Quelle soll heute den staatlichen Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro erhalten. Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg betont aber, dass der Versender noch nicht über den Berg sei.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte heute im ZDF-Morgenmagazin: "Quelle ist mitnichten gerettet". Der Versandhändler habe nun aber eine Chance bis zum Jahresende, sich neu aufzustellen. Allerdings könnte der bewilligte Kredit im schlimmsten Fall auch zur Abwicklung des Unternehmens eingesetzt werden.

Zu Guttenberg hat sein langes Zögern verteidigt, dem insolventen Versandhändler einen Massekredit zu gewähren. Er sagte, erst gestern habe man die letzten Zusagen seitens des Unternehmens und der Banken bekommen. "Wir haben mit Steuergeldern vernünftig umzugehen." Quelle soll den Kredit über 50 Millionen Euro heute erhalten.

Geld vom Bund sowie aus Bayern und Sachsen

Die Regierungen von Bayern und Sachsen wollen die Auszahlung anweisen, sagte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) am Montagabend in Berlin. Der Bund werde die Staatsbank KfW beauftragen. Bayern und Sachsen übernehmen zusammen 25 Millionen Euro des Kredits. Die anderen 25 Millionen Euro kommen vom Bund, der bis zuletzt die Sicherheiten für den Kredit geprüft hatte.

Die rund 8.000 Beschäftigten von Quelle können damit vorerst aufatmen: Noch für Dienstag wird mit der Zustimmung der EU-Kommission und der Auszahlung des Geldes gerechnet.

Gerettet ist Quelle damit allerdings noch lange nicht. Der Kredit muss zum Jahresende zurückgezahlt werden. Spätestens bis dahin muss das Geschäft des angeschlagenen Versanhandelsriesen wieder laufen.

10.000 Jobs in Bayern hängen von Quelle ab

Mit dem Massekredit soll Quelle den Geschäftsbetrieb zunächst aufrechterhalten. Ein Quelle-Sprecher sagte der Tageszeitung "Die Welt", die Kunden hätten angesichts der Querelen zuletzt deutlich weniger bestellt.

Finanzminister Fahrenschon sagte, der Kredit sei das langersehnte positive Signal für Quelle. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gab sich dagegen verhalten optimistisch. Er erklärte: "Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren." Dies sei aber kein "Selbstgänger". Er hoffe jedoch auf einen "guten Ausgang", sagte Görg.

In Bayern hängen nach Angaben des Betriebsrates mehr als 10.000 Arbeitsplätze an Quelle. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel sprach nach der Entscheidung von "riesiger Erleichterung". Der Kredit versetze Quelle in die Lage, den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen. "Das gibt wahnsinnige Motivation", sagte Sindel.

Quelle-Retter Seehofer im Glück

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüßte ebenfalls die Entscheidung. "Damit bekommt Quelle in schwieriger Lage endlich eine faire Chance", sagte er.

Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers betonte, man werde alles tun, um die jetzt eröffnete Chance zu nutzen. Der Chef der Versandsparte Primondo des Arcandor-Konzerns, Marc Sommer, betonte, Quelle habe in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung vollzogen weg vom traditionellen Versandhändler hin zum Internet-basierten Homeshopping-Anbieter. "Damit hat sich Quelle eine Perspektive
erarbeitet, die durch die jetzige Entscheidung bestätigt wird."

Lieferanten halten still

Quelle kann seine Lieferanten nicht bezahlen und ist seit Wochen darauf angewiesen, dass sie im Vertrauen auf die Staatshilfe in Vorleistung gehen. Auch die Druckerei des Quelle-Katalogs begann Freitagabend im Vertrauen auf Staatshilfe mit der Auslieferung von mehr als 100.000 Katalogen.

Eigenes Geld hat Quelle nicht mehr, weil das Unternehmen kurz vor dem Insolvenzantrag alle finanziellen Mittel an den Mutterkonzern Arcandor überweisen musste.