Der Trend  geht nach wie vor zum Heimwerken - daran ändern auch die Insolvenzmeldungen von Praktiker und Max Bahr nichts. Selbermachen ist hierzulande gefragt, stellen die Branchenverbände klar.

Die Heimwerkerbranche ist nach wie vor ein "wirtschaftsstarker, innovativer und zukunftsfähiger" Wirtschaftszweig: Aus den Insolvenzmeldungen von Praktiker und Max Bahr ein strukturelles Problem der "Do it yourself-Branche" abzuleiten, gebe die wahren Marktbedingungen nicht wieder, betonen die Branchenverbände "Handelsverband Heimwerken Bauen und Garten e.V." (BHB), "Herstellerverband Haus und Garten e.V." (HHG)  und der Industrieverband "Garten  e.V." (IVG) in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Ungebrochener Trend zum Selbermachen

"Die aktuellen Unternehmensinsolvenzen könnten den Eindruck erwecken, der Kunde verweigere sich dem Format 'Baumarkt', doch dem war und ist nicht so", stellt BHB-Vorstandssprecher Erich Huwer klar. "Die Deutschen gehen nach wie vor gerne in die Bau- und Heimwerkermärkte, der Trend zum Selbermachen ist seit Jahren ungebrochen".

Die Umsatzentwicklung der Branche in den vergangenen Jahren zeige, dass die 20 größten Baumarktbetreiber in Deutschland ihre Umsatzzahlen stetig steigern konnten: Von einem Gesamtumsatz von 17,6 Milliarden Euro im Jahr 1999 bis zu einem Marktvolumen von 21,1 Milliarden Euro im Jahr 2012.

Freilich gibt es auch kritische Stimmen. Manuel Jahn, Handelsimmobilienexperte der GfK, etwa betont, dass bei Baumärkten das Wachstum bei Umsatz und Fläche seit Jahren stagniere. "Man kann klar von einer Marktsättigung sprechen", sagt er.

Trotzdem: Die Insolvenz des chronischen Preisdrückers Praktiker ist für Jahn ein Sonderfall. "Erfolgreiche, beratungsorientiertere Konzepte wie Bauhaus, Hornbach, Obi, Max Bahr stehen weniger erfolgreichen, ausschließlich preis- und discountorientierten wie Praktiker oder B1 gegenüber." Rabatte und Discounts bieten für Jahn keinen ausreichenden Wettbewerbsvorteil in einer durch Preiskampf und Marketingdruck geprägten Branche. "Erfolg wird durch Innovation, Kundenberatungskompetenz, das passende Sortiment und den richtigen Standort erzielt", sagt der Gfk-Experte.

Dass nun aber auch die Praktiker-Tochter Max Bahr insolvent ist, ist wiederum eines der Folgeprobleme der Krise der Konzernmutter.

Kosten-  und Umweltaspekte

Die Branchenverbände sehen indes weiter eine gute Zukunft für die Baumärkte. "Do-it-yourself  ist in Deutschland ein bedeutender Trend und wird dies auch in Zukunft bleiben", betont Dietrich Alberts, Vorstandsvorsitzender des Herstellerverbandes Haus und Garten (HHG) und verweist auf die aktuellen Ergebnisse des Europa-Konsumbarometers 2013. Demnach wollen auch die Deutschen mehr und mehr selbst erledigen - sei es aus Qualitätsgründen, Kostenerwägungen oder Umweltaspekten.

Für den GfK-Mann Jahn wird jedoch der Trend zu weniger, aber größeren Märkten anhalten. Zwischen 2006 und 2012 sank die Gesamtzahl der Baumärkte in Deutschland um 3,3 Prozent. Sein Rezept gegen die Krise: Innovationen. "Der erfolgreiche Ausbau der Drive-In-Konzepte oder die Aufnahme von Handwerkersortimenten bei den Marktführern Bauhaus, Hornbach und Obi zeigt, dass dies auch in gesättigten Märkten eine Erweiterung von Kundschaft und Umsatz ermöglicht."

Umfangreiches Warenangebot und freundliches Personal

Die Branchenverbände verweisen darauf, dass die Verbraucher ihre Baumärkte nach wie vor schätzen und verweisen auf die aktuellen Ergebnisse des "Kundenmonitors Deutschland": Rund 95 Prozent aller Kunden zeigen sich von Angebot und Leistungen der Unternehmen überzeugt. Und auch das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) stellt den deutschen Baumärkten ein gutes Zeugnis aus: In der  "Servicestudie Baumärkte" werden insbesondere das umfangreiche Warenangebot, das freundliche Personal, eine gute Beschilderung der Warengruppen und zahlreiche Zusatzservices wie Werkzeugverleih als Qualitätsmerkmale hervorgehoben.

Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Vereinfachung

"In den kommenden Jahren werden auch weiterhin neue Produkte und innovative Dienstleistungen das Angebot in den Baumärkten zusätzlich verbessern",  ist IVG-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Riehl überzeugt. Besonderes Augenmerk verdienten dabei die zentralen aktuellen Trends der Branche – die Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Vereinfachung. "Für die DIY-Branche gilt es, diese Trends weiterhin zu nutzen, um auch in Zukunft Wachstumspotenziale zu erschließen", so BHB-Geschäftsführer Peter Wüst.

"Wir sind überzeugt, dass die Gartenbranche aufgrund des ungebrochenen Trends zum Gärtnern auch in Zukunft erfolgreich agieren und Impulse auf der Großfläche setzen wird", zeigt sich IVG-Geschäftsführer Johannes Welsch zuversichtlich. Für HHG-Geschäftsführer Ralf Rahmede bestehe kein Anlass, an der Zuverlässigkeit der gesamten Branche zu zweifeln.

DH

Lesen Sie hier einen Stimmungsbericht der Eschborner Filiale des insolventen Baumarktbetreibers Max Bahr.