Mobile Couponing ist ein Trend im mobilen Marketing. Mit der wachsenden Verbreitung der Smartphones, zunehmender mobiler E-Mail-Nutzung, mehr Mobile Commerce und Mobile Payment ante portas sind die Aussichten für mobile Gutscheine mehr als günstig. Das klingt, als könne man kaum etwas verkehrt machen. Doch. Denn wie die digitalen Rabatte am Elegantesten zum Kunden kommen, ist noch längst nicht entschieden. Lösungen gibt es viele. 

 

Gegenüber den klassischen Papier-Coupons punkten die Rabatte aus Bits und Bytes gleich aus mehreren Gründen. Sie lassen sich gezielt nach Aufenthaltsort und nach Tageszeit an den Kunden senden. Das reduziert die Marketingkosten. Und das bei einer schneller machbaren Umsetzung. Obendrein landen sie flott Treffer. Studien gehen davon aus, dass die Einlösungsrate der Coupons je nach Branche, Aufmachung, begleitenden Aktionen und Zielgruppe zwischen  5 % und 15 % liegt.

Würde Google ja sonst auch nicht machen. Der Suchmaschinenriese startet im Frühjahr mit Google Offers in Deutschland. In einem ersten Piloten testete die Telekom das System und bot 30 Euro Rabatt auf Handy-Zubehör beim Kauf eines Mobilfunkgeräts inklusive Vertragsabschluss. Kunde wurden dafür bei der Google-Suche über Desktop oder Smartphone  in einer Adwords-Anzeige auf das Angebot aufmerksam gemacht und konnten  das Angebot dann in der „Google Offers“-App speichern. In der Nähe eines T-Stores gab die App Laut, dass man hier und jetzt das Angebot per Code einlösen könne. Man kann das Angebot natürlich auch noch ganz klassisch ausdrucken und vorzeigen.

Cash statt Prozente

Der Mobil Couponing-Anbieter Coupies bietet zunächst einmal wie gewohnt klassische Coupons, die der Kunde dann an der Kasse auf dem Display vorzeigt, um beispielsweise wie bei ToyRus einen Rabatt auf das gesamte Sortiment zu erhalten. Aktuelle Coupons kann man sich bei Coupies in einer Übersicht auf der Website oder der in der App anzeigen lassen. Natürlich auch als Übersicht der verfügbaren Coupons in der Umgebung. Man kann diese Funktion als Branchenstandard betrachten. Daneben aber verfolgt Coupies noch einen anderen Ansatz, um insbesondere Markenhersteller anzusprechen und dem Handel die lästige Unterbrechung des Kaufvorgangs durch die Einlösung zu ersparen. Der Kunde kauft zum vollen Preis das Produkt, scannt danach über die Coupies-App den Kassenbon, und bekommt von Coupies den Rabatt gutgeschrieben.

Der Markenhersteller Johnson & Johnson zählte zu den ersten Nutzern und findet besonders gut, dass er ohne großen Vorlauf händlerübergreifend POS-Aktionen realisieren kann und interessante Marktforschungsdaten erhält. Zuletzt vertrauten unter anderem Nudelhersteller Barilla und Nestea von Nestle  auf diese Lösung.

Cashback nennt sich das Prinzip auf das auch Scondoo setzt. Die App des Berliner Start-up, an dem auch die DailyDeal-Gründer Fabian und Ferry Heilemann beteiligt sind, scannt gleichfalls den Kassenzettel, validiert den Kassenbon und schreibt den entsprechenden Bonus innerhalb eines Tages gut. Nutzer können sich das Guthaben auszahlen lassen. Scondoo bietet Unternehmen zudem als erste deutschsprachige App die Möglichkeit, kontextbezogene Werbeclips und Imagefilme in die mobilen Kampagnen für Supermarkt- und Drogerieprodukte zu integrieren. Als erster Partner setzt Garnier aus dem Hause L’Oréal auf die mobilen Inhalte. Das ist durchaus clever. Kann doch so ein simpler Coupon noch mit Image-Botschaften multimedial aufgehübscht werden.

Spielerisch Rabatte sammeln

Kassenzettel scannen ist natürlich irgendwie sehr buchhalterisch. Visuell reizvoll klingt da eine Lösung, die der Location Based Service Gettings in Kooperation mit dem Wäsche-Label Lasacana im Juni neuerlich auflegte.  „Gettings Snap!“. Mit der Snap-Funktion der App bekommen Kunden durch einfaches Abfotografieren des gewünschten Produkts einen persönlichen Sofortrabatt. Die erste Aktion im Dezember gilt als Erfolg Die Aktion hatte eine Conversion Rate von 97%, zusätzlich enthielten 24% der durch die Aktion erzielten Verkäufe zusätzliche unrabattierte Produkte. Und: Im Durchschnitt empfahl die teilnehmende Person die Aktion an rund drei Personen weiter.

Gettings hat noch ein weiteres Plus auf seiner Seite.  Die Vorinstallation auf alle neuen E-Plus Smartphones.

Denn das ist ein Makel manch eines Rabatt-Systems. Der Schnäppchenjäger muss sich die entsprechende App oft erst herunterladen, der App-Anbieter muss selbst zur Marke werden. Das gelingt umso leichter, desto mehr attraktive Angebote die App zu bieten hat. Die aber kommen erst, wenn die Reichweite stimmt. Kurz gesagt: Henne – Ei.

Gettings bewarb die Lascana-Aktion auch bei Facebook
Gettings bewarb die Lascana-Aktion auch bei Facebook

Deshalb tritt auch Vouchercloud so selbstbewusst auf. Die App kommt von und mit Vodafone und dient sich mit ihrer geo-lokalisierten Sortierfunktion Markenherstellern als auch lokalen Händlern an. Vouchercloud geht aber auf Nummer sicher und bietet daneben auch noch Gutscheine-Codes für Online-Angebote an und - wie auch andere Anbieter - Gutscheine zum Ausdrucken. Man will schließlich auch konservativere Kundenkreise abholen.

Ich will da rein: Passbook

Eine App hier, ein Coupon dort. Als Helferlein im digitalen Zettelchaos drängt sich Apple mit seinem Sammelsystem Passbook auf.

Das nutzen Marken ebenso wie Händler und App-Anbieter. McDonalds vertraut darauf, dass man die Gutscheine der Bullutten-App in Passbook abspeichern möchte, Payback-Coupons kann man dort ebenso horten wie Angebote bei Coupies oder Gettings. Auch bei Edeka kann man die Gutscheine der Edeka-App vom deutschen Software-Dienstleister Valuephone im Apple Passbook verwalten. Obwohl man gerade von Edeka-Kunden erwarten dürfte, dass Sie die Edeka-App ohnehin jeden Samstag beim Einkauf zur Hand haben wie einst den Handzettel. Aber sicher ist sicher.

Das Prinzip der Mehrfach--Sciherung zeigt sich bei der Edeka-App wie auch bei der App der Tochter Netto an den Einlösemodalitäten. Eingelöst wird ein Coupon entweder über einen Barcode per Scan an der Kasse - oder über eine Nummer auf dem Display, die sich in die Kasse eintippen lässt. Das ist praktisch für Kassen und Märkte, die noch nicht auf dem neuesten Stand der Technik sind.

Das ist schließlich die Furcht aller Anbieter und Werbekunden: Was wenn der Gutschein sich nicht einlösen lässt, weil in einem Laden noch alte Registrierkassen stehen? Was, wenn die Kunden nicht mit Barcodes umgehen wollen? Was, wenn sie die Coupon-Nummer immer zu früh abrufen, weil die nur 5 Minuten gültig ist, der Kunde das aber schon vor 10 Minuten in der Schlange getan hat?  Was, wenn sich NFC doch nicht durchsetzt? Die größte Sorge der Kunden aber können alle Marktteilnehmer noch nicht so recht beantworten: Was, wenn der Smartphone-Akku leer ist?


Grafik: Statista