Er hatte einen schweren Start: Unmittelbar nachdem der neue Kompaktvan im vergangenen Herbst auf den Markt kam, brach bei Volkswagen der Dieselskandal los. Der attraktiver ausschauende Alltagspraktiker dominiert das Fahrzeugsegment dennoch nach Belieben.

Als Volkswagen im vergangenen September die zweite Generation des Kompaktvans Touran in den Handel brachte, war die Wolfsburger Welt, zumindest nach außen hin, noch in Takt. Nur Tage später wurde der Dieselskandal ruchbar – und seither ist in dem norddeutschen Markenkonglomerat nichts mehr so wie es war.

Auch mehr als ein dreiviertel Jahr später kämpfen Konzernchef Matthias Müller und praktisch die gesamte Belegschaft mit den Folgen der Manipulation an den Dieselmotoren. Der Großteil der betroffenen Fahrzeuge ist noch immer nicht umgerüstet, auf vertrauensbildende Maßnahmen warten die Kunden, vor allem in Europa, bislang vergebens und die finanziellen Folgen für den Konzern und die Anleger sind längst noch nicht abzusehen.

35,4 Prozent Marktanteil bei den Großraumvans

Der Touran fährt von all dem ungerührt in der Erfolgsspur. Mehr als 22.000 Käufer entschieden sich in den ersten fünf Monaten des Jahres für den geräumigen Praktiker, plus 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit liegt der Marktanteil im Segment der Großraumvans bei stolzen 35,4 Prozent. Jeder dritte in Deutschland zugelassene Van ist ein Touran.

Nicht einmal der Branchenführer VW Golf (29,7 Prozent Marktanteil in der Kompaktklasse) dominiert seine direkte Konkurrenz derart eindeutig. Dass das Genre der großen Vans aber insgesamt rückläufig ist (minus 5,7 Prozent), weil die Käufer immer mehr SUV ordern, kann auch der Touran nicht verhindern.

Praktische Tugenden sind geblieben

Die erhöhte Kundennachfrage dürfte vor allem auf das geänderte Design zurückzuführen sein. War die erste, von 2003 bis 2015 produzierte Version noch auffallend kastenförmig, so kommt der Wagen nun deutlich gefälliger daher, und dürfte so manchen Dienstwagenfahrer überzeugen, der im Privatleben aktuell mit dem Transport von Kind und Kegel beschäftigt ist. Die praktischen Tugenden und das immense Platzangebot hat die Neuauflage schließlich komplett vom Vorgänger übernommen.

Mehr noch: Weil die Karosse um 13 Zentimeter zulegte, genießen Mitfahrer und Frachtgut nochmals bessere Raumverhältnisse. Mit einem Kofferraumvolumen von 743 bis 1.980 Liter überbietet der Touran dabei auch locker den Fuhrparkklassiker Passat und empfiehlt sich so für den Außendienst.

Sachlich und aufgeräumt – die Marke bleibt sich treu

Foto: Volkswagen
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Im Innenraum geht es markentypisch sachlich und aufgeräumt zu. Instrumente, Bedienhebel, Ablagen – alles ist am richtigen Platz und stellt den Nutzer vor keine Herausforderungen. Zu den besten Angeboten in der gesamten Szene zählt das Navigationssystem mit großem, berührungsempfindlichem Bildschirm und klarer Menüführung. Allerdings ruft der Hersteller dafür 2.515 Euro auf.

Wie das fassungskräftige Auto überhaupt zur stattlichen Investition werden kann. Wer sich für den empfehlenswerten Top-Diesel mit 140 kW/190 PS samt Doppelkupplungsgetriebe (DSG) und „Highline“-Ausstattung entscheidet, muss mindestens 37.150 Euro investieren – und dann beginnt erst die Auswahl in der Optionsliste mit praktisch allen Assistenzsystemen, die das Konzernregal zu bieten hat.

Unter dem Grenzwert

Sorgen um die Abgaswerte brauchen sich Fuhrparkverantwortliche bei den jetzt verbauten Euro-6-Motoren übrigens nicht zu machen. Das hat zumindest der ADAC ermittelt. Sowohl nach dem derzeit noch gültigen Verbrauchszyklus NEFZ als auch nach der künftigen Messmethode (WLTP), die 2017 eingeführt werden soll, blieb der Touran in der Ausführung mit 110 kW/150 PS dank Abgasnachbehandlung mit Harnstoffeinspritzung unter dem gesetzlich festgelegten Stickstoffdioxid-Grenzwert von 80 Gramm.

Der durchschnittliche Kraftstoffkonsum des stärksten Selbstzünders lag im Test von Der Handel bei 6,3 Litern, was allerdings erheblich vom angegebenen Laborwert (4,6 Liter) abweicht. Ohne Terminstress sind aber auch Verbrauchswerte um die 5,5 Liter erreichbar.

Bernd Nusser