Der japanische Automobilbauer will sich verstärkt um die gewerbliche Kundschaft bemühen. Hoffnungsträger ist der neue Kastenwagen Proace aus der Gemeinschaftsarbeit mit den französischen PSA-Marken Citroen und Peugeot.

Mercedes-Benz, MAN, Scania, DAF – in diese illustre Ausstellerliste etablierter Lastwagenhersteller reiht sich nun erstmals Toyota ein, wenn Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am 22. September die diesjährige IAA Nutzfahrzeuge offiziell eröffnet. Zur ihrer Messepremiere in Hannover bringen die Japaner, die ihren Stand freilich nicht neben den ganz großen "Brummis" sondern in Halle 13 in der Nachbarschaft der Kooperationspartner und direkten Wettbewerber aufbauen, nämlich einen neuen Hoffnungsträger mit. Der stammt zwar vorzugsweise aus dem französischen PSA-Konzern, soll nun aber den Asiaten helfen, einen für sie quasi neuen Geschäftszweig besser zu erschließen.

Zwar versucht sich Toyota mit dem Proace bereits seit drei Jahren auf dem weiten Feld der leichten Transporter. Doch der Weltkonzern stieg 2013 nur in die laufende Produktion von Citroen Jumpy und Peugeot Expert ein und versah sein Angebot aus der damals neu geschmiedeten Allianz folglich auch lediglich mit dem eigenen Firmenlogo. Das funktionierte mit überschaubarem Erfolg: "Wir haben bislang pro Jahr rund 700 Fahrzeuge abgesetzt", verrät Claus Keller, Produktverantwortlicher beim Deutschlandimporteur mit Sitz in Köln-Marsdorf. Im Transportgewerbe ist der Weltkonzern also noch ein kleines Licht.

Französisch-japanisches Gemeinschaftswerk

Bei der Entwicklung des neuen Modells hatten die Toyota-Ingenieure nun aber schon ein Wörtchen mitzureden und brachten ihre Vorstellungen und Wünsche in das französisch-japanische Gemeinschaftswerk ein. Herausgekommen ist auf jeden Fall ein solider, komapkter und daher leicht zu dirigierender Stadtlieferwagen, wie sich auf ersten Testkilometern zeigte.

Die umfangreiche Dieselangebotspalette mit fünf Leistungsstufen von 70 kW/90 PS bis 130 kW/177 PS (die freilich komplett aus Paris stammt), das komfortable Fahrwerk und die zahlreichen Sicherheitsausstattungen aus dem Pkw-Bereich zählen ebenso zu den Stärken des neuen, ohne Mehrwertsteuer mindestens 20.900 Euro teuren Kastenwagens, wie seine Variabilität.

Drei Fahrzeuglängen mit bis zu 6,6 Kubikmeter Ladevolumen

Schließlich stehen drei Fahrzeuglängen mit 4,60, 4,95 und 5,30 Meter zur Wahl. Mit 1,90 Meter Höhe ist der Proace auch für die Einfahrt in öffentliche Parkhäuser geeignet. Die Ladekapazitäten liegen je nach Ausführung zwischen 4,6 und 6,6 Kubikmeter, die Anhängelast ist von der Motorisierung abhängig und reicht bis zu 2.500 Kilogramm. Im Führerhaus finden neben dem Fahrer zwei Kollegen recht kommod Platz und der Beifahrersitz kann so geschickt nach oben geklappt werden, dass der Fußraum im Bedarfsfall weitere 500 Liter Stauraum und das Durchladen langer Gegenstände ermöglicht.

Dazu gibt es wahlweise einen komplett verblechten oder verglasten Kastenaufbau und auch einen Personentransporter mit bis zu neun Sitzplätzen. Spezialanbieter, wie Kühlfrahrzeughersteller, können auf einem Fahrgestell aufbauen.

Pkw-Variante wird zum rollenden Büro

Wer noch bequemer Reisen möchte, greift zum Modell Proace Verso, der Pkw-Variante des Raumwunders, die mit allerlei vornehmen Zutaten wie Lederpolsterung und Head-up-Display zum eleganten Multivan oder rollenden Büro mit Konferenzbestuhlung für rund 53.000 Euro (in diesem Fall dann immerhin inklusive Mehrwertsteuer) aufgerüstet werden kann.

Einsparpotenzial verspricht der Hersteller bei den Kraftstoffkosten mit Normverbrauchswerten im Fünf-Liter-Bereich und angesichts der langen Wartungsintervalle (40.000 Kilometer oder alle zwei Jahre).

Herausforderung für die Händler

Mit dem Personenwagen Verso sind die bevorzugt auf Privatkunden spezialisierten rund 450 bundesdeutschen Toyota-Händler sicher bestens vertraut. Zur Herausforderung dürfte eher die professionelle Beratung und Betreuung von gewerblichen Nutzern werden. Das soll bevorzugt über die derzeit 50 sogenannten Geschäftskundencenter abgewickelt werden, aber auch alle anderen Vertriebspartner dürfen und sollen den Transporter verkaufen.

 "Wir haben in vier Wochen 900 Mitarbeiter geschult", umreißt Claus Keller die aufwendigen Vorbereitungsmaßnahmen auf den nahenden Verkaufsstart am 17. September. Schließlich möchte der eigens engagierte Experte die Verkaufszahlen mit dem neuen Proace nun glatt verdoppeln und mittelfristig auch etablierten Kontrahenten wie dem Volkswagen Transporter oder dem Ford Transit Custom Marktanteile abjagen.

Einen ausführlichen Ausblick auf die IAA Nutzfahrzeuge finden Sie in der September-Ausgabe von Der Handel, die am 5. September erscheint. Zum Probeabo geht es hier.

Bernd Nusser