Man kann damit unter Wasser lesen und per Fingerdruck umlättern. Der neue E-Book-Reader Tolino wurde am Mittwoch vorgestellt. Zudem hat der Verbund Zuwachs bekommen, der den Druck auf Amazon erhöhen soll.

Zuweilen sind Worte überflüssig, wenn eine praktische Vorführung alles besser erklärt. Um zu beweisen, dass das neue Modell des E-Book-Readers Tolino wirklich wasserfest ist, schritt Gerd Robertz kurzerhand zu einer Blumenvase, nahm den Strauß Rosen heraus - und versenkte das Gerät im Wasser. Der Effekt: Das Gerät funktionierte trotzdem wie im trockenen Zustand.

Es war ein netter Showeffekt, den Robertz, eines der drei neuen Mitglieder der Geschäftsführung des Buchhandelsunternehmens Weltbild, sichtlich genoss. Überhaupt wirkten er sowie seine Kollegen selbstbewusst. Im März 2013 stellte der Kooperationsverbund aus den Buchhändlern Thalia, Weltbild, Hugendubel, Club Bertelsmann sowie der Deutschen Telekom als Technikpartner erstmals mit dem Tolino den E-Book-Reader des deutschen Buchhandels vor.

Ab November im Handel

An diesem Mittwoch, dem zweiten Tag der Frankfurter Buchmesse, präsentierte der Verbund gleich zwei neue Modelle: den Reader Tolino Vision 2 und den Tablet PC Tolino Tab 8. Während das Tablet auch für interaktives Lesen geeignet ist, wartet der Reader mit noch einer Besonderzeit auf: Er ist mit nur einer Hand leicht zu bedienen. Umblättern funktioniert per Fingerdruck auf der Rückseite des Gerätes. Reader und Tablet sollen ab November im Handel erhältlich sein.

Der Verbund untermauerte mit Zahlen, dass die deutsche Alternative mit dem Onlinegiganten Amazon mithalten kann, der 47 Prozent des deutschen Marktes mit elektronischen Büchern beherrscht. "Wir haben in den anderthalb Jahren 35 Prozent Marktanteil geschafft", sagte Nina Hugendubel, Chefin der gleichnamigen Buchhandelskette. Offenbar schätzen die Kunden das offene E-Book-System, der den Nutzern erlaubt, in jedem Onlineshop Literatur zu kaufen. Bei Amazon kann sich der Kunde nur in der Amazon-Welt bewegen.

Großhändler Libri verstärkt die Allianz

Und nun bekommt die Allianz noch einen starken Zugang: Der Buchgroßhändler Libri wurde am Mittwoch als neuer Kooperationspartner vorgestellt und rückt damit mittelfristig an die Stelle von Bertelsmann Club, der Ende 2015 geschlossen wird. Mit der Libri-Partnerschaft will der Tolino-Verbund das Versprechen nahekommen, dass ihr E-Book-System dem gesamten deutschen Buchhandel zur Verfügung stehen soll. Libri beliefert über 5.000 Buchhandlungen in Deutschland und dem bachnachbarten Ausland. 1.000 Läden bilden dabei ein Partnernetzwerk von Webshops, für die Libri die Shoptechnologie stellt. In sämtlichen dieser Onlineshops soll künftig die komplette Tolino-Produktpallette verfügbar sein.

Offenbar fürchtet die Allianz auch den aktuellen Vorstoß von Amazon nicht, der für 9,99 Euro im Monat eine Flatrate für E-Books anbietet. "Wir werden das beobachten", sagte Thalia-Chef Michael Busch, der aber auch betonte, dass so eine Flatrate keine Amazon-Erfindung ist. Beim Münchner Onlineanbieter Skoobe (rückwärts für Ebooks) kann man so ein Abo bereits seit 2012 buchen.

Erst Belgien, nun auch Italien

Der deutsche Buchhandel fühlt sich stark genug gegen Amazon. Zumal Tolino nun sogar Exportschlager werden soll. Seit Juli ist das System in Belgien präsent, ab November auch in Italien. Partner ist dort der größte Onlinebuchhändler des Landes, IBS.

Freilich fehlt der Allianz noch die völlige Akzeptanz im deutschen Buchhandel. "Ich bedauere, dass eine Kooperation mit der Gesamtbranche noch nicht zustande gekommen ist. Ich hielte das nach wie vor für sinnvoll", sagte Michael Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, der "Süddeutschen Zeitung".

Vielleicht hilft ja Libri bei der kompletten Marktdurchdringung von Tolino, der beim Verkauf im Vergleich zu Amazon leicht aufgeholt hat. Laut GfK war der Anteil der deutschen Alternative am E-Reader-Markt 12 Prozent, im Juli lag dieser Wert bereits bei 17 Prozent. Der Amazon-Kindl lag bei 47 Prozent. Demnach nutzen bis zu diesem Monat 1,1 Millionen Deutsche einen Tolino - aber 3,1 Millionen einen Amazon Kindle, das Lesegerät des großen Konkurrenten.

Interessant wird sein, wie die Zahlen nach dem Weihnachtsgeschäft aussehen. Vielleicht greifen noch mehr Kunden zur deutschen Alternative - zumal diese wasserdicht ist.

Steffen Gerth, Frankfurt