Produkte "Made in Germany" finden derzeit in aller Welt reißenden Absatz. Doch auch wenn die deutschen Exporte auf ein Allzeithoch geklettert sind: Die Industrie kommt nicht recht in Schwung.

Waren aus Deutschland sind beliebt wie nie. Im März lieferten heimische Autohersteller, Maschinenbauer und andere Exporteure so viele Produkte in alle Welt wie nie zuvor. Trotzdem fuhren die deutschen Unternehmen ihre Produktion überraschend zurück.

Schon bekommt der Konjunkturoptimismus Kratzer - obwohl Verbraucher dank steigender Einkommen und Rekordbeschäftigung in bester Kauflaune sind, die Mini-Zinsen Konsum und Investitionen anschieben sollten und der schwache Euro und das billige Öl die Wirtschaft eigentlich kräftig anschieben müssten. "Die deutsche Wirtschaft kann die hohen Erwartungen nicht erfüllen", sagt ING-DiBa-Experte Carsten Brzeski.

Für Commerzbank-Ökonom Marco Wagner sind die neuesten Zahlen zur Industrie schon mehr als nur einen Hinweis auf einen schwachen Jahresauftakt: "Nämlich auch der Vorbote auf eine schwächere Wirtschaft in den kommenden Quartalen." Dafür spreche, dass die Industrie von Januar bis März weniger Aufträge erhalten habe als im Vorquartal. Der Ordereingang ist ein Indikator für die künftige Geschäftsentwicklung. Auch die Industrieproduktion kam nicht vom Fleck. Das Wirtschaftsministerium konstatiert: "Konjunkturell bedeutsamen Branchen wie dem Maschinenbau und der Kfz-Wirtschaft fehlt es derzeit an Schwung."

Gegenwind wird stärker

Damit verdichten sich die Anzeichen, dass der Gegenwind für die deutsche Konjunktur stärker wird. Selbst die sonst eher zuversichtlichen Ökonomen der Allianz treten auf die Euphoriebremse: "Betrachtet man alle derzeit für das erste Quartal verfügbaren Konjunkturdaten wie Produktion, Auftragseingänge, Einzelhandel und Außenhandel, so ergibt sich eher ein gemischtes Bild, das auf ein nur mäßiges Wachstum des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorquartal schließen lässt", schreibt Experte Rolf Schneider. Er erwartet, dass die Wirtschaft im ersten Quartal um bis zu 0,4 Prozent gewachsen sein dürfte.

Wenn Schneider recht hat, wäre der Konjunkturmotor zwar nicht ins Stottern geraten - der Aufschwung hätte aber an Tempo verloren: Ende 2014 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,7 Prozent zum Vorquartal geklettert. Ob dem so ist, zeigt sich am Mittwoch: Dann legen die Statistiker Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal vor.

Privater Verbrauch bringt Wachstum

Wachstumstreiber dürften einmal mehr die privaten Verbraucher sein, die ihre steigenden Einkommen angesichts der Mini-Zinsen lieber ausgeben, statt das Geld aufs Sparbuch zu legen. Hingegen dürfte die Nachfrage nach Investitionsgütern schwach geblieben sein, vermutet DIW-Präsident Marcel Fratzscher: "Das ist die Achillesferse. Die schwachen Investitionen lassen Zweifel aufkommen, wie lange sich die positive Konjunkturentwicklung in Deutschland fortsetzen wird."

Auch vom Außenhandel dürften bestenfalls geringe Impulse kommen - was angesichts des Exportrekords auf den ersten Blick überrascht: Die Ausfuhren stiegen zwar, das Plus der Einfuhren sei aber auch aufgrund der starken Binnennachfrage stärker gewesen, glaubt Schneider.

Dennoch sind die Exporteure zufrieden: "Der deutsche Außenhandel geht dank Rückenwind in ein vielversprechendes Jahr 2015", sagt Anton F. Börner, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA. Ulrike Kastens, Analystin von Sal. Oppenheim, ist skeptischer: "Der Exportmotor läuft längst nicht mehr so rund wie in der Vergangenheit." Gerade in wichtigen Absatzmärkten wie China, dem Euroraum und Osteuropa falle das Wachstum verhaltener aus als in der Vergangenheit.

Exportwachstum dank billigem Euro

Auch Börner räumt ein, dass das Exportwachstum vom billigen Euro getragen wird und daher auf wackeligen Beinen steht. Insgesamt haben die Firmen aus dem Land des Export-Vizeweltmeisters aber wenig Grund zur Sorge: Immerhin war der März ein Rekordmonat. "Das unterstreicht die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure. Die globale Nachfrage ist sehr robust", sagt Fratzscher. Hingegen muss Export-Weltmeister China herbe Einbrüche verkraften: Die Ausfuhren fielen im April binnen Jahresfrist um 6,2 Prozent, im März gar um 14,6 Prozent.