Seit Anfang Juli hat Rewe.de einen neuen Onlineshop. Wir haben mal kurz einen Blick darauf geworfen, um uns einem einen leichten, übersichtlichen Design zu erfreuen. Aber das hält leider nur auf den ersten Blick. 


Stolz spricht Rewe von einem „großen Meilenstein“ und einer „technischen Basis“ für neue Features und Services. Etwas vorsichtiger spricht der Supermarktkonzern aber gleichzeitig von einem „Soft-Launch“, also einer weichen Eröffnung, einem Pre-Opening. Kann man denn auf Rewe.de heute, zwei Monate nach dem Pre-Opening und einigen Verbesserungen gegenüber der Startversion, überhaupt schon bestellen, oder befindet sich der Onlineshop noch in der Findungsphase?

Experimente im Shopdesign

Drücken wir es mal etwas vorsichtig aus: Rewe wagt einige Experimente im Shopdesign, die nicht jedem Shopbetreiber zur Nachahmung empfohlen sind. Wir beginnen bei der Suche, denn Usability-Kritiker suchen gerne nach den Low-hanging-fruit, damit schon mal was Kritisches im Bericht drin steht.

Und siehe da: Rewe.de entpuppt sich als dankbares Opfer. Die Suche nach Avocados brachte als Ergebnis nur redaktionelle Inhalte zutage, aber keine Produkte. Gleiches galt für die Suche nach Mango und Schweinefilet. „Dry aged“ gibt es bei Rewe zumindest laut Suche gar nicht, dabei war mir so, also wäre mir bei einer örtlichen Filiale mal eine Probierportion des Luxusfleisches begegnet, aber das ist Spekulation. 

Apropos Filiale: Da war doch was. Stimmt. Angesichts des dezentralen Aufbaus der Rewe-Gruppe, variieren die Angebote der einzelnen Händler mitunter stark voneinander. Wer also sinnvoll bestellen will, gibt mindestens seine Postleitzahl preis. Blöd nur, dass die Suche nicht der Meinung ist, mich darüber zu informieren. Wäre ich hingegen zunächst über eine Produktkategorie gegangen, dann hätte mich Rewe.de mit einem aggressiven Overlay zur Preisgabe des Standorts gezwungen. Wer das Overlay wegklickt, bei dem verschwinden auch die meisten Kategorieinhalte.

Bitburger-Targeting für die Schmerzen des Websitetesters?

Zum Trost erscheint dafür dann eine Promotion für eine Kiste Bitburger. Kein schlechtes Targeting, um die Schmerzen des Websitetesters zu lindern.

Klickt man nun eine andere Produktkategorie an, dann passiert auf der Seite einfach nichts mehr. Warum? Weil auf jeder Seite die Gerstensaft-Werbung läuft und die so viel Platz einnimmt, dass die Seitenänderungen unter dem virtuellen Seitenfalz geschehen. Im Wahrnehmungsnirvana.

Recht neben dem Bier steht übrigens die Wiederholung der Aufforderung, dass man doch bitte seine Postleitzahl eingeben möge. Ich habe den Hinweis erst auf der vierten besuchten Seite gesehen. Klassischer Fall von Bannerblindness.

Unten in dieser Aufforderung gibt es ein Textfeld mit der Aufschrift „Hier Postleitzahl eingeben“. Und das ist tatsächlich ein Fake. Quasi eine webdesignerische Reminiszenz an die frühen 90er, als man noch gar nicht so richtig wusste, wie man mit Formularfeldern auf Nichtformularseiten umgehen soll. Es ist ein Button, der zu einem anderen Overlay führt, in dem man die Postleitzahl zwar nicht „eingeben“ aber zumindest „ändern“ kann.

Und dann? Schließt man das Overlay, dann ändert sich nichts. Also nochmal geöffnet. Da steht auch meine Postleitzahl drin. „Wo wollen Sie einkaufen“, werde ich gefragt und zur Wahl stehen „Lieferservice“ und „Abholservice“. Ich klicke auf „Lieferservice“ um die Auswahl zu bestätigen, schließe das Overlay und es hat sich nichts geändert. Tatsächlich stelle ich beim dritten Öffnen des Fensters per MouseOver fest, dass die Namen der angezeigten Supermärkte mausempfindlich reagieren und dann erscheint wie aus dem Nichts ein sinnvoller call to action „Markt auswählen“. Und schwups erscheint auf der Hauptseite meine Postleitzahl, das Angebot an Waren ist plötzlich viel Größer und die Suche findet Avocados und zwar nicht nur bei der Onlineredaktion sondern auch im Laden.

Der Call-to-action für die Marktauswahl wird perfide erst bei MouseOver angezeigt
Der Call-to-action für die Marktauswahl wird perfide erst bei MouseOver angezeigt

Mahlzeit: Entenfleisch-Suche liefert Rinder-Entrecote

Aber ich werde dennoch irgendwie das Gefühl nicht los, dass sich Rewe.de, mein Browser (Chrome Win8.1) und Ich nicht so toll verstehen. Ich suche zunächst nach Fleisch und erhalte 792 Treffer. Dann suche ich nach Rindfleisch, um mehr Übersicht zu bekommen und erhalte … 792 Treffer. Nun suche ich spaßeshalber nach Schweinefleisch: 1249 Treffer. Hä? Und beim Entenfleisch mit ebenfalls weit über 1000 Treffern landet auf Platz fünf der Suchergebnisse das Rinder-Entrecote.

Die Suche nimmt stellenweise eine eigenwillige Zuordnung vor
Die Suche nimmt stellenweise eine eigenwillige Zuordnung vor

Nun könnte es natürlich sein, dass das Rind an und für sich und entgegen der landläufigen Meinung gar kein pflanzenfressender Widerkäuer ist, sondern vielmehr eine Vorliebe für gut gemästete Stockenten besitzt. Den brutal-heimtückischen Jagdvorgang möchte man sich nicht vorstellen. Dann wäre also das Entrecote ein Stück Rindfleisch, das Spuren von Entenfleisch enthalten kann und insofern richtig eingeordnet ist.


Dickes Frühstück

Ach ja, ich vergaß zu erwähnen: Als ich noch keinen Markt gewählt hatte, erschienen auf der Kategorieseite „Frühstück“ tatsächlich Dickmanns oder wie immer die jetzt genannt werden als Empfehlung. Gemeinsam mit einem gepflegten Bitburger halte ich das für ein veritables Onliner-Breakfast. Ist das der Start Rewes in die Welt des Curated Shopping?