Eine siebensitzige Van-Version und ein sogenannter Plug-in, der 25 Kilometer rein elektrisch fahren kann, sollen den Absatzzahlen des Toyota Prius in Deutschland neuen Schub geben.

Mercedes-Benz, BMW, Audi und sogar Porsche. Die deutsche Automobilelite hat nach medialer Schelte in den letzten Jahren eilfertig Hybridmodelle auf die Räder gestellt. Doch die Verkaufszahlen von Hybrid-Fahrzeugen sind in Deutschland, vorsichtig ausgedrückt, bescheiden. Lediglich rund 12.000 der fast 3,2 Millionen im vergangenen Jahr zugelassenen Pkw-Modelle hatte nach den Zahlen der Marktforscher von Jato Dynamics die Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor unter dem Blech.

Dabei sorgt Hybrid-Pionier Toyota inklusive seiner Nobelmarke Lexus noch für den Löwenanteil des Absatzes. Sechs Modelle bietet der japanische Importeur hierzulande an - allen voran der Prius, der mit nur 2.029 Zulassungen (minus 41,7 Prozent) 2011 allerdings auch ein Waterloo erlebte und im Januar 2012 lediglich 86 (!) Käufer fand. Der Aufbruch in eine zukunftsträchtige Technologie sieht anders aus und nach 15 Jahren harter Aufbauarbeit müsste der asiatische Vorreiter eigentlich frustriert aussteigen.

Halbe Million Prius pro Jahr

Doch Deutschland ist nicht der Nabel der Welt. In seinem Heimatland beispielsweise ist der Prius auch in der aktuell dritten Generation ein Verkaufsschlager. 45.000 Einheiten produziert Toyota - im Monat, jährlich mehr als eine halbe Million und insgesamt sind bereits mehr als 3,5 Millionen Fahrzeuge mit dem Benzin/Elektro-Antrieb unterwegs.

Aus diesen Zahlen schöpfen die Manager in der Importeurszentrale in Köln-Marsdorf den Mut, das vor allem im Kurzstreckenverkehr Kraftstoff sparende Konzept weiter zu preisen. Vor allem sollen aber drei aktuelle Neuerungen dem Prius auch zwischen Flensburg und Füssen zum Durchbruch verhelfen: Zunächst erhält der vielfach als „zu bieder" gebrandmarkte Viertürer mit der großen Heckklappe im Frühjahr ein Facelift, gleich darauf erscheint im Juni der Prius+, der erste siebensitzige Van mit Hybrid, und im September folgt der Prius Plug-in, dessen Lithium-Ionen-Batterien an der Steckdose aufgeladen werden können.

Prius+ wird 73 Zentimeter länger

Für den Flotteneinsatz hat der Prius in der Regel einen gravierenden Nachteil: Er ist zu klein für den vielschichtigen, beruflichen Einsatz. Das ändert sich mit der neuen Version, den das "+" steht für gleich 73 Zentimeter mehr Länge. Auch dank der Neupositionierung der Batterie aus dem Kofferraum unter die Mittelarmlehne, wächst der Stauraum auf beachtliche 500 Liter Volumen.

Für das bekannte Zusammenspiel des 1,8-Liter-Benziners mit dem E-Motor verspricht Toyota einen Kleinwagenverbrauchswert von 4,3 Litern, was einem CO-2-Ausstoß von 99 g/km entspricht.

25 Kilometer rein elektrisch

Noch sparsamer soll der Prius Plug-in werden. „Hier kombinieren wir das Beste aus zwei Welten", verkündet Toyota-Sprecher Henning Meyer. Auf kurzen Distanzen kann der Wagen rein elektrisch fahren, nach rund 25 Kilometern übernimmt der Verbrennungsmotor in Kombination mit der elektrischen Einheit und sorgt für eine Gesamtreichweite von rund 1.000 Kilometer.

Dabei lässt sich die Batterie während der Fahrt durch Bremsenergierückgewinnung jeweils wieder nachladen, was die Reichweite im Elektromodus erhöht und natürlich den Benzinkonsum stark beeinflusst. In einem Feldversuch ermittelte Toyota Verbrauchswerte im Zwei-Liter-Bereich. Im Hybridbetrieb sei „eine 4 vor dem Komma" zu erwarten. Die Ladezeit an der Steckdose soll 90 Minuten betragen. Der Preis für das 100 kW/136 PS starke Auto liegt bei rund 36.000 Euro.

Erster Kleinwagen mit Hybrid

Auch den ersten Kleinwagen mit Hybridmotor haben die Japaner im Köcher. Für den Yaris Hybrid, der ebenfalls in diesem Jahr eingeführt wird, wurde die gesamte Antriebseinheit geschrumpft und abgespeckt. Das System leistet 74 kW/100 PS, die kompakte Batterie fand unter der Rückbank Platz, sodass der Innenraum nicht eingeschränkt wird.

Van, Plug-in, Kleinwagen, die Hybride mausern sich. Vielleicht entdecken die deutschen Kunden die Technik ja doch noch für sich. Und wenn nicht, fühlt sich Toyota trotzdem für die Zukunft gerüstet. In den USA startet gerade das Leasingangebot eines rein elektrisch betriebenen iQ und für 2015 versprechen die Japaner ein Serienmodell mit Brennstoffzellenantrieb.

Bernd Nusser