und in dem Tempo geht es weiter: Wie Zooplus heute mitteilte, konnte es „den Wachstumskurs im ersten Quartal 2017 erfolgreich fortsetzen und die Marktposition in Europa weiter stärken“. Mit 257 Millionen Euro legte der Umsatz um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zu. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen fest damit, mit "mindestens" 1,1 Milliarden Euro Umsatz die Milliarden-Grenze zu knacken. Bei Cornelius Patt, Vorstandsvorsitzender der Zooplus AG, klingt das so: „Wir setzen unseren erfolgreichen Wachstumskurs im laufenden Geschäftsjahr konsequent fort und liegen sowohl bei den Umsatzerlösen als auch dem Ergebnis auf Planniveau. Gleichzeitig schaffen wir mit dem Ausbau unseres europäischen Logistiknetzwerkes und einem deutlichen Aufbau zusätzlicher interner IT-Entwicklungskapazitäten die Basis für weiteres Wachstum und die Stärkung unserer marktführenden Position im Onlinehandel für Heimtierbedarf. Dies gilt insbesondere auch für den aufgrund der Brexit-Entscheidung weiterhin herausfordernden britischen Markt, dessen Bedeutung wir mit dem Aufbau eines lokalen Fulfillmentcenters in Birmingham betonen.“

Und was macht Fressnapf? Stationär ist der Heimtierversorger eine unangefochtene Macht: 2016 wurden insgesamt 1.378 Fressnapf- und Maxi-Zoo Märkte betrieben, davon 879 in Deutschland. Allein in diesem Jahr plant das Unternehmen rund 80 neue Standorte. In den kommenden fünf Jahren will die Fressnapf-Gruppe insgesamt mehr als 800 neue Märkte eröffnen

Doch online kommt das Franchise-Unternehmen aus Krefeld nicht so ganz in die Gänge, zumindest im Vergleich zur Konkurrenz. 2016 meldete Fressnapf zwar einen Online-Umsatz von 59 Millionen Euro und freute sich ausdrücklich über das Umsatzplus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber die Tierbedarfskette hat erst im Jahr 2009 einen Webshop eröffnet – zehn Jahre nach dem Onlinekonkurrenten Zooplus.

So sah er aus: der erste "Freßnapf"-Markt 1990 in Erkelenz, Nordrhein-Westfalen.
© Fressnapf
So sah er aus: der erste "Freßnapf"-Markt 1990 in Erkelenz, Nordrhein-Westfalen.
Dabei hatte Fressnapf schon früh eine Internetfiliale – allerdings zu früh, wie Chef Torsten Toeller bei der Vorstellung des Webshops 2009 unumwunden zugab. Damals legte er auch die Benchmark recht hoch: So gut wie Zooplus.de müsse der zweite Versuch des hauseigenen Shops schon mindestens werden. Gleichwohl hat der Internetkonkurrent sieben Jahre später hierzulande noch immer einen vierfach höheren Umsatz als Fressnapf.
Neben den großen Allroundern, zu denen unter anderem zooroyal.de von der Rewe Group gehört, finden sich auch viele kleine Spezialshops im Netz. Futalis.de bietet beispielsweise „maßgeschneidertes Futter für Hunde“ mit einer von Tierärzten entwickelten Rationsberechnung. Papageien-baeckerei.de versendet artgerechtes, gesundes Futter für Papageien und Sittiche. Bei Pferdefutter.de ist der Name Programm und Interaquaristik.de verspricht den Versand von mehr als 6.000 Artikeln, gut 200 Arten "Wirbellose", rund 200 Zierfischarten und vielen Amphibien für das Aquarium und für den Gartenteich.
Petsdeli.de-Gründer David Spanier
© Petsdeli.de
Petsdeli.de-Gründer David Spanier
Hunde- und Katzenbesitzer kamen unterdessen aufgrund der penetranten Onlinemarketingmaßnahmen im vergangenen Jahr nicht umhin, von petsdeli.de Kenntnis zu nehmen. Die Nahrung für Hunde und Katzen wird ohne tierische Nebenerzeugnisse, Zusätze, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe hergestellt. Hinter dem Onlineshop steht David Spanier, der im Januar 2014 das Ladengeschäft Pets Deli am Roseneck in Berlin-Grunewald eröffnete. Da ihm damals Herrchen und Frauchen die Bude einrannten – allein in den ersten beiden Monaten fanden mehr als 1.000 Kunden den Weg in das auf artgerechtes Tierfutter spezialisierte Geschäft – musste der Gründer schneller mit dem Aufbau eines Onlineshops reagieren als geplant.
Im vergangenen Frühjahr überzeugte Spanier dann sogar drei namhafte Geldgeber, mit einem zweistelligen Millionenbetrag bei dem Tierfutter-Startup einzusteigen: Index Ventures, Rocket Internet mit seinem Fonds Global Founders Capital und Project A. Nach „erfolgreicher Etablierung in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich, bringt das Unternehmen sein bewährtes Konzept nun auch in die Vereinigten Staaten“, meldete das Start-up Anfang März. Und seit April gibt es das gesunde Tierfutter auch deutschlandweit in mehr als 1.000 dm Drogerie-Märkten.

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