Der japanische Automobil-Hersteller Toyota kündigt für das nächste Jahr eine Produktoffensive an. Der Kleinwagen Yaris macht den Anfang.

2009 Finanzkrise, 2010 Rückrufaktionen, 2011 Fukushima-Katastrophe - Toyota-Händler hatten zuletzt einen schweren Stand. Jetzt soll es endlich wieder aufwärts gehen. Die japanischen Werke haben nach dem Natur- und Nuklear-Desaster im März die Produktion längst wieder aufgenommen und auch an den europäischen Standorten laufen die Bänder auf Hochtouren, um die Produktionsausfälle halbwegs zu kompensieren. "Im April und Mai haben wir noch in ein schwarzes Loch geblickt", verdeutlicht Deutschland-Vizepräsident Ulrich Selzer gegenüber der Online-Ausgabe des  Branchenblattes "Kfz-Betrieb".

Mittlerweile geht der Manager für den deutschen Markt aber von lediglich "5.000 bis 10.000" Einheiten aus, die in der ursprünglichen Jahresplanung fehlen. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen und verdienen auch in diesem Jahr Geld. Das zeigt die Substanz des Unternehmens", ergänzt Firmensprecher Henning Meyer im Gespräch mit Der Handel.

Mittelfristig wieder 100.000 Zulassungen angepeilt

Auf rund 80.000 Zulassungen will die Importeurszentrale in Köln-Marsdorf im laufenden Jahr noch kommen. Bis Ende August fanden sich exakt 52.442 Toyota-Käufer - immerhin ein Plus von 8,2 Prozent gegenüber 2010. Der Marktanteil schrumpfte allerdings auf 2,5 Prozent. "Da ist noch Potenzial", erklärt Meyer mit japanischer Zurückhaltung: "Mittelfristig peilen wir wieder 100.000 Verkäufe an."

Das könnte sogar schon 2012 gelingen, denn der mittlerweile durch den amerikanischen General Motors-Konzern wieder abgelöste Weltmarktführer kündigt eine Produktoffensive an. Gleich im Januar soll der überarbeitete Avensis das Firmenkundengeschäft beleben. Das wichtigste Flottenmodell der Marke erhält optische Retuschen, neue Sitze, hochwertigere Innenraummaterialien, ein modernes Navigationsgerät und der 2,0-Liter-Dieselantrieb emittiert künftig weniger als 120 g/km Kohlendioxid. Ein Wert, der in immer mehr Flotten zur Vorgabe wird.

Grünes Profil soll weiter geschärft werden

Danach spielt der Hybrid-Pionier seine Umwelt-Trümpfe weiter aus. In rascher Folge erscheinen unter anderem der modellgepflegte Prius, der Prius plus als Siebensitzer, der Prius plug-in, dessen Lithium-Ionen-Batterie dann zusätzlich an der Steckdose aufgeladen werden kann, der Kleinwagen Yaris mit der Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor und der noble Lexus GS Hybrid.

„Wir wollen unser Profil als grüne Marke weiter schärfen, dabei aber auch verdeutlichen, dass es Spaß macht, unsere Fahrzeuge zu fahren", meint Meyer und fügt an: „Der Hybridantrieb gewinnt auch in den Fuhrparks immer mehr an Bedeutung."

Dritte Yaris-Generation startet am 15. Oktober

Dabei bleiben die Japaner konsequent beim Zusammenspiel von Benziner und Elektro-Einheit. Ein Diesel-Hybrid, wie ihn jetzt der französische Hersteller Peugeot präsentiert (die Vorstellung des 3008 "Hybrid 4" lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Der Handel, die am 5. Oktober erscheint), ist zumindest im Pkw-Bereich nicht geplant.

Um das Verkaufsvolumen wie erhofft zu steigern, setzt Toyota zunächst aber auf die dritte Generation des Yaris, die vom 15. Oktober an bei den rund 650 deutschen Händlern steht. Der Polo-Gegner ist hierzulande das meisterverkaufte Fahrzeug der Japaner und soll 2012 mindestens 27.000 Käufer finden.

Auf Wunsch Internet an Bord

Clou des wendigen 3,89-Meter-Wägelchens ist das neue Navigationssystem mit Rückfahrkamera, das in Verbindung mit einem Smartphone auch Internetdienste anbieten kann. Eine Option, die ansonsten lediglich in der gehobenen Mittelklasse zu finden ist. User Chooser dürfte vor allem die beachtliche Restwertprognose von 49,5 Prozent nach drei Jahren Vertragszeit und 60.000 Kilometern Laufleistung interessieren.

Die Preisliste für den Yaris beginnt unverändert bei 11.675 Euro. Für den 1,4-Liter-Diesel (66 kW/90 PS) werden mindestens 16.330 Euro fällig.

Bernd Nusser