Für den besten Freund des Menschen geben die Deutschen viel Geld aus. Deshalb sind derzeit Angebote wie Preise für Hundebedarf grenzenlos.

Lackschühchen, Hochzeitskleider und Wintermäntel für den Hund - passt das überhaupt zusammen? Der Vierbeiner ist schon lange das liebste Kind vieler Deutsche. Für Bello & Co. wird aber auch immer mehr Geld ausgegeben - und das für teuren Schnickschnack, der nicht immer artgerecht sein muss.

Das Geschäft mit der Tierliebe ist lukrativ und das Angebot schier grenzenlos. In immer mehr Großstädten gibt es edle Hundeboutiquen - und auch im Internet und auf Hundemessen sind Accessoires vom Halsband mit Swarovski-Steinen bis hin zum Schwimmdress oder der Hunde-Luxus Lounge im Rosendekor zu finden.

Trend zum Dritthalsband

"Der Trend geht zum Zweit- und Dritthalsband, für jeden Wochentag etwas Passendes", berichtet Monika Knut von der Düsseldorfer Boutique "Hundestolz". Den Boom der Hundeartikel erklärt sie auch mit den zunehmenden Single-Haushalten.

2004 war sie nach eigenen Angaben die erste in Deutschland, die einen solchen Edelladen öffnete. Die Geschäftsidee kam der 53-Jährigen, als sie vor Jahren für den eigenen Hund etwas beim Tierartikeldiscounter Fressnapf suchte: "Da sagte ich mir, das kann man auch schöner anbieten." Wichtig sei auch die Beratung.

Foto: Sybille Wilhelm
Foto: Sybille Wilhelm

Zum Kostüm die passende Hundeleine

Der Trend zum Luxus für das heiß geliebte Haustier kommt aus den USA und Japan. "Dort flechten Hundebesitzer ihren Lieblingen auch Zöpfchen oder färben das Fell je nach Moderichtung", sagt Ladenbesitzerin Knut. In New York gibt es jedes Jahr eine große Hundemodenschau, die Pet Fashion Week.

Auch Monika Knut berichtet von Kunden, die ihre Tiere nach dem eigenen Outfit ausstatten. "Zum pinkfarbenen Kostüm die farblich passende Hundeleine." Manche haben zu Hause spezielle Kleiderschränke für die Klamotten ihrer Hunde.

Hunde-Schlafplatz für 13.000 Euro

Edle Hundeboutiquen von Koko von Knebel ("every dog is a star!") gibt es in Kiel, Hamburg, Berlin, Westerland auf Sylt und im spanischen Marbella. "Unsere Kunden sind aber nicht nur die oberen Zehntausend, sondern auch Oma Müller mit ihrem Pudel", betont die gleichnamige Eigentümerin. Ihr Klientel komme außerdem aus Saudi-Arabien, Agypten, Indien und den USA.

Hundenäpfe aus feinstem Porzellan mit Belle Epoque-Design - auch zum Sammeln - gehen hier für rund 100 Euro über den Ladentisch. Richtig teuer: Ein Hundebett mit Swarovski-Steinen für 13 000 Euro.

Mit Obama im Hundebett

Auch beliebt: Das Obama-Paket mit Bett, Decke und Fressnäpfen in US- Farben - Barack Obama hat einen portugiesischen Wasserhund. "Das sind durchaus Wertanlagen", ist von Knebel überzeugt.

Die gebürtige Kielerin vertreibt Hundeaccessoirs nicht nur in den eigenen Läden, sondern auch im Internet - und beliefert weltwelt Kinderboutiquen, Kauf- und Modehäuser. "Angefangen haben wir mit etwa 200 Artikeln mittlerweile sind es mehr als 10 000, darunter auch viele der eigenen Marke Koko von Knebel."

Fünf Millionen Hunde in Deutschland

Etwa fünf Millionen Hunde gibt es derzeit zwischen Flensburg und Konstanz, schätzt der Verband für das Deutsche Hundewesen. Rund 5 Milliarden Euro werden jährlich für Anschaffung, Nahrung, Tierarzt und Zubehör ausgegeben.

"Luxus ist dabei ein Thema. Wenn man mit dem Hund schön shoppen gehen will, soll er auch ein schönes Halsband tragen", sagt Sprecher Udo Kopernik. Deutschland sei bei den Ausgaben für den Vierbeiner europaweit führend.

Kritik vom Tierschutzbund

"Ob Nagellack, Wintermäntel oder Leibchen, da gibt es die grausamsten Sachen", kritisiert Steffen Beuys vom Deutschen Tierschutzbund. "Viele dieser Produkte befriedigen eher die Eitelkeiten der zweibeinigen Besitzer und berücksichtigen nicht die arteigenen Bedürfnisse der Tiere."
 
Das Wohl der Tiere sollte im Mittelpunkt stehen. Nach Ansicht der Hundeboutiquebesitzerin von Knebel macht aber eine Sonnenbrille für den Hund beim Cabriofahren durchaus Sinn, um ihn vor Bindehautentzündungen zu schützen - "und Hundeschutzschuhe für den heißen Asphalt in Dubai ebenso."

Maren Martell, dpa