Zum ersten Mal sinkt der Anteil des Girocard-/Electronic-Cash-Systems am Gesamtumsatz an den Ladenkassen. Auftrieb erfährt hingegen ein bereits totgeglaubtes Zahlungssystem.

Die Regulierung der Interchange-Gebühren hat tatsächlich etwas bewirkt – die Kunden in Deutschland bezahlen öfter mit Kreditkarte. Der Anteil des Girocard-/Electronic-Cash-Systems hingegen ist zum ersten Mal seit Einführung des Systems vor 25 Jahren gesunken.

Das ist ein Ergebnis der aktuellen Studie "Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel", die das EHI Retail Institute nunvorgestellt hat. Der Kartenumsatz insgesamt hat sich um 7,4 Milliarden Euro auf 177,8 Milliarden erhöht, das sind rund 44,5 Prozent des Gesamtumsatzes.

Provisionen deutlich gesunken

Zwar ist das Debitsystem der Deutschen Kreditwirtschaft laut EHI mit 23,2 Prozent Anteil am Zahlungsverkehr an den Einzelhandelskassen immer noch Marktführer; doch das sind 0,5 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Und das, obwohl der mittlere Provisionssatz nach den Berechnungen des Forschungsinstituts für die Händler nur noch bei 0,197 Prozent liegt – deutlich unter den alten Monopolgebühren von 0,3 Prozent.

Totgesagte leben länger

Zugleich gewinnt das von vielen bereits abgeschriebene Elektronische Lastschrift-Verfahren (ELV) an Popularität. 77,7 Prozent aller großen Handelsunternehmen setzen auf dieses Verfahren, als Ergänzung des Electronic-Cash-/Girocard-Systems. Der Anteil dieses Bezahlverfahrens kletterte um 0,8 Prozentpunkte auf 14,2 Prozent am gesamten Umsatz.

Während der Marktführer Anteile verliert, geht es für die Kreditkartenbranche aufwärts: Die Umsätze dieser Karte seien "signifikant" angestiegen auf 22,9 Milliarden Euro, berichteten die Forscher des EHI. Das entspricht einem Gesamtumsatzanteil von 5,7 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 5,3 Prozent. Der Grund: Nach der EU-weiten Deckelung der Interchange-Gebühren auf 0,3 Prozent für Kredit- und 0,2 Prozent für Debit-Karten akzeptieren immer mehr große Discounter und Händler flächendeckend Kreditkarten. "Wir gehen davon aus, dass sich dieser Effekt im laufenden Jahr weiter verstärken wird", sagte Horst Rüter, Zahlungsexperte beim EHI. Das Institut schätzt, dass der Anteil auf 6,2 Prozent wachsen wird.

Die Gesamtprovision für die Akzeptanz von Kreditkarten liege bei großen Unternehmen derzeit bei 0,6 bis 1,0 Prozent und damit um knapp die Hälfte unter der Belastung vor Regulierung.

Bargeld immer noch am beliebtesten

Nach wie vor zahlen die Kunden jedoch immer noch am liebsten mit Bargeld: Der Bargeld-Anteil an der Kasse liegt immer noch bei 52,4 Prozent; das sind aber 0,9 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Übrigens: Unter den 489 befragten Unternehmen mit 80.000 Betrieben aus 35 Handelsbranchen sprach sich die Mehrheit für eine Auslistung der 1 und 2-Cent-Münzen aus. Die Kosten der Geldversorung fielen geringer aus, der Bezahlvorgang an der Kasse gehe schneller und der Verwaltungsaufwand schrumpfe. Die Abschaffungsgegner hingegen fürchten wenig Verständnis beim Kunden und Preisumgestaltungen.

Weitere Details zur Studie finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe von Der Handel, die am 9. Mai erscheint.