TransFair-Chef Dieter Overath über die Zurückhaltung deutscher Händler in Sachen Fairtrade und die Kreativität der Discounter.

TransFair-Chef Dieter Overath möchte mehr fair gehandelte Produkte im Handel. (Foto: TransFair)
TransFair-Chef Dieter Overath möchte mehr fair gehandelte Produkte im Handel. (Foto: TransFair)
Sie appellieren an die deutschen Händler, mehr fair gehandelte Produkte ins Sortiment aufzunehmen - wie es europäische Kollegen bereits vormachen. Was sind die Gründe für diese Zurückhaltung?

Auf ein Auto übertragen würde ich sagen: Viele Händler wollen zwar bei ihrer Fairtrade-Strategie in den nächsten Gang hochschalten, doch es gibt immer jemanden in den Handelszentralen, der die Handbremse zieht. Ich denke, das hängt mit der Angst zusammen, etwas Neues auszuprobieren. Natürlich ist die Umstellung eines Teils des Sortiments auf Fairtrade mit gewissen Risiken verbunden. Andererseits zeigen Beispiele wie etwa der erfolgreiche Blumenverkauf bei Rewe, dass diese Strategie Zusatzumsätze generieren kann, ja sogar neue Kunden bringt. Viele Händler haben einfach nicht den Mut dazu.

Discounter wie Lidl, Penny und neuerdings Aldi sind da viel aktiver als Vollsortimenter. Warum ist das so?
Die Innovationsfreudigkeit und die Kreativität in Sachen Fairtrade sind bei den Discountern höher als bei den Vollsortimentern - obwohl es vom Prinzip her umgekehrt sein müsste. Sie wagen es, auch innovative Produkte wie zertifizierte Honigpops oder Sesamtaler ins Regal zu stellen. Aldi-Süd hat zwar bislang nur Fairtrade-Kaffee-Produkte im Aktionsgeschäft angeboten, doch das Unternehmen hat jetzt einen Lizenzvertrag unterschrieben und testet eine Sorte.

Ende September ging die diesjährige "Faire Woche" zu Ende. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Die Faire Woche hat sich mittlerweile im Handel etabliert. Auch dieses Jahr wurden wieder viele Hunderte Verkostungen angeboten und Fairtrade-Produkte in insgesamt 36 Millionen Handzetteln beworben. Auch die Medienresonanz war wieder hervorragend. Insgesamt ist das eine sehr schöne Sache, die wir ausbauen werden - und zwar mit einer Frühstücksaktion im Frühjahr.

Interview: Marcelo Crescenti

Das Interview ist in der Oktober-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Hier geht es zur Bestellung eines Probehefts.