So langsam spüren die Karstadt-Mitarbeiter, was mit Triton auf sie zukommt. Der Investor hat der Belegschaft per Brief mitgeteilt, was er vom Unternehmen hält. Scharfe Kritik kommt vom Karstadt-Betriebsrat.

Hellmut Patzelt ist erbost. Der Chef des Karstadt-Gesamtbetriebsrats hält das Kaufangebot des Finanzinvestors Triton für "höchst unmoralisch". Sein Gremium hatte am Montag der Belegschaft mitgeteilt, dass Triton "4.000 bis 5.000 Arbeitsplätze" vernichten wolle, meldet die Nachrichtenagentur Reuters auf ihrer Internetseite.

Der Gesamtbetriebsrat vermutet, dass Triton die verschiedenen Bereiche von Karstadt (Warenhäuser, Gastronomie, Sporthäuser) in eigenständige Einheiten überführen wolle - mit der Absicht, profitable Segmente zu verkaufen, sollte die Konzernsanierung misslingen. Der Betriebsrat kündigte Gespräche mit dem Investor an. Zudem seien in vielen Filialen Betriebsversammlungen geplant.

Vor Ort herrscht meist Ratlosigkeit über die Zukunft. So sagte der Geschäftsführer der Gießener Filiale Lothar Schmidt der Zeitung "Gießener Anzeiger", dass er bisher noch keine Informationen aus der Essener Unternehmenszentrale besitze.

Triton kritisiert Vergütungs- und Arbeitszeitregelungen

Am Montagabend hatte sich auch Triton per Brief an die Karstadt-Mitarbeiter gewandt. Das Schreiben der Triton Beteiligungsberatung GmbH (Frankfurt) wurde demnach auf der Intranetseite des Warenhauses veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem, Karstadt verfüge über große Stärken, motivierte Mitarbeiter und erfolgreiche Sortimente.
 
Allerdings habe das Handelsunternehmen aber "leider auch große Schwächen". Dazu zählten etwa Verluste in bestimmten Sortimenten, unflexible Vergütungsstrukturen, hohe Mieten und Investitionsbedarf an vielen Standorten. Damit es gelinge, Karstadt schnell für die Kunden attraktiver und flexibler zu machen, seien "leistungsbezogene Vergütungsstrukturen" und flexible Arbeitszeitregelungen unverzichtbar.

Stellung beziehen

Unmittelbar vor Beginn der Gespräche mit Verdi bezieht Triton damit Stellung und macht der Gewerkschaft deutlich, dass auf die Mitarbeiter weitere Einschnitte zukommen werden, sollte der deutsch-schwedische Investor tatsächlich Karstadt kaufen.

Verdi lehnt aber weitere Zugeständnisse der Beschäftigten zur Rettung der Warenhauskette Karstadt ab. Medienberichten zufolge will Triton 4.000 der rund 26.000 Arbeitsplätze streichen sowie Tarifleistungen und Mieten kürzen.

"Ein Plan zur Fortführung des Unternehmens sollte nicht darauf kalkuliert sein, die Beschäftigten ein weiteres Mal zur Kasse zu bitten. 150 Millionen Euro allein aus dem laufenden Sanierungstarifvertrag sind ein sehr bedeutender und großer Beitrag, mehr geht nicht", sagte Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane.

Die Karstadt-Beschäftigten sowie Vermieter und Dienstleister hatten sich bereits im Insolvenzplan zu Einschnitten in Millionenhöhe bereiterklärt. Die Karstadt-Gläubiger sollen auf bis zu 97 Prozent ihrer angemeldeten Forderungen von 2,7 Milliarden Euro verzichten.

Verdi-Sprecherin Cornelia Haß sagte zu derhandel.de, dass die Karstadt-Mitarbeiter keineswegs zu den besser gestellten Beschäftigten im Einzelhandel gehören würden.

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.